Wohlen

Warum das Freiamt die Welt bereichert

Der Freiämter Kalender ist wieder da. Er ist lesenswert und eine Ode an die Region – wie immer – seit 107 Jahren.

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Der aktuelle Freiämter Kalender. az

Der aktuelle Freiämter Kalender. az

«Den Flug nach New York zum Bewundern des neuen geflügelten Vier-Milliarden-Bahnhofs von Santiago Calatrava kann man sich mit einem Besuch der Kanti Wohlen ersparen. Augen ein bisschen zukneifen, und die Eingangspartie und das Gebälk der Aula bieten typischen Calatrava. Nur etwas kleiner und billiger. Habsburgerfans brauchen nicht nach Wien zu reisen. Das Kloster Muri mit der Begräbnisstätte der Herzen von Zita und Karl I. in der Loreto-Kapelle lässt kaiserliche Gefühle aufkommen», schreibt der Wohler Lorenz Stäger im Editorial zur neuesten Ausgabe des Freiämter Kalenders.

Sein Aufsatz liest sich wie ein Querschnitt durch die bisherigen Ausgaben dieses Werks, das in der 107. Auflage vorliegt. Der zuständige Kalendermann, aktuell ist es der Murianer Jörg Steinmann, versteht es immer wieder aufs Neue, das Freiamt, seine Schönheiten und seine Leute ins richtige Licht zu rücken. Über viele Freiämter Besonderheiten, von denen Stäger im Editorial berichtet, ist in der Vergangenheit auch im Kalender schon berichtet worden.

So erwähnt Stäger in seinem Text das Strohmuseum in Wohlen, die Jeans von Tommy Hilfiger, dessen Urgrosseltern aus Hilfikon stammten. Dort wo auch die einzigartige Schlosskapelle mit der Nachbildung des Heiligen Grabes steht. «Jerusalem im Aargau» hat die NZZ laut Stäger einmal getitelt.

Stille Winkel zuhauf

Und der Wohler alt Kantilehrer weiss noch von viel mehr Bedeutendem im Freiamt zu berichten: «Der Bremgarter Heinrich Bullinger beeinflusste die Entwicklung der Reformation in ganz Europa. Statt nach Rom oder Assisi zu pilgern, können wir zur heiligen Bernarda in Auw oder zum heiligen Burkard in Beinwil wandern. Das Bundesratsreisli ohne Freiämter Anteil wäre eine mickrige Sache. Mit Doris Leuthard und Bundeskanzler Thurnherr stellen wir 25 Prozent der Teilnehmer.» Die Welt, hält Lorenz Stäger fest, wäre ohne das Grosse Freiamt ärmer.

Wie der Kalender kennt auch Lorenz Stäger die kleinen Besonderheiten, die das Freiamt erst zur speziellen Region machen: «Wer will, findet immer noch stille Winkel zuhauf. Ob in Wannen bei Meienberg mit der einzigartigen Sicht auf die Alpen oder im Murimoos, zu Füssen des Chapf, von Erika Burkart einfühlsam beschrieben. Störche stelzen auf den Feldern umher, die vor 10 000 Jahren noch von einem See bedeckt waren. Die Bünz fliesst lebendiger als einst. Fischreiher stehen bocksteif im Wasser. In Jonen lädt die Wallfahrtskapelle, ringsum vom Wald behütet, zum Nachdenken ein.

Die Ruhe lässt einen vergessen, dass in weniger als zwei Kilometern Entfernung die Autobahn von Zürich zum Gotthard führt. Hübsche Maienstöcke immer noch viele Bauernhöfe, genau so wie die alte Sinser Reussbrücke.» Das alles, folgert der weit gereiste Stäger, mache die Schönheit des Freiamts aus und deshalb wohne er gerne hier: «Man kann wählen, je nach Stimmung und Jahreszeit, zwischen Calatrava und heiligem Burkard, zwischen Habsburger Doppeladler und Wyssebacher Sagi, zwischen dem Grossen und dem Kleinen Freiamt. Schade nur, dass die beiden Wirtshäuser, die wegen ihrer gegensätzlichen zoologischen Namen eigentlich ins Guinness-Buch der Rekorde gehört hätten, Geschichte sind: der ‹Elefant› in Hilfikon und der ‹Chäber› in Wohlen.»

Der Nachruf auf den «Elefant» war im Kalender schon vor Jahren zu lesen. Jener vom «Chäber» ist in der aktuellen Ausgabe prominent aufgemacht. Was steht sonst noch drin, im neuen Freiämter Kalender? Viel. So viel, dass sich der Kauf einmal mehr lohnt. (to)