Muri

Nach der Operation rasch nach Hause – Vorteile für Patienten, Pflegepersonal und Ärzte

Der medizinische Fortschritt macht es möglich, dass immer mehr chirurgische Eingriffe ambulant durchgeführt werden können. Die neue Tagesklinik ist der letzte Baustein der medizinischen Einheit für ambulantes Operieren im Spital Muri.

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Volker Buhmann, stellvertretender Chefarzt Anästhesie, und Fachfrau Gesundheit Any Loren Palomo in der neuen Tagesklinik.

Volker Buhmann, stellvertretender Chefarzt Anästhesie, und Fachfrau Gesundheit Any Loren Palomo in der neuen Tagesklinik.

Eddy Schambron

Die neue Tagesklinik am Spital Muri bringt Vorteile: Die Patientinnen und Patienten profitieren von einer möglichst kurzen Aufenthaltsdauer bei ambulanten Operationen, Ärzte und Pflegepersonal von optimierten Abläufen und das Spital selber von einem verbesserten Patientenfluss.

«Die Rückmeldungen sind durchweg positiv», weiss Martina Wagner von der Medienstelle des Spitals Muri. Das haben entsprechende Befragungen der nicht stationären Patientinnen und Patienten ergeben. Und auch der stellvertretende Chefarzt Anästhesie, Volker Buhmann, erklärt das neue Konzept für ambulantes Operieren sei ebenso von der Ärzteschaft gut aufgenommen worden und werde gerne umgesetzt. Erforderlich war bei ihnen ein gewisses Umdenken insofern, als vermehrt interdisziplinär zusammengearbeitet wird.

Schon bisher wurden am Spital Muri zahlreiche Operationen ambulant durchgeführt. Für die neu geschaffene ambulante Operationseinheit ist ein Operationssaal in der Regel an vier Tagen reserviert und am gleichen Tag werden möglichst gleiche oder ähnliche Operationen gebündelt. Das ermöglicht einen effektiven Einsatz der Arbeitszeit. Der Patient kommt zum vereinbarten Termin ins Spital, wird operiert und danach vorerst in einem der drei neu gestalteten verbundenen Räume mit je zwei Kojen mit einer gewissen Privatsphäre betreut. Dann kann er gleichentags, im besten Fall nach ein paar wenigen Stunden, wieder nach Hause entlassen werden. Er erhält seinen Operationsbericht, genaue Instruktionen für das Verhalten nach der Operation und die Medikation für 24 Stunden, etwa um Wundschmerzen zu stillen.

Am folgenden Tag wird sich jemand telefonisch nach dem Befinden der Patientinnen und Patienten erkundigen. «Hier wird selbstverständlich keine Fliessbandmedizin betrieben», beschwichtigt Volker Buhmann allfällig aufkommende Bedenken, «wir gehen auf jeden Patienten individuell ein. Beim geringsten Zweifel über eine ambulante Operation ändern wird das Behandlungsvorgehen.»

Effiziente Organisation

«Wichtig ist, dass die Bereiche für ambulantes und stationäres Operieren klar getrennt sind», unterstreicht Buhmann. Durch wegfallende Notfälle und Terminverschiebungen kann das Ärzte- und Pflegeteam effizienter arbeiten. Der stellvertretende Chefarzt Anästhesie hat von 2015 bis 2017 am Kantonsspital Luzern das ambulante Operationszentrum betreut, bevor er im Januar 2018 nach Muri geholt wurde, um den Bereich aufzubauen. «In Muri braucht es kein eigenes Zentrum für ambulantes Operieren», unterstreicht er, «aber mit dem Umbau des OP 1 mit einem separaten Zugang hatten wir eine gute Möglichkeit, ihn aus dem stationären Betrieb herauszulösen. Zudem konnten die Räumlichkeiten für die heutige Tagesklinik im bestehenden Gebäude mit überschaubarem baulichen Aufwand bereitgestellt werden.» Patientinnen und Patienten können sich nun kleinräumig zu Fuss zum und vom Operationssaal in die Tagesklinik begeben. Seit letzten Dienstag ist sie in Betrieb. Die Spitalleitung rechnet aufgrund der Verschiebung von stationär zu ambulant dieses Jahr mit bis gegen 1500 Eingriffen.

Vorgaben mit Ausnahmen

Der medizinische Fortschritt macht es möglich, dass immer mehr chirurgische Eingriffe ambulant durchgeführt werden können. Mit der Realisierung der neuen Tagesklinik ist die Schaffung der ambulanten Operationseinheit abgeschlossen; das Freiämter Spital reagierte damit auf die neue Vorgabe der Politik. Der Aargauer Regierungsrat hat per 1. Januar 2018 die Spitalverordnung revidiert und somit rechtliche Grundlagen für die Verschiebung von Eingriffen aus dem stationären in den ambulanten Bereich geschaffen. Damit will er sowohl die Effektivität als auch die Effizienz der Gesundheitsversorgung verbessern. Grundsätzlich ambulant vorzunehmende Eingriffe können allerdings auch stationär durchgeführt werden, wenn dafür eine Notwendigkeit vorliegt. Die Ausnahmekriterien sind in einer Liste aufgeführt.

Spital Affoltern am Albis

Hat eine Schliessung Auswirkungen auf das Freiämter Spital?

Dem Spital Affoltern am Albis droht das Aus. Der Stadtrat von Affoltern hat den Rettungsplänen für das schon seit einigen Jahren in der Krise steckende Spital eine Abfuhr erteilt; die Stimmberechtigten entscheiden am 19. Mai über die Auflösung des Zweckverbandes.

«Wir beobachten die Ereignisse mit Zurückhaltung und sind gerüstet, allenfalls vermehrt Patientinnen und Patienten aus dem Säuliamt zu betreuen», sagt Martina Wagner, Leiterin Kommunikation am Spital Muri. Möglicherweise werde der eine oder andere Patient sich in Muri behandeln lassen, sollte in Affoltern der Betrieb eingestellt werden. «Wir bedauern die dortige Entwicklung für die betroffenen Menschen.» Allenfalls werde das Spital Muri, da räumlich ziemlich nahe liegend, für das Pflegepersonal, das eine neue Stelle suchen muss, eine Option. «Wir wollen nicht nur den Patienten, sondern auch den Mitarbeitenden Hand bieten. Immerhin liegen die beiden Spitäler nur 15 Fahrminuten auseinander.»

Am 4. März stimmen Hedingen und Bonstetten, noch Teil des Zweckverbandes, als erste Gemeinden über den Ausstieg ab. Die Betriebskommission will das Spital mit der Gründung einer Aktiengesellschaft retten. Darüber wird am 10. Juni abgestimmt. Erst die Gründung der AG würde es ermöglichen, die von der Kommission ins Auge gefassten 140 Mio. Franken in die Erneuerung des Spitals zu investieren. (es)