Solidarität
«Liefere ned lafere»: Wohler Einwohnerräte packen bei der Aktion «2x Weihnachten» tatkräftig mit an

Sechs Wohler Einwohnerräte griffen am Mittwoch den freiwilligen Helfern des Roten Kreuzes unter die Arme und verpackten fleissig Lebensmittel und Hygieneartikel für Bedürftige im ganzen Kanton.

Pascal Bruhin
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Seine Schwester hatte die Idee: FDP-Einwohnerrat Thomas Geissmann (rechts) unterstützt in der Wohler Bleichi die freiwilligen Helfer des Roten Kreuzes.

Seine Schwester hatte die Idee: FDP-Einwohnerrat Thomas Geissmann (rechts) unterstützt in der Wohler Bleichi die freiwilligen Helfer des Roten Kreuzes.

Pascal Bruhin

«Wir Politiker reden so viel, ich glaube es tut uns gut, wenn wir auch einmal richtig anpacken», sagte sich der Wohler FDP-Einwohnerrat Thomas Geissmann. Nachdem im letzten Jahr das Team des FC Aarau die Aktion «2x Weihnachten» des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) in der Wohler Bleichi unterstützt hatte, waren es gestern sechs Wohler Einwohnerräte, die für Bedürftige Hand anlegten und die angelieferten Waren für die Gemeinden kommissionierten.

Emsiges Treiben: Die freiwilligen Helfer und die sechs Einwohnerräte.

Emsiges Treiben: Die freiwilligen Helfer und die sechs Einwohnerräte.

Pascal Bruhin

Angefragt hatte Geissmann seine Schwester Sonja, ihres Zeichens Leiterin Marketing und Fundraising des SRK Kanton Aargau. «Bedingung war natürlich, dass mein Bruder auch mitmacht», meint diese schmunzelnd. Auf den Aufruf von Präsident Meinrad Meyer (CVP) im Einwohnerrat meldeten sich noch vier weitere Einwohnerräte als freiwillige Helfer. Auch der Präsident war sofort dabei. «Ich finde das eine gute Sache», sagt Meyer. Und weiter:

«Es gibt nicht nur im Ausland arme Leute. Auch in der Schweiz gibt es viele Menschen, die Hilfe brauchen.»
SP-Einwohnerrat Milenko Vukajlovic (links) und Einwohnerratspräsident Meinrad Meyer (CVP) ordnen die Pakete den jeweiligen Institutionen zu.

SP-Einwohnerrat Milenko Vukajlovic (links) und Einwohnerratspräsident Meinrad Meyer (CVP) ordnen die Pakete den jeweiligen Institutionen zu.

Pascal Bruhin

Von der SVP beteiligte sich kein Einwohnerrat an der Aktion

«Armut ist in der Schweiz ein Tabuthema, das sich oftmals hinter der Fassade abspielt», sagt SP-Einwohnerrat Milenko Vukajlovic. «Betroffene trauen sich gar nicht, darüber zu reden.» Die Pandemie habe die Situation zusätzlich verschärft. Für ihn war es deshalb eine Selbstverständlichkeit, die Rotkreuz-Freiwilligen zu unterstützen. Er meint:

«Wenn es den Ärmsten gut geht, geht es uns allen gut.»
Einwohnerrätin Laura Pascolin (SP) hofft, dass solche Einsätze die Politik langfristig sensibilisieren.

Einwohnerrätin Laura Pascolin (SP) hofft, dass solche Einsätze die Politik langfristig sensibilisieren.

pbr

Parteikollegin Laura Pascolin, die für «2x Weihnachten» einen Ferientag opferte, sieht im Einsatz der Einwohnerräte auch langfristig Positives: «Genau solche Aktionen sensibilisieren die Politik.» Sie erklärt:

«Es ist immer einfach, Gelder zu streichen, wenn man das Gesicht dahinter nicht kennt.»

Der Einsatz habe Pascolin beeindruckt: «Ich finde das schon noch happig, dass es in diesem Land Menschen gibt, die sich nicht einmal eine Tafel Schokolade oder Windeln für das Baby leisten können.» Schade findet sie es, dass sich kein Vertreter der SVP an der Aktion beteiligte. «Das hätte eigentlich der ganzen Fraktion gutgetan.» Mit dabei waren dafür noch die Einwohnerräte Franziska Matter (Grüne) und Hans-Rudolf Meyer (FDP).

Die Solidarität ist in der Krise weiter gestiegen

Anette Grossenbacher, Leiterin der SRK-Regionalstelle Freiamt, freut sich über die grosse Solidarität.

Anette Grossenbacher, Leiterin der SRK-Regionalstelle Freiamt, freut sich über die grosse Solidarität.

pbr

Anette Grossenbacher, Leiterin der SRK-Regionalstelle Freiamt in Wohlen, ist glücklich darüber, dass «2x Weihnachten» unter den erschwerten Pandemiebedingungen in diesem Jahr überhaupt durchgeführt werden konnte. Sie sagt:

«Gerade in diesen Zeiten, ist diese Aktion umso wichtiger.»

Erfreulich dabei sei, dass die Solidarität in der Coronakrise noch mehr gestiegen sei. «Schweizweit wurde deutlich mehr gespendet», sagt Grossenbacher. Alleine 11,2 Tonnen an langhaltbaren Lebensmitteln wie Cornflakes oder Konserven und Hygieneartikel wurden am Montag in der Bleichi Wohlen angeliefert. Im Vorjahr waren es 9,5 Tonnen.

11,2 Tonnen an Lebensmitteln und Hygieneartikeln galt es zu verteilen.

11,2 Tonnen an Lebensmitteln und Hygieneartikeln galt es zu verteilen.

pbr

Seit 14 Jahren organisiert das SRK Aargau die Verteilung der Waren an Institution und Sozialdienste der Gemeinden im ganzen Kanton von hier aus. Am Donnerstag werden die Pakete dann durch zehn Fahrer des Zivilschutzkorps aargauSüd ausgeliefert. 4400 Bedürftige dürfen sich also in den nächsten Tagen auf ein verspätetes Weihnachtsgeschenk freuen.

Dass die Lokalpolitiker nicht nur «lafere», sondern auch «liefere» können, zeigten die sechs Wohler Einwohnerräte eindrücklich: Kurz nach 11 Uhr war das letzte Paket vorplanmässig geschnürt und gepackt.

Hier die Einwohnerräte und freiwilligen Helfer im Einsatz:

Pascal Bruhin

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