Jugend- und Ehe-Beratung ist auch auf einem Spaziergang möglich

Die Jugend-, Ehe- und Familienberatung des Bezirks Muri hilft jetzt zusätzlich per Video und E-Mail. Jugendliche mit Problemen, Ehepaare in Schwierigkeiten, Familien unter Druck – die Jugend-, Ehe- und Familienberatungsstelle des Bezirks Muri will unbürokratisch, schnell und diskret Hilfe bieten, Corona hin oder her. Nur: Wie geht das?

Drucken
Teilen
Jugendberatung muss in Zeitung der Coronapandemie meist ohne persönliches Treffen auskommen. Symbolbild: Gaetan Bally/Key

Jugendberatung muss in Zeitung der Coronapandemie meist ohne persönliches Treffen auskommen. Symbolbild: Gaetan Bally/Key

KEYSTONE

«Die telefonische Beratung ist keine gänzlich neue Erfahrung», stellt Stellenleiterin
Käthi Strub fest, «wir haben sie schon vor der Coronakrise angeboten.» Neu sei hingegen, dass die Klientinnen und Klienten im Moment nicht die Freiheit hätten, die für sie passende Kommunikationsform zu wählen. «Für die meisten von ihnen wäre diese das direkte Gespräch, in dem auch der nonverbale Ausdruck ein wichtiger Bestandteil ist.»

Viele Klientinnen und Klienten würden sich jedoch bereits mit den neuen Kommunikationsformen wie E-Mail oder Video auskennen oder diese sich jetzt aneignen. «So hat zum Beispiel eine Familie ein Gespräch mit der Therapeutin via Videokonferenz organisiert und sie dazu eingeladen», gibt Strub ein Beispiel. «Das ist zwar für uns Neuland, aber in jedem Fall auszuprobieren, wenn eine Familie diese Beratungsform wünscht.»

Auch kann eine Beratung per E-Mail stattfinden, was allerdings eine sehr sorgfältig gewählte Sprache verlange und eine langsame Beratungsform darstelle. Bei sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten kann nach wie vor auf die Übersetzungsdienste von HEKS Linguadukt zurückgegriffen werden. «Wir machen aber auch die Erfahrung, dass sich Freunde der Ratsuchenden, welche übersetzen können, bei uns melden und die Beratung dann über sie läuft.»

Bei einer bestehenden Vertrauensbasis einfacher

Mit Familien, mit welchen bereits zusammengearbeitet wird und so eine Vertrauensbasis entstanden ist, können die Beratenden ihre Aufgabe auch mit Telefonaten und E-Mails weiterführen und gewährleisten. Allerdings sind aktuell keine Gespräche in der Beratungsstelle mit mehreren Teilnehmenden möglich. Zwar verfügt die Beratungsstelle über drei grössere Räume, in welcher Gespräche mit genügend Abstand durchgeführt werden könnten. Aber bereits der Eingangsbereich der Stelle ist räumlich eng.

Auch in den Bereichen Sekretariat, Warteraum und des Treppenhauses können die Abstände kaum eingehalten werden. Deshalb wurde auch die Anwesenheit des Teams reduziert; ein Teil arbeitet von Zuhause aus.

«Wir überprüfen laufend die Möglichkeiten, direkte Beratungsgespräche, die nötig sind, durchführen zu können.» Nötig könne dies werden, wenn die Beratungsstelle Kindern und Jugendlichen eine Platzierung in eine Pflegefamilie oder in eine stationäre Institution organisieren muss. «Nötig kann dies auch sein, wenn jemand die Situation zu Hause nicht mehr aushält», sagt Strub. «Bei gutem Wetter bieten sich auch Gespräche während eines Spaziergangs an.»

Die Coronakrise hat die Problemstellungen in den Familien nicht grundsätzlich verändert, «die aktuelle Situation erhöht allerdings die Not». Einerseits stellen die Beratenden fest, dass viele Familien ihre Ressourcen nutzen können und neue Möglichkeiten des Zusammenlebens und Austausches erfahren, «andererseits beobachten wir auch, dass sich die bereits bestehenden Probleme mit den enger gewordenen Lebensverhältnissen verstärken.» Die Folgen können mehr häusliche Gewalt und risikoreicheres Suchtverhalten sein, wie die entsprechenden Fachstellen bestätigten.

Nachbarschaftshilfe funktioniert gut

Positiv stellt Strub fest, dass dank einem hohen freiwilligen Engagement an vielen Orten die Nachbarschaftshilfe gut funktioniert. «Auch erachten wir die Zusammenarbeit mit den Gemeinden in der aktuellen Situation als äusserst wichtig.» Bei finanziellen Engpässen in Familien gelte es beispielsweise abzuklären, ob die Not vorübergehend ist und nicht eine Sozialhilfeabhängigkeit bestehe. Das kann der Sozialdienst einer Gemeinde besser abschätzen.