Muri
Er war ein Mensch der Worte und Taten – Abschied von Peter Wiederkehr

Die Jugend-, Ehe- und Familienberatung des Kantons möchte ihrem verstorbenen Kollegen danke sagen.

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Lieber Peter

Viele Jahre lang hast du die Jugend-, Ehe- und Familienberatungsstellen (JEFB) des Kantons Aargau souverän als unser Präsident geleitet und auf allen Ebenen vertreten. Im Frühling 2020 hast du dich pensionieren lassen. Nun hast du uns ganz verlassen – für immer.

«Der Mensch ist von Natur aus gut»

Dieses Zitat von Jean-Jacques Rousseau ist die treffende Überschrift eines Zeitungsartikels zu deiner Pensionierung gewesen. Eine Würdigung deiner 29-jährigen Tätigkeit in der Jugend-, Ehe- und Familienberatung (JEFB) in Muri, eine Hommage an dich und dein langjähriges Engagement in der Kinder- und Jugendhilfe, weit über die Bezirksgrenze hinaus.

Peter Wiederkehr beim Abschiedsessen im August 2020.

Peter Wiederkehr beim Abschiedsessen im August 2020.

zvg

Mit einem weinenden Auge hast du dich in deinen Ruhestand verabschiedet, mit einem lachenden Auge uns Mut und Kraft zugesprochen: «Ich bin sehr stolz auf unsere gemeinsame Arbeit. Wir haben viel erreicht. Ich bin für euch da, wenn ihr von meiner Erfahrung und meinem Wissen profitieren wollt…»

Lieber Peter, du warst ein fröhlicher Mensch, Optimist durch und durch, voller Tatendrang und Lebensfreude mit deiner heiteren, ansteckenden Art, sahst du das Leben als lustvolle Aufgabe. Wenn wir uns an dich erinnern, geht die Sonne auf.

Keiner war so wortgewandt wie du. Vielleicht hast du auch deshalb John Bercow, den Speaker des britischen Unterhauses und sein «Order, Oooooorder» gemocht? Auch du bist ein Speaker gewesen. Du hast den Kindern, Jugendlichen, ihren Eltern eine Stimme gegeben und dich für sie engagiert. Doch du warst auch ein Mann der Tat und hast in der Kinder- und Jugendhilfe so einiges in Bewegung gebracht. Du warst der Pfeiler, auf welchen wir gebaut, die Stütze, auf welche wir vertraut haben.

Du hast dein ganzes Wesen in deine Arbeit eingebracht, du warst «berufen». Mit der nötigen Prise Humor und deinem offenen Ohr warst du der geborene Berater. Mit deinem sozialpolitischen Engagement und den Ideen, für die du gebrannt hast, warst du der geborene Sozialarbeiter.

Sein Lächeln wird unvergessen bleiben.

Sein Lächeln wird unvergessen bleiben.

Eddy Schambron (30.5.2016)

Wie oft ist es dir gelungen, uns mit deinem unschlagbaren Charme und Schalk zum Lächeln zu bringen? Ja in manch schwierigen Situationen und hitzigen Diskussionen hast du Leichtigkeit und Zuversicht vermittelt. Wie sehr haben wir deine Beharrlichkeit und Begeisterungsfähigkeit bewundert. Du warst ein Mann der klaren Worte, stets auf die Sache bezogen. Du hast den Diskurs nicht gescheut und kein Blatt vor den Mund genommen.

Mit aller Konsequenz und mit viel Herzblut hast du dich für unsere Sache, vor allem für den Schutz der Kinder und die Stärkung der Eltern eingesetzt. Andere Sichtweisen hast du geprüft, aufgenommen und manchmal auch verworfen. Du hast dich nicht verbogen, bist dir stets treu geblieben. Und auch wenn du nicht jede Meinung geteilt hast, so bist du deinem Gegenüber stets mit Respekt und Wertschätzung begegnet.

Christoph Häfeli, Kindes- und Erwachsenenschutzexperte, schreibt: «Die Nachricht von Peters Tod hat mich überrascht und tief berührt. Es tut mir so leid, dass er nach Jahrzehnten unermüdlichen Engagements für unsere gemeinsame Sache so früh sterben musste. Er hätte doch so gerne die weitere Entwicklung der Jugend -und Familienhilfe im Kanton Aargau, die er so geprägt hat, weiterverfolgt. Noch nie seit der Gründung der Jugend- und Familienberatungsstellen Ende der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts war die Chance, diesen Bereich neu zu beleben und weiter zu entwickeln so gut wie heute. Daran hat Peter und die ganze Arbeitsgruppe Qualitätsentwicklung im Kindesschutz grossen Anteil. Es würde mich natürlich ausserordentlich freuen, wenn Eure Anstrengungen Früchte tragen würden und die Politik sich aufraffen könnte, endlich Nägel mit Köpfen zu machen in der Form eines Jugendhilfegesetzes oder mindestens einer verbindlichen Ergänzung des SPG.»

Die Arbeitsgruppe «Qualitätssicherung Kinder- und Jugendhilfe im Kanton Aargau» mit Vertreterinnen und Vertretern aus Verbänden und wichtigen Fachstellen ist auf deine Initiative hin und mit Unterstützung von Markus Wopmann, ehemaliger Chefarzt der Kinderklinik Kantonsspital Baden, und Christoph Häfeli vor drei Jahren ins Leben gerufen worden. Eine unserer Bestrebungen ist die Schaffung eines Kinder- und Jugendhilfegesetzes im Kanton Aargau.

«Das Schönste, das ein Mensch hinterlassen kann, ist, dass man lächelt, wenn man sich seiner erinnert.» (Theodor Fontane)

So wie du dir vor genau einem Jahr ein fröhliches Fest zu deiner Pension gewünscht hast, so wäre es auch jetzt dein Wunsch, dass wir uns lächelnd an dich erinnern. Ja, du würdest dir wünschen, dass wir uns über die gemeinsame Zeit und alles, was wir zusammen geschaffen haben, freuen und nach vorne blicken. Wir werden deine Arbeit weiterführen und unser Bestes geben – versprochen.

Lieber Peter, wir danken dir von Herzen für alles!

Deine JEFB-Kolleginnen und -Kollegen