Oberwil-Lieli

Remo Scherrers Animationsfilm beleuchtet ein Tabuthema

Der Animationsfilm "Bei Wind und Wetter" von Remo Scherrer wurde für den Schweizer Filmpreis in der Kategorie "Bester Animationsfilm" nominiert. Er ist ganz in schwarzweiss gehalten, beleuchtet aber eine Grauzone. Und er wurde schon in Cannes gezeigt.

Andrea Weibel
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«Ich wollte dem Tabuthema Alkoholismus in Familien eine Plattform geben und Angehörigen eine Stimme verleihen.» Remo Scherrer.

«Ich wollte dem Tabuthema Alkoholismus in Familien eine Plattform geben und Angehörigen eine Stimme verleihen.» Remo Scherrer.

zvg

Remo Scherrers Animationsfilm «Bei Wind und Wetter» ist ganz in schwarzweiss gehalten, dabei ist das Thema eine Grauzone. Es geht um Alkoholismus in Familien. Der Film hat vor knapp einem Jahr von sich reden gemacht, als er für die Filmfestspiele in Cannes ausgewählt wurde.

Seither wurde er an über 30 Filmfestivals auf der ganzen Welt gezeigt und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Jetzt wurde er für den Schweizer Filmpreis in der Kategorie «Bester Animationsfilm» nominiert. Scherrer selber ist derzeit in Mexiko und arbeitet für einige Monate in einem Animationsstudio an weiteren Projekten. Von dort aus beantwortet er die Fragen der az per Mail.

Wie fühlen Sie sich, nachdem Sie für den Schweizer Filmpreis nominiert wurden?

Ich denke, nach der Selektion für Cannes war das abzusehen, da grosse Filmfestivals oft ein Sprungbrett sein können. Daher sehe ich das momentan noch eher gelassen und rechne mir wie auch damals in Cannes noch keine weiteren Erfolge aus. Es wäre natürlich sehr schön und wichtig, mit dem Thema nochmals mehr an die Öffentlichkeit treten zu können.

Was war Ihr Ziel mit Ihrem Film? Haben Sie das erreicht?

Ich wollte dem Tabuthema Alkoholismus in Familien eine Plattform geben und dadurch unter anderem den Menschen, den Angehörigen, eine Stimme verleihen. Der Film ist nun fast seit einem Jahr an Festivals in der ganzen Welt zu sehen, somit ist die Geschichte auf viele Ohren gestossen. Das ist hervorragend! Zu meinem Erstaunen wurde der Film sogar zweimal vom Publikum zum besten Film gekürt, das ist das schönste Feedback, das man überhaupt bekommen kann.

Was erwarten/erhoffen Sie sich vom Schweizer Filmpreis?

Sollte wirklich der Fall eintreten, dass meine Arbeit zum besten Schweizer Animationsfilm gekürt wird, würde ich mich bestätigt und ermutigt fühlen, weitere Filme zu machen.

Rechnen Sie sich Chancen aus?

Das ist alles andere als ein leichtes Spiel, da ich in Konkurrenz mit erfolgreichen Filmemachrinnen und Filmemachern stehe. Ihre Nominationen haben sicher ihre Berechtigung, gesehen habe ich aber leider noch keinen.

Generell: Was möchten Sie mit Ihrem Schaffen aussagen?

Der Film macht aufmerksam, verleiht Angehörigen von Alkoholkranken eine Stimme und bietet eine Plattform für einen öffentlichen Diskurs.

Mehr Informationen finden Sie unter www.beiwindundwetter.ch