Muri

Hürzeler: Harmonisierung der Schule geht nicht so weit «wie in der Ex-DDR»

Bildungsdirektor Alex Hürzeler spricht beim Schulbesuch auch über den Lehrplan 21 mit der Harmonisierung der Schule. Die Diskussionen darüber könnten verunsichern. Doch dies sei unbegründet.

Eddy Schambron
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Regierungsrat und Bildungsdirektor Alex Hürzeler (im Vordergrund) und Christian Aeberli, Leiter Abteilung Volksschule, geniessen zusammen mit Lehrpersonen während der Kaffeepause Schülerdarbietungen und befassen sich mit aktuellen Themen.

Regierungsrat und Bildungsdirektor Alex Hürzeler (im Vordergrund) und Christian Aeberli, Leiter Abteilung Volksschule, geniessen zusammen mit Lehrpersonen während der Kaffeepause Schülerdarbietungen und befassen sich mit aktuellen Themen.

Eddy Schambron

Nur keine Aufregung: «Mit der Umsetzung des Lehrplans 21 fangen wir erst 2020 an, uns bleibt Zeit für eine sachliche und konstruktive Auseinandersetzung», beruhigt der Vorsteher des Departements Bildung, Kultur und Sport, Alex Hürzeler, beim gestrigen Schulbesuch in Muri.

Und Christian Aeberli, Leiter der Abteilung Volksschule, macht deutlich, dass die angestrebte Schulharmonisierung Neuerung vor allem in der Oberstufe mit sich bringt und dass vieles grundsätzlich nicht ändert. Mit dem ersten gemeinsamen Lehrplan für die Volksschule setzen 21 deutsch- und mehrsprachige Kantone den Artikel 62 der Bundesverfassung um, die Ziele der Schule zu harmonisieren.

Nicht nur die politische Sicht

Fünf- bis sechsmal besucht der Vorsteher des Departements Bildung, Kultur und Sport, Alex Hürzeler, verschiedene Aargauer Schulen. «Es ist mir wichtig, nicht nur mit der politischen Sicht konfrontiert zu werden, sondern auch den Schulalltag zu erleben.» Eröffnungen von neuen Schulbauten besucht er selten. «Früher, als der Kanton die Schulinfrastruktur noch bezahlte, war das anders», schmunzelte Hürzeler. (es)

Inhalte diskutieren

Es wird viel diskutiert und geschrieben zur Harmonisierung der Schule, sagt Hürzeler. Damit bekommt der Lehrplan 21 eine Dramatik, die sowohl Lehrkräfte als auch Eltern verunsichern kann. Das aber sei unbegründet, wie Hürzeler erklärt. «Wir im Aargau haben und nehmen uns die Zeit, die Inhalte des Lehrplans 21 zu diskutieren.»

Die Harmonisierung der Schule werde niemals so weit gehen «wie in der Ex-DDR», aber auch nicht die totale Freiheit für Lehrkräfte bringen. «Die Wahrheit wird dazwischen liegen.»

Tatsache sei, dass die Schulhoheit zwar immer noch bei den Kantonen liege, dass Bildung aber im grösseren Zusammenhang gesehen werden müsse. «Die Globalisierung hat auch vor der Schule nicht Halt gemacht.» Nicht mehr jeder Kanton erarbeitet seine Lehrmittel selbst, verschiedene Lehrbücher seien heute sogar international ausgerichtet.

Konkret sieht Hürzeler am Schluss 21 Lehrpläne, die sich in Kleinigkeiten und im Bereich kantonaler Verschiedenheiten und Empfindlichkeiten unterscheiden. Auch wenn andere Kantone weiter sind als der Aargau, sei das kein Grund zur Sorge. «Verschiedene Kantone vor allem in der Zentral- und in der Ostschweiz können schon an der Umsetzung sein, weil sie wesentlich kleiner sind und damit einfachere Rahmenbedingungen haben. Wir haben zudem jetzt zuerst einmal den Wechsel von 5 auf 6 Primarschulklassen zu bewältigen, das hat Vorrang.»

In der Primarschule wird sich mit dem Lehrplan 21 wenig ändern, erklärt Aeberli. «Anstatt Realien heisst das Fach beispielsweise einfach Mensch, Natur, Gesellschaft, der Inhalt bleibt gleich.» Änderungen stehen in der Oberstufe an, wo neue Fächer in den Themenbereichen Wirtschaft, Technik, politische Bildung und berufliche Orientierung entstehen. «Neue Lehrmittel werden sauber eingeführt, und es gibt keinen starren Zeitpunkt für die Umsetzung», verspricht Aeberli.

Umstellung ohne grosse Probleme

Im Gespräch mit der Lehrerschaft zeigte sich, dass die Umstellung von fünf Primar- und vier Oberschulstufen auf neu 6/3 keine grossen Probleme macht. Mehr noch: Lehrkräfte finden es spannend, die Schülerinnen und Schüler in der sechsten Klasse und damit in die Pubertät zu begleiten. Vom Stoff her würden die Lehrkräfte problemlos in die neue Herausforderung hineinwachsen. Diesen Eindruck kann Hürzeler bestätigen: «Wir haben noch nicht viele Rückmeldungen, und das ist ein gutes Zeichen, dass die Umstellung klappt.»

Am Morgen waren Hürzeler und Aeberli von Gesamtschulleiter Hubi Anderhub und Martin Arnold, Präsident der Schulpflege, begrüsst worden. Gesprächsthemen waren unter anderem Schulraumplanung und Schulsozialarbeit in Muri.