Muri

Nach dem Meisterkurs beherrschen sie die Kunst des Dirigierens

Beim Abschlusskonzert Meisterkurs Dirigieren unter der Leitung von Douglas Bostock mit dem Argovia Philharmonic-Orchester, haben internationale Teilnehmer ihr Können unter Beweis gestellt. Die Schweizer bekamen grosse Konkurrenz aus Asien.

Stephan Rinderknecht
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Die angehenden Dirigenten aus aller Welt mit Kursleiter Douglas Bostock (rechts).

Die angehenden Dirigenten aus aller Welt mit Kursleiter Douglas Bostock (rechts).

zvg/Christian Weidmann

Dirigieren – eine Kunst? Die Zahl der Anekdoten über Dirigenten ist beeindruckend. Eine davon: Wiener Philharmoniker, Zweiter Geiger zum Ersten Geiger: «Was dirigiert er heute?» Erster Geiger: «Was er dirigiert, weiss ich nicht, aber wir spielen die Fünfte von Beethoven!» Hinzu käme eine sozialkritische Betrachtung des Dirigentenbilds von Elias Canetti in «Masse und Macht», wo er die Rolle des Einzigstehenden und -bestimmenden vergleicht mit jener eines Diktators.

Ist also der Dirigent ein Anachronismus, das Philharmonieorchester ein Fossil? Diese unangenehmen Fragen stellen sich selbst und auf dem aktuellen gesellschaftlichen Hintergrund umso dringlicher. Aber solange es ein gut betuchtes, kulturbeflissenes Publikum gibt, werden wohl kaum ernsthaft Antworten gesucht.

Leiter zauberte wunderbare Woche hin

Umso wichtiger ist die «Einmischung in innere Angelegenheiten», wenn man Wert legt auf Menschenliebe, unabhängig von der Liebe zur Symphonik, zur Musik überhaupt. Die Einmischung betrifft die Kluft zwischen Komposition und Kommerz, noch schärfer ausgedrückt: Musikindustrie. Sich Einmischen in diese Diskrepanz setzt selbstständiges Denken, materielle Absichtslosigkeit sowie ein fundiertes Wissen und Können voraus, um glaubwürdig zu sein. Das wäre die Hoffnung, der Wunsch an die Dirigierkursabsolventen aus aller Welt für ihre Zukunft. Ihre Freude und ihr Idealismus war beim Abschlusskonzert im Festsaal Muri deutlich spürbar. Kursleiter Douglas Bostock muss eine wunderbare Woche für diese jungen Talente in Boswil hingezaubert haben.

Grosse asiatische Konkurrenz

Dass Dirigieren eine hohe Kunst ist, bleibt, unabhängig von den Anekdoten, eine Tatsache. In dieser Hinsicht bewiesen gerade die jungen Schweizer (Gaudens Bieri, Jonas Bürgin, Sven-David Harry) ihr Talent und Können. Und dies trotz grosser asiatischer Konkurrenz. Bei dieser stach vor allem der Koreaner Sangwook Han hervor. Das Gefälle zwischen Routiniers und wenig Erfahrenen war beträchtlich, allerdings nicht immer zugunsten Ersterer.

Das Orchester agierte souverän. Stefan Mumenthaler legte ein veritables Violinkonzert in Strawinskys «Histoire du soldat» hin. Die Repetoirestücke (Mozart KV 239, Haydn Sinfonie Nr. 99, Prokofiev 1. Sinfonie) überzeugten ebenso in der Wiedergabe durch die Argovia Philharmonic.