Wohlen

Wetterpech für Pfingstlauf Wohlen: Ein Schweiss-Regen-Tränengemisch

Seit 50 Jahren findet der Pfingstlauf Wohlen statt – so schlechtes Wetter gab es aber noch selten. Am wenigsten an den garstigen Bedingungen schienen sich die Läufer selbst zu stören.

Von Patrick Züst
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Ziel erreicht
19 Bilder
Sie haben es richtig gemacht- Nicht zu schnell starten und dann am Schluss so richtig aufholen
Tim Röhler und seine Kollegen liessen sich den Spass auch von den widrigen Witterungsverhältnissen nicht nehmen
Wohler Pfingstlauf 2016
Waffenläufe sind schon lange keine reine Männersache mehr
Startnummer montiert, dann kann es losgehen
Ob das wirklich eine gute Idee war, da ist sich Laura Nunes aus Dottikon vor dem Start noch nicht ganz sicher
Fabio Rondina (rechts) holte für den STV Büttikon den Sieg in der Kategorie Piccolo
Matteo Grossen (links) und sein Kollege motivieren sich gegenseitig am Start
Seraphina Grossen und Roland Uhler spazieren zusammen am Ende des Teilnehmerfelds
Für alle Teilnehmer, welche im Jahr des 50. Pfingstlaufs 50 Jahre alt wurden, kostete die Startgebühr nur acht Franken
Ein wenig Mitleid hatte man als Zuschauer schon mit der drittplatzierten Noelia Grob und ihren Piccolo-Kolleginnen, welche sich durch den strömenden Regen kämpften
Peter Gerber absolvierte in Wohlen seinen insgesamt 400
Die Bambinis starten mit voller Motivation auf die 350 Meter lange Rennstrecke
Die Spitzengruppe der Kategorie Schülerinnen A
Die Hofmattenturnhalle bot nicht nur geselliges Zusammensein, sondern vor allem auch Zuflucht vor dem Regen
Die Bratwurst war zwar gut, konnte aber gegen die Nässe auch nicht viel ausrichten
Auch kurz vor dem Start meldeten sich noch Läufer nach - trotz den miserablen Witterungsverhältnissen
Das Hauptfeld wird anfangs noch von Philipp Koutny angeführt - am Schluss kann sich jedoch Armin Flückiger (zweiter von links) durchsetzen und den Sieg sichern

Ziel erreicht

Patrick Züst

Es sind lange Gesichter, welche die 350 Meter lange Rennstrecke am Wohler Waldrand säumen. Lange, konsternierte und vor allem nasse Gesichter. Sie gehören jenen Eltern, welche ihre Kinder damals für eine Teilnahme am Pfingstlauf Wohlen angemeldet hatten, welche einen gemütlichen Samstag bei sonnigem Wetter erwarteten.

Daraus wurde nichts. Denn kurz nach zwei Uhr, als die Waffenläufer im Zielraum bereits das erste Bier tranken und die Kindergärtler in Zweierkolonne zum Start wanderten, genau dann brach der Himmel ein.

Der 50. Pfingstlauf in Wohlen war geprägt von Niederschlag, wie man ihn in den vergangenen Jahrzehnten am Pfingstwochenende nur selten erlebt hatte. Das sagen nicht nur Organisatoren und Teilnehmer, das sagen auch die Messwerte: 26,4 Liter Niederschlag wurden am Pfingstsamstag in Wohlen gemessen – so viel wie schon seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Wer keinen Platz mehr unter den wenigen Zelten fand, der war innerhalb von kurzer Zeit völlig durchnässt. Daran konnten weder Bratwurst noch Schlagermusik oder Galgenhumor etwas ändern. Dennoch gab es von all dem reichlich. Am wenigsten an den garstigen Bedingungen schienen sich die jungen Läufer selbst zu stören, welche sich im strömenden Regen auf ihren Start vorbereiteten.

Duftnote Perskindol

«Einfach immer Vollgas rennen! Eine Pause machen wir erst im Ziel», schwört der erst vierjährige Leandro Grossen seinen Kollegen ein. Die beiden sind voll motiviert, werden zwar nicht den Sieg, dafür immerhin sich selbst ins Trockene bringen. Es ist ein grandioses Schauspiel, welches die Läufer der Kategorie «Bambini» im strömenden Regen bieten: Vorne ziehen die Kinder ihre Eltern, hinten die Eltern ihre Kinder. Und ganz am Schluss des Teilnehmerfelds spaziert die zweijährige Seraphina zusammen mit Roland Uhler die Strecke ab. Sie mit Marienkäfer-Regenjacke, er im Tarnanzug.

Nicht mehr begleitet von den Eltern, dafür von einem starken Perskindol-Geruch, startet rund eine Stunde später das Hauptfeld in den Wettkampf. Der Pfingstlauf erfreut sich auch nach 50 Jahren äusserst grosser Beliebtheit – am Samstag meldeten sich erneut über 1000 Personen an. Der schnellste von ihnen über 10 Kilometer war Armin Flückiger vom SC Diemberg, bester Freiämter Claude Denier von der Läuferriege Wohlen. Der erfahrene Rottenschwiler hatte dabei seine ganz eigene Ansicht zum Wetterpech: «Mich hat der Regen überhaupt nicht gestört – ich glaube sogar, dass es für mich ein Vorteil war. Und weniger geschwitzt habe ich erst recht noch!»