Mühlau

Honig macht nicht reich, aber glücklich: Warum diese Bienenzüchter keine Nachwuchssorgen haben

Der Bienenzüchterverein Muri und Umgebung besteht seit 125 Jahren und hat keine Nachwuchssorgen.

Eddy Schambron
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Freude an der Imkerei: Claudia Seeholzer, Bruno Heggli, Markus Müller, Peter Diya und Anton Zehnder vor dem Lehrbienenstand in Mühlau. ES

Freude an der Imkerei: Claudia Seeholzer, Bruno Heggli, Markus Müller, Peter Diya und Anton Zehnder vor dem Lehrbienenstand in Mühlau. ES

Eddy Schambron

Wenn es blüht und summt, sind sie glücklich: Claudia Seeholzer, Peter Diya und Anton Zehnder sind Imker mit ganz unterschiedlichem Hintergrund.

Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich im Bienenzüchterverein Muri und Umgebung engagieren und sich auf die Bienentage in Muri freuen.

Der Verein organisiert diese am 4. und 5. Juni nämlich zu seinem 125-Jahr-Jubiläum. Präsident Bruno Heggli ist in der glücklichen Lage, dass sein alter Verein auch junge Leute anzieht.

Zum Beispiel Claudia Seeholzer. Sie kam zur Imkerei, weil sie mit ihrem Mann einen Bauernhof führt. «Wir haben auch Obstbäume, da gehören Bienen doch einfach dazu», sagt sie und lacht: «Wie auf einen Bauernhof ein Hund gehört.»

Sie ist im ersten Jahr der Ausbildung zur Imkerin bei Markus Müller, Bienenberater und Kursleiter, der zusammen mit Bruno Heggli die Grundkurse führt.

Peter Diya hingegen hat mit Landwirtschaft nichts zu tun, ist in der Kommunikation tätig und Berater von Menschen mit besonderen Bedürfnissen.

Die Initialzündung zur Imkerei erfolgte bei ihm mit dem Film «More than Honey» von Markus Imhoof. «Da dachte ich, es wäre gut, etwas aktiv für die Natur zu tun.»

Er liess sich ausbilden und pflegt seit zwei Jahren zwei Völker in einem Bienenhaus, das er übernehmen konnte. «Etwas lernen ist nie verlorene Zeit», sagte sich Anton Zehnder, der schon längere Zeit mit der Imkerei liebäugelte.

Vor fünf Jahren hat er die Ausbildung gemacht, seit drei Jahren pflegt er selber Bienen und hat ein altes, stillgelegtes Bienenhaus Schritt für Schritt komplett selber erneuert und optimiert.

Honig ist «Nebeneffekt»

«Im Sommer ist der Zeitaufwand für die Bienen beträchtlich», sagt Zehnder.

Lange Ferien würden nicht drinliegen. Aber die Faszination, die Bienen und ihre eigene Organisation zu beobachten, mache das wett. Aus wirtschaftlichen Überlegungen muss man keine Bienen halten. Das weiss auch Seeholzer. «Bevor man einen Ertrag in Form von Honig hat, sind die Investitionen beträchtlich, abgesehen vom Zeitaufwand. Honig ist nur ein schöner Nebeneffekt.»

Und doch «rentiert» die Imkerei, unterstreicht Diya, «einfach nicht unter dem finanziellen Aspekt.»

Damit sich die Honigproduktion wirtschaftlich auszahlt, ist die Haltung von mindestens 20 Völkern notwendig, stellt Müller fest.

«Hobby-Imker wie wir kommen mit dem Verkauf des produzierten Honigs auf einen Stundenlohn von geschätzten 20 bis 25 Rappen», lacht er.

«Aber wir leisten mit unseren Bienenvölkern einen wichtigen Beitrag für die Natur und damit für die Allgemeinheit.»

Die Natur kommt nicht ohne Bienen aus, auf der anderen Seite kommen die Bienen leider auch nicht mehr ohne die Menschen aus.

Ohne die Bekämpfung der eingeschleppten Varroa-Milbe durch die Imker könnten die Bienenvölker in der freien Natur nicht mehr überleben.

Neuer Lehrbienenstand

Anstatt ein dickes Portemonnaie gibt es neben der Freude der Imker an der Pflege von Bienen die Kollegialität und den Wissensaustausch im Verein. «Wir haben rund 50 Mitglieder und betreiben in Mühlau einen Lehrbienenstand, der zugleich Belegstation ist», stellt Heggli fest.

Das will der 125-jährige Verein ändern, denn einerseits ist der Lehrbienenstand in die Jahre gekommen und als Vereinslokal und Ausbildungsstätte zu klein, andererseits wäre eine Trennung von der Belegstation sinnvoll. Hier wird der Bienennachwuchs gezüchtet.

«Viele interessieren sich für die Imkerei, wir haben einen schönen Zugang von Jungimkern», freut sich der Präsident.

Deshalb sei es wichtig, die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen zu können. «Heute führen wir die Theoriekurse in Sälen des Gastgewerbes durch.

Der praktische Teil findet in der räumlich begrenzten Belegstation statt. Hier reicht der Solarstrom nicht einmal für den Einsatz eines Beamers aus.»

Müller, Leiter der Belegstation in Mühlau, hat den Imkervereinen Muri und Oberfreiamt das Angebot gemacht, auf einem Teil seines ungenutzten Grundstücks im Mühlau einen Lehrbienenstand zu erstellen.

Nicht zuletzt deshalb werden die Bienentage am 4. und 5. Juni im Zentrum Roos in Muri durchgeführt.

«Wir können den Neubau Lehrbienenstand nicht allein stemmen, wir sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen.» Der jetzige Lehrbienenstand würde zur reinen Belegstation umfunktioniert.

Alles rund um Bienen und Honig

Der Bienenzüchterverein Muri und Umgebung bietet am Samstag, 4. Juni, und Sonntag, 5. Juni, im Zentrum Roos in Muri einen umfassenden Einblick in die Imkerei. Eröffnet werden die Tage, die auch Einblicke in «Imkergeheimnisse» versprechen, jeweils um 9 Uhr; offen ist am Samstag bis 21 Uhr, am Sonntag bis 14 Uhr. Neben Ausstellungen zu Themen wie «Apitherapie: Die Biene als Therapeutin» oder «Honig: Von der Wabe ins Glas» gibt es stündlich Bienenhausführungen mit Alois Mathis in Gruppen von sieben bis neun Personen. Für Interessentinnen und Interessenten werden Fachreferate geführt, unter anderem auch zum Aspekt, was Gemeinden, Kantone und Waldbesitzer zur Bienennahrung beisteuern können. Weitere Themen behandeln beispielsweise die Erneuerung von Völker oder die ganzjährige Varroa-Behandlung. Die Fachreferate dauern jeweils etwa eine Stunde. Vorgestellt wird für Interessierte selbstverständlich auch die Ausbildung zum Imker oder die Vermehrung von Königinnen. Am Sonntag, von 9 bis 12 Uhr, wird ein Bienen-Brunch auf Anmeldung (www.bienentage-muri.ch) geboten, an beiden Tagen wird eine Festwirtschaft mit Grillstand geführt. Zusätzlich bereichert wird der Anlass durch eine sehenswerte Ausstellung des Kleintierzüchtervereins Muri. Mehr Informationen gibt es auf www.bienentage-muri.ch sowie auf www.bienen-ag.ch. (az)