Wohlen
Gemeinderat findet längeren Schulweg für Angliker Kinder ab der 3. Klasse zumutbar

Eine vor über zwei Jahren eingereichte Motion zweier Angliker Einwohnerräte empfiehlt der Wohler Gemeinderat zur Ablehnung. Im Begehren wird gefordert, dass die Primarschule in Anglikon bis zur
4. Klasse erhalten bleiben soll.

Marc Ribolla
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Im Schulhaus Anglikon sollen nur noch Kinder bis und mit 2. Klasse unterrichtet werden.

Im Schulhaus Anglikon sollen nur noch Kinder bis und mit 2. Klasse unterrichtet werden.

Toni Widmer (27.5.2019)

Alle haben sie in ihrem Leben besucht, egal wo, und verbinden Erinnerungen an sie. Die Schule. Kein Wunder, dass kaum ein Thema in der Bevölkerung für mehr Emotionen sorgt. So auch seit längerer Zeit in Wohlen und dessen Dorfteil Anglikon.

Im Juni 2019 reichten die beiden Angliker Einwohnerräte Mika Heinsalo und Hans-Rudolf Meyer im Rat eine Motion ein. Darin verlangten sie, dass die Primarschule bis zur 4. Klasse im Dorfteil Anglikon erhalten bleibt. Ursprünglich sollten schon per laufendem Schuljahr 2021/22 die Angliker Schulkinder ab der 3. Klasse im Bünzmattschulhaus unterrichtet werden, doch diese Änderung später wurde aufs Schuljahr 2022/23 verschoben.

Situationsplan der Wohler Schulhäuser

Nun liegt nach fast zweieinhalb Jahren die ausführliche Meinung des Gemeinderats vor. Er beantragt an der kommenden Einwohnerratssitzung am 8. November die Nichtüberweisung der Motion. Dazu liefert der Gemeinderat mehrere Argumente.

Gemeinderat untersuchte die Schulraumproblematik vertieft

Bereits vor rund einem Jahr teilte die Schulpflege, die nur noch bis Ende 2021 im Amt ist, dem Gemeinderat mit, dass sie nach wie vor der Meinung sei, dass in Anglikon kein weiteres Schulzentrum entstehen solle. «Denkbar ist, in Anglikon künftig den gemäss Aargauer Lehrplan 21 beschriebenen Zyklus 1 (zwei Jahre Kindergarten sowie 1. und 2. Klasse Primarschule) zu führen», erklärte die Schulpflege.

Dennoch unterzogen die zuständigen Gemeinderäte Paul Huwiler und Thomas Burkard die Angliker Schulraumproblematik einer vertieften Abklärung. Das Angliker Schulhaus verfügt über drei Stockwerke, wo jahrgangsübergreifend die 1. und 2. Kindergartenklasse, die 1. und 2. Primarschulklasse und die 3. und 4. Primarschulklasse unterrichtet werden. Zudem gibt es eine zweite Kindergartenabteilung, die bis 2028 in einer nahe gelegenen Überbauung (Wohlermatten) eingemietet ist.

Im laufenden Schuljahr führt die Schule fünf Abteilungen in Anglikon mit insgesamt 100 Kindern. Ein Ausblick auf die späteren Jahrgänge, die ab 2022/23 eingeschult werden, zeigt mit 14, 19, 11 und 23 Kindern ein sehr unterschiedliches Bild. Das frühere System mit jahrgangsgemischten Abteilungen könne mit diesen volatilen Kinderzahlen nicht weitergeführt werden. Es müsse generell auf das System mit Jahrgangsklassen umgestellt werden, erklärt der Gemeinderat weiter.

Untersucht hat er auch die Auswirkungen auf den Schulweg, falls die Angliker Kinder zukünftig ab der 3. Klasse ins maximal rund 1900 Meter entfernte Bünzmattschulhaus gehen müssen. Für die Motionäre Heinsalo und Meyer war bei der Einreichung klar, dass beispielsweise ein Schulweg von mehr als 1,5 Kilometer für ein achtjähriges Kind zu Fuss eindeutig zu lang ist und auch der Ortsbusfahrplan nicht optimal ist.

Die einzelnen Zumutbarkeiten für einen Schulweg.

Die einzelnen Zumutbarkeiten für einen Schulweg.

zvg

Der Gemeinderat sieht dies in seinen Ausführungen etwas anders. Die aktuelle Rechtssprechung behandle hinsichtlich Zumutbarkeit des Schulwegs stets Einzelfälle und richte sich nach Länge, Höhendifferenz, Topografie und Gefährlichkeit. Der Gemeinderat zieht eine allgemeine Darstellung von Fussverkehr Schweiz heran und schreibt: «Der weitere Weg in das Schulzentrum Bünzmatt für neun bis zwölf Jahre alte Kinder der 3. und 4. Primarschulklasse ist zumutbar bzw. situationsbedingt zumutbar. Auf jeden Fall kann den neun bis zwölf Jahre alten Kindern die Benutzung des öffentlichen Verkehrs zugemutet werden.»

Obwohl er der Meinung ist, dass den 9- bis 12-Jährigen ab der 3. Klasse der Schulweg zum Schulzentrum Bünzmatt zugemutet werden kann und er die Motion zur Ablehnung empfiehlt, stellt der Gemeinderat zwei Varianten in den Raum. Die erste entspricht seiner Haltung und derjenigen der Schulpflege mit der Auslagerung ab der 3. Klasse.

«Zusammen mit dem Kindergarten Wohlermatten sind die räumlichen Verhältnisse bis ins Jahr 2028 ausreichend. Im Jahr 2025 muss aufgrund der dannzumaligen Kinderzahlen neu beurteilt werden, wie sich die Schulraumsituation ab Sommer 2028 präsentiert», heisst es.

Sollte die Motion vom Einwohnerrat trotzdem überwiesen werden und die Primarschule bis zur 4. Klasse in Anglikon bleiben, schlägt er Variante B vor. Dann bräuchte es nebst den aktuellen drei Schulzimmern noch für drei weitere Schulzimmer und Gruppenräume Platz – mit entsprechender Kostenfolge für diesen zusätzlichen Bau.

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