Wohlen
Gute Freunde halfen Heidi Widmer aus der Not

Die Künstlerin Heidi Widmer fand ein neues Refugium in einem alten Gewerbehaus.

Jörg Baumann
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Künstlerin Heidi Widmer (im roten Kleid) begrüsst erste Gäste im neuen Refugium. BA

Künstlerin Heidi Widmer (im roten Kleid) begrüsst erste Gäste im neuen Refugium. BA

Die Zeit der Ungewissheit ist für die Wohler Künstlerin Heidi Widmer vorbei. Letztes Jahr musste sie ihr Depositum im Geissmann-Haus an der Bremgarterstrasse aufgeben, denn die Gemeinde hatte das Haus verkauft. Es wird nun renoviert.

In einem unscheinbaren Gebäude an der Ecke Pilatusstrasse zur unteren Haldenstrasse fand Heidi Widmer nun ihr «stilles Museum», wo sie einen Teil ihres Nachlasses einlagern konnte. Im Haus arbeitete offenbar ganz früher der Schreiner H. Wiederkehr. Der verwaschene Schriftzug an der Fassade verrät es. Später diente es dem Bodenleger und Bobfahrer Max Forster als Depot. «Das Haus hätte abgebrochen werden sollen», verriet Heidi Widmer den Kunstfreunden von der Volkshochschule Wohlen. Diese konnten das Depot und die kleine Galerie als erste Gäste besichtigen. Gute Freunde, darunter auch Hubert Koch, ein «getreuer Schüler» von Heidi Widmers Malgruppe, legten Hand an und verwandelten den alten Schopf in ein Kunstrefugium, das zur Persönlichkeit von Heidi Widmer passt. Die Musiker Pietro Gannasca und Hansruedi Furrer begrüssten die Gäste am neuen Ort. Nach der Besichtigung zügelte man in Heidi Widmers Atelier im Farnbühl.

«Es ist unglaublich, dass das alles zustande gekommen ist», freute sich die glückliche Künstlerin. «Hier kann ich auch meine 60 Zeichnungen aufbewahren, die in Prag entstanden sind. Sie sind meine Visitenkarte. Die Zeichnungen erinnern daran, dass das Leben beides ist: dunkel und hell.» Hier finde man auch den berühmten «roten Faden», der sie zeitlebens begleite – «nicht erst seit ein paar Jahren, wie immer behauptet wird», sagte Heidi Widmer. Das ehemalige Gewerbehaus sei noch besser als das Geissmann-Haus. «Denn darin hat es mehr Platz.»

Die Sprache von Form und Farben

Heidi Widmer benützte die Gelegenheit, ihren Standpunkt zu erklären. Sie sei immer einen einsamen Weg gegangen. «Deshalb kann man mein Werk auch nicht so gut einordnen.» Mit der «Eventkunst» von heute könne sie nichts anfangen. Sie pflege noch die Malerei als Sprache von Form und Farben. «Das ist mein Alphabet.» In alten Erinnerungen kramend, erzählte die Künstlerin, dass sie in grauer Vorzeit für eine Schauspielertruppe mit dem toten, in Formalin eingelegten Wal Jonas durch die Lande gefahren sei. Sie habe den Karren mit dem Wal vor ihre Vespa gespannt. Mit dieser Arbeit habe sie Geld verdient, das sie für ihr Studium in Rom brauchte. Sie habe nur wenige Ausstellungen gemacht, berichtete sie weiter – die letzte vor sieben Jahren zusammen im Schang Hutter im Wohler Gemeindehaus.

Man merkte: Heidi Widmer will Bilanz ziehen. «Mein Werk darf nicht verloren gehen», erklärte sie. «Ich bin immer meinem inneren Diktat gefolgt.»

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