Bezirksgericht Muri

Höllische Faustschläge am Höllefäscht – einer verlor zwei Zähne

Eine blutige Auseinandersetzung am Höllefäscht in Besenbühren führte zwei junge Männer vor das Bezirksgericht Muri.

Eddy Schambron
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Die Faustschläge trafen einen Geschädigten so fest, dass er zwei Zähne verlor. (Symbolbild)

Die Faustschläge trafen einen Geschädigten so fest, dass er zwei Zähne verlor. (Symbolbild)

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Hat René dem Bernhard am Höllefäscht in Besenbüren seine Faust so krass ins Gesicht geschlagen, dass er auch einen Schädelbruch oder eine Hirnblutung hätte erleiden können? Und ist der Faustschlag von Martin gegen Urs (alle Namen geändert), der zwei Zähne verlor, als versuchte schwere Körperverletzung zu werten, sodass dieser dafür (und auch für Handel und Konsum von Betäubungsmitteln) zwölf Monate unbedingt ins Gefängnis müsste? Das Bezirksgericht Muri unter dem Vorsitz von Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner entschied sich nach rund fünfstündiger Verhandlung, das Urteil nach erfolgter Beratung den Parteien schriftlich zuzustellen.

«Im Zweifel für den Angeklagten»

Zuerst gab es eine verbale Auseinandersetzung, dann eine Schlägerei, morgens um etwa 4 Uhr am Höllefäscht in Besenbüren vor zwei Jahren. Es floss Blut. Das eine Opfer verlor zwei Zähne, das andere war zehn Tage lang arbeitsunfähig. Wie viele an der Schlägerei beteiligt waren, blieb auch nach der Zeugenbefragung vor Gericht unklar. Jedenfalls hatte die Staatsanwaltschaft René und Martin der versuchten schweren Körperverletzung angeklagt. Beide sind keine unbeschriebenen Blätter. Alkoholisiert waren alle.

René bestritt, zugeschlagen zu haben. Der 25-Jährige bezeichnete sich vielmehr als Opfer, obwohl der Zeuge ihn «mit 80-prozentiger Sicherheit» als Schläger erkannte. Die Zeugenaussagen würden ein klares Bild zeichnen, sagte der Staatsanwalt: René sei ausgesprochen aggressiv gewesen. Vor Gericht zur Sprache kamen dazu bescheidenere Verstösse: Schwarzfahren in Bahn und Bus. Seine Verteidigerin plädierte auf Freispruch. Die Zeugenaussagen unmittelbar nach der Schlägerei und auch vor Gericht seien widersprüchlich und würden auf Vermutungen basieren. «Es ist nicht einmal klar, wie viele sich an der Schlägerei beteiligt haben.» Es laufe hier auf einen reinen Indizienprozess hinaus. Voraussetzung für einen Schuldspruch sei jedoch ein klarer Nachweis von Schuld, sonst gelte die Devise «Im Zweifel für den Angeklagten.»

Zwei Zähne verloren

Urs, der zweite Geschädigte und Kläger, hatte noch in der Nacht der Schlägerei die Notfallstation für Zahnchirurgie am Universitätsspital Zürich aufsuchen müssen. Zwei Zähne mussten später durch Implantate ersetzt werden. Martin, der Schläger, hatte dem Geschädigten zuerst Marihuana zum Kauf angeboten. Dieser lehnte jedoch zweimal ab. Es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung, schliesslich zur Schlägerei. «Der Beschuldigte führte die Kopfnuss wie auch den Faustschlag ins Gesicht vorsätzlich aus», zeigte sich die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift überzeugt. Dem Beschuldigten wurden zudem der Besitz und der Konsum von Marihuana vorgeworfen. Hinzu kamen ein paar kleinere Probleme wie «Ungehorsam des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren».

Martin, der übrigens genau an seinem 27. Geburtstag in Muri vor Gericht sass, war teilweise geständig und bestätigte den Besitz und Konsum von Marihuana. Er habe Urs nicht ins Gesicht schlagen wollen, erklärte sein Verteidiger. Vielmehr in den Bauch, aber weil Urs unvermittelt nach einer Kopfnuss zusammenknickte, traf ihn die Faust ins Gesicht. Sein Mandant habe sich gleich nach der Schlägerei noch beim Geschädigten entschuldigt. «Hier gibt es nicht einfach böse Täter und brave Opfer», sagte der Verteidiger. Er suchte eine Beurteilung als einfache Körperverletzung und damit eine Strafminderung für seinen Mandanten. Dieser habe in den letzten zwei Jahren Einsichtigkeit und Wohlverhalten gezeigt.

Auch das war eine Frage, die das Bezirksgericht Muri zu beurteilen hatte: Sind die Prognosen für René und Martin, die im Lauf ihres noch relativ jungen Lebens doch mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, gut oder führt sie nur eine harte Strafe auf den richtigen Weg? Geld für Bussen, Verfahrenskosten, Schadenersatzforderungen und Genugtuungssummen haben beide keines.