Bremgarten

Ostermarkt seit Urzeiten ein Magnet

Die friedliche Invasion am Ostermontag im Reussstädtchen begann kurz nach 8 Uhr. Der gestrige Markt zog gegen 40 000 Besucherinnen und Besucher aus nah und fern an

Lukas Schumacher
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Die friedliche Invasion am Ostermontag im Reussstädtchen begann kurz nach 8 Uhr. Stündlich schwoll der Besucherstrom an. Bis kurz vor Mittagszeit war die Ellbogenfreiheit gewährleistet. Danach wurden das ungestörte Flanieren und das Begutachten der Warenflut an den 420 Ständen schwieriger. Bei der Holzbrücke herrschte zeitweise stockender Fussgängerverkehr. Laut einer Schätzung von Marktchef Walter Friedli haben rund 40000 Leute den bis um 18 Uhr geöffneten Markt besucht.

Das liebe Geld

Die Marktfahrer machten kein schlechtes Geschäft. Drei von vier befragten Standbetreibern kamen auf «zufriedenstellende bis gute Umsätze». Weniger gut lief es für einen Ostschweizer Händler. Er habe bloss die Hälfte seiner Vorjahreseinnahmen einkassieren können, sagte er achselzuckend. Recht rege Frequenzen meldeten die Bremgarter Altstadtgeschäfte, -lokale und Restaurants, die an den Markttagen stets geöffnet sind. Man geht davon aus, dass jeder Ostermarktbesucher im Schnitt jeweils gut 30 Franken ausgibt. Der Gesamtumsatz bei fast 40000 Besuchern dürfte gestern also mehr als eine Million Franken betragen haben.

Den grossen Reibach macht die Einwohnergemeinde Bremgarten als Veranstalterin des Marktes nicht. So schlagen die jährlichen Gesamtausgaben für den Betrieb der Märkte (Oster-und Pfingstmarkt, Altstadt- und Christchindlimärt sowie Wochenmarkt) aktuell mit rund 450000 Franken zu Buche. Die Einnahmen – Standgebühren der Marktfahrer samt Nebenkosten für Wasser, Strom etc. – betragen aktuell rund 470000 Franken. Unter dem Strich bleibt der Einwohnergemeinde jährlich ein Gewinn von 20000 Franken.

Vorzügliche Visitenkarte

Allerdings werden gemäss Bremgarter Marktkommission nicht sämtliche erbrachten Dienstleistungen zu 100 Prozent berechnet. Bei einer strikten Vollkostenrechnung würde jährlich ein kleines Defizit von wenigen tausend Franken resultieren. Auf der anderen Seite sind die Märkte eine vorzügliche Visitenkarte und ein erstklassiges Standortmarketing für Bremgarten. So gesehen macht sich das Ausrichten der Märkte mehrfach bezahlt, auch wenn die jährliche Marktrechnung nach Franken und Rappen nicht ganz aufgeht.

Kurzer Blick zurück

Der Ostermarkt ist der älteste, traditionellste Bremgarter Markt. Er bringt es auf nahezu 800 Jahre. Anders als heute fand der reussstädtische Ostermarkt im Mittelalter nicht am Ostermontag statt, sondern am Ostersonntag und -samstag. Ursprünglich waren es die einheimischen Handwerker und Berufsleute, die an Ostern ihre Produkte feilboten. So Bäcker, Gewandschneider, Metzger, Schuster, Gerber oder Fischer. Später gesellten sich Bauern aus der Region hinzu sowie Handelsleute und Krämer. Zu kaufen gab es vorwiegend nützliche Gegenstände und Grundnahrungsmittel, kaum Schmuck, dekorative Waren und Freizeitartikel in Hülle und Fülle wie am aktuellen Ostermarkt.

Wie viele Leute vor Jahrhunderten jeweils den Markt besuchten, ist nirgends schriftlich festgehalten. Man weiss aber, dass der Ostermarkt schon im Mittelalter eine beachtliche Bedeutung und grosse Anziehungskraft besass. Leute aus der näheren und der weiteren Umgebung deckten hier teilweise den Jahresbedarf an Kleidern, Salz, Wein oder Brotgetreide; das Salz wurde zum Konservieren von Fleisch verwendet. Einen komfortablen Lunapark mit allerlei Bahnen kannte man damals selbstverständlich noch nicht. Für die Live-Unterhaltung waren Musikanten und Gaukler besorgt.