So rücken die Sanitäter bei einem Coronaverdachtsfall aus

Auch das Rettungsdienstwesen arbeitet wegen des Coronavirus anders, wie das Beispiel Neeser in Wohlen zeigt.

Marc Ribolla
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Transportsanitäter Remo Zuber vom Rettungsdienst Neeser in Wohlen rückt bei einem Coronafall im kompletten Schutzanzug aus. Willy und Evelyn Gubser mit André Stierli, dem Präsidenten des Stiftungsrates Alterswohnheim St.Martin (von links).
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Transportsanitäter Remo Zuber vom Rettungsdienst Neeser in Wohlen rückt bei einem Coronafall im kompletten Schutzanzug aus. Willy und Evelyn Gubser mit André Stierli, dem Präsidenten des Stiftungsrates Alterswohnheim St.Martin (von links).

Transportsanitäter Remo Zuber vom Rettungsdienst Neeser in Wohlen rückt bei einem Coronafall im kompletten Schutzanzug aus. Willy und Evelyn Gubser mit André Stierli, dem Präsidenten des Stiftungsrates Alterswohnheim St.Martin (von links).

Bild: Marc Ribolla Bild: Ruedi Burkart

Mit Blaulicht und eingeschaltetem Horn braust ein Rettungswagen des Rettungsdienstes Neeser die Bremgarterstrasse in Wohlen runter und verschwindet nach ein paar Sekunden aus dem Blick. Stille. Manchem Augenzeugen mag der Gedanke durch den Kopf schiessen: Rücken die Sanitäter wegen eines Coronavirus-Patienten aus? Abwegig ist es nicht. Denn die Fallzahlen steigen auch im Aargau immer noch täglich an.

Markus Woppmann, Leiter des Wohler Rettungsdienst Neeser, spürt den Anstieg allmählich. «Zurzeit verzeichnen wir im Schnitt alle zwei bis drei Tage einen Coronaverdachtsfall oder einen bestätigten Fall», sagt Woppmann. Ausgelöst wird die Alarmierung stets via kantonaler Notrufzentrale. Dadurch reduzieren sich unnötige Einsätze und die Ressourcen des Rettungsdiensts werden geschont. Woppmann ist dankbar und lobt: «Die Kollegen in der Notrufzentrale leisten eine Top-Arbeit mit ihrer guten Triage. Sie entscheiden als Erste, wo eine Ambulanz nötig ist und wo nicht.» Denn teilweise gebe es Personen, die für einen Coronatestabstrich den Rettungsdienst aufbieten möchten.

Die neue Situation mit Corona stellt aber auch die Sanitäter vor neue Herausforderungen bezüglich Schutzmassnahmen. «Wir sind es eigentlich gewohnt, dass wir das ganze Jahr hindurch Patienten mit Verdacht auf Infektionen transportieren. Doch so speziell war es noch nie. Für uns ist wichtig, dass wir unseren Auftrag erfüllen und bei Notfällen ausrücken können. Unser oberstes Ziel ist es deshalb, gesund zu bleiben», sagt Woppmann. Aus diesem Grund hat er verschiedene Massnahmen ergriffen. In einem Nebengebäude wurde eine spezielle, komplett abgeschirmte Garage installiert. Draussen klebt das Schild: «Sperrzone! Kein Zutritt für Unbefugte». Nach der Rückkehr von einem Coronavirus-Einsatz wird dort das ganze Fahrzeug inklusive Sanitäter desinfiziert, ebenso die Schuhe. Anschliessend begeben sich die Sanitäter in einen Extra-Container, wo sie die komplette Kleidung wechseln. Der ganze Desinfizierungsprozess nimmt rund eineinhalb Stunden Zeit in Anspruch.

Spezielle Schutzmaske angeschafft

Angepasst hat der Rettungsdienst auch die Dienstpläne der 14 Mitarbeiter. «Diejenigen in Ausbildung bleiben vorläufig zu Hause und lernen dort. Ich kann aber bei Bedarf auf sie zurückgreifen», sagt Woppmann. Tagsüber sind jeweils vier Sanitäter mit zwei Fahrzeugen auf Pikett, in der Nacht zwei Sanitäter mit einem Fahrzeug.

Während der Wartezeit wird darauf geachtet, dass man sich in den Aufenthaltsräumen wie der Küche nicht zu nahe kommt und den nötigen Abstand einhält. Wird ein Coronavirus-Einsatz ausgelöst, ziehen sich die Sanitäter vor der Abfahrt einen Schutzanzug mit Schutzbrille, Handschuhen und Maske an. «Die Masken sind eine neue Investition, die wir jetzt getätigt haben. Sie können bis zu neun Stunden am Stück getragen werden», erklärt Woppmann. Die Maske, die angenehm sitzt, schliesst das Gesicht komplett ab und hat Frischluftzufuhr. Sie kostet rund 900 Franken.

Sollten die Coronafallzahlen in den nächsten Wochen stark zunehmen, hat der Rettungsdienst Neeser eine weitere Option bereit. «Trifft dies ein, können wir das zweite Team tagsüber an einem anderen Standort in der Region platzieren und von dort ausrücken lassen. Diese ­Zusicherung haben wir», sagt Woppmann. In normalen Zeiten deckt Neeser durchschnittlich fünf bis sechs Einsätze täglich ab. Das Einsatzgebiet erstreckt sich von Bremgarten bis Egliswil und von Tägerig bis Meisterschwanden.

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