Widen
«Wir spielen Theater – ihr bringt die Stühle»

Bei der Premiere des Stücks «Mutschälle Tag & Nacht» beeindruckten die Jungschauspieler mit Spontanität. Gezeigt wurde das Innenleben einer zehnköpfigen Wohngemeinschaft.

Patrick Züst
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Ein Teil der WG-Bewohner diskutiert auf dem grünen Sofa. Patrick Züst

Ein Teil der WG-Bewohner diskutiert auf dem grünen Sofa. Patrick Züst

Am Montag, kurz nach 20 Uhr, verwandelte sich die Mehrzweckhalle Widen zu einer WG mit insgesamt zehn Bewohnern, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Das versammelte Publikum konnte live miterleben, wie sich Fitnessfanatiker Enrique und IT-Girl Cindy langsam annäherten, wie Innenarchitekt Sven mit Highheels durch das Wohnzimmer stolzierte und mit welchen Problemen Taxifahrer Müslüm zu kämpfen hatte. Verkörpert wurden die Hauptdarsteller des Stücks «Mutschälle Tag & Nacht» dabei von den «Theaterjunkies» des Jugendtheaters Widen.

Eine Fortsetzungsgeschichte, wie man sie sonst nur aus Telenovelas kennt, bringen die Jungschauspieler jetzt auf die Theaterbühne – ohne Drehbuch, dafür mit viel Humor. Stühle musste das Publikum jedoch selbst mitbringen, da die Aufführung nicht von Räumlichkeiten abhängig sein soll. In Zukunft sollen Vorstellungen auch in der freien Natur stattfinden, je nachdem, wie sich die Geschichte um die WG-Bewohner weiterentwickelt.

Fokus auf Improvisation

«Es war uns wichtig, ein Gefäss zu finden, welches den theaterbegeisterten Jugendlichen die Möglichkeit bietet, ihrer Leidenschaft nachzugehen, aber gleichzeitig auch Raum für Spontanität lässt», sagt Leiterin Evelyne Brader über das Konzept, welches in Zusammenarbeit mit den Schauspielern entstand. «Weil wir keine feste Handlung und kein Drehbuch haben, sind wir auch sehr flexibel. Egal ob personelle Abwesenheiten, aktuelle Geschehnisse oder unsichere Witterungsverhältnisse – wir können alles ganz einfach in die Vorstellung integrieren.» Dennoch ist ein improvisiertes Theaterstück natürlich vor allem für die Schauspieler eine grosse Herausforderung. Ideen müssen im Kollektiv direkt auf der Bühne entwickelt und realisiert werden. Eine zusätzliche Schwierigkeit stellen dabei die Regieanweisungen dar, welche direkt während dem Stück gegebenen werden. Zusätzlich müssen gewisse Wörter ins Theaterstück integriert werden, welche vorab vom Publikum definiert wurden.

Theater als Leidenschaft

Ein Mitglied der Theatergruppe ist der 19-jährige Michael Tobler, welcher im Stück Innenarchitekten Sven verkörpert. «Theater war schon immer eine Leidenschaft von mir. Dass man auf der Bühne in komplett andere Rollen schlüpfen kann, faszinierte mich bereits als Kind», sagt der Kaufmann in Ausbildung. Dass es bei «Mutschälle Tag & Nacht» kein Drehbuch gibt, stört ihn nicht: «Natürlich ist es eine grosse Herausforderung, weil man immer dabei sein und mitdenken muss. Gleichzeitig schult Improvisationstheater aber auch die schauspielerischen Fähigkeiten enorm.» Zwischen den einzelnen Episoden beschäftigen sich die Jungschauspieler wöchentlich damit, wie man über Mimik und Gestik auf der Bühne noch glaubhafter wirken kann.

Die Premiere des Stücks kam beim Publikum sehr gut an. Mit ihren Improvisationskünsten schafften es die Jugendlichen, das Handeln ihrer Charaktere überzeugend darzustellen. Die neuen Episoden der Theatertelenovela werden in Zukunft jeweils am ersten Montag im Monat in der Mehrzweckhalle aufgeführt.

Sobald es das Wetter zulässt, soll das grüne Sofa und damit die Theaterbühne, auch vermehrt nach draussen verlagert werden. Zeitlich ist das Stück nicht begrenzt und man kann gespannt sein, wie sich die Geschichte der Mutschäller WG weiterentwickeln wird.

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