Villmergen

Ein Vierteljahrhundert «Velosämi»

Am 2. und 3. April feiert Sämis Veloshop seinen 25. Geburtstag – dabei fuhr Sämi Burkard vor 25 Jahren noch nicht mal gerne Fahrrad.

Andrea Weibel
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zvg

Vor 25 Jahren eröffnete Sämi Burkart seine Velowerkstatt, die heute durch seine Geschwister Gaby und Beni, die in der Werkstatt mithelfen, zum echten Familienunternehmen geworden ist. Doch wie kam der weitherum bekannte «Velosämi» eigentlich zu seinem Laden? Man stellt sich einen leidenschaftlich radelnden kleinen Jungen vor, der sich irgendwann, als er gross wurde, den Traum einer eigenen Velowerkstatt erfüllte.

Doch bei Sämi Burkart lief das genau andersherum: Erst eröffnete er seine Velowerkstatt, dann kam die Leidenschaft fürs Velofahren. «Ich hatte die Lehre als Velomech zwar begonnen, aber nicht abgeschlossen, weil mich Motorräder und Autos viel mehr interessierten», berichtet er. Nach einigen Jahren, die er in Wohlen als Dachdecker gearbeitet hatte, ging Burkart für ein Jahr nach Amerika.

Auf seiner Fahrt durch den Kontinent war besonders ein lustiger Abend in Mexiko prägend: «Damals sagte ich, wenn ich mal alt bin, werde ich mit dem Motorrad durch die Schweiz fahren und Velos flicken», erinnert sich der 53-Jährige. Da entstand der Gedanke, eine eigene Werkstatt zu eröffnen.

Erst Veloshop, dann Velofahren

Zuerst kam er aber zurück in die Schweiz, kaufte sich wieder ein Motorrad und entschied sich von einer Sekunde auf die andere, Rennen zu fahren. Schon bald fuhr er ganz vorne mit, und an seiner ersten Superbike-Europameisterschaft belegte der damals 27-Jährige den 13. Platz. 1990 trat er dann aus dem Motorradzirkus zurück. In jenem Moment erinnerte er sich an besagten feuchtfröhlichen Abend in Mexiko und sagte sich selber: «Jetzt mache ich ein Velogeschäft auf.» Rolf Saxer, einer seiner Freunde und ehemaligen Sponsoren, unterstützte ihn grosszügig, sodass Burkart in dessen Gebäude an der Rebenstrasse 1 in Villmergen am 1. Mai 1991 «Sämis Veloshop» eröffnen konnte.

Bis dahin schlug sein Herz noch immer für die motorisierten Fortbewegungsmittel. «Da sagte ich mir, wenn ich schon ein Velogeschäft habe, muss ich auch Mountainbike fahren. Also fuhr ich den Rietenberg hinauf. Das war unglaublich streng», lacht er heute. Dennoch löste er von Anfang an die Lizenz für die Schweizer Mountainbike-Meisterschaft. «Ich wusste nicht, dass ich auch lizenzfrei hätte Rennen fahren können. So trat ich gegen die Profis an und war anfangs immer ganz hinten. Mit den langen Haaren und dem roten Kopf sah ich aus wie Otto. Aber dafür mochten mich die Zuschauer.»

Rocky Mountains bis Mongolei

Seither hat der Freiämter, der in Waltenschwil aufgewachsen ist und heute in Bremgarten lebt, immer längere und anspruchsvollere Rennen in Angriff genommen. Meistens zusammen mit Reto Koller aus Büttikon, «einem Freund seit Töfflizeiten». Dazu gehörten dreimal das 700-Kilometer-Nonstop-Rennen in Marokko, die 800 Kilometer lange «Mongolia Bike Challenge» sowie zweimal die «Tour Divide», die über 4500 Kilometer entlang der Wasserscheide von Kanada bis Mexiko über die Rocky Mountains führt. 50 000 Höhenmeter mussten dort überwunden werden, dazu benötigten die Schweizer 18,5 Tage, das ist ein Tagesdurchschnitt von 230 Kilometern, und das offroad. 2014 wurde «Velosämi» am 24-Stunden-Rennen im italienischen Finale Ligure Vizeeuropameister.

Zum 25. Geburtstag seines Veloshops laden Sämi und seine Geschwister nun die gesamte Bevölkerung zur Jubiläumsausstellung mit Bratwürsten und natürlich Geburtstagskuchen ein.

Die Jubiläumsausstellung zum 25.
Geburtstag von Sämis Veloshop findet am 2. und 3. April statt.