Oberfreiamt

Die «Drehscheibe Gesundes Freiamt» will in der Bevölkerung bekannter werden

Ein Mensch soll im Alter zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Um das besser zu gewährleisten, haben sich acht Institutionen unter dem Dach der Fachkommission Alter und Gesundheit des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt zusammengefunden.

Eddy Schambron
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Passende Betreuung am richtigen Ort, das ist eines der Ziele der «Drehscheibe Gesundes Freiamt».

Passende Betreuung am richtigen Ort, das ist eines der Ziele der «Drehscheibe Gesundes Freiamt».

Sandra Ardizzone

Was ist die passende Entscheidung? Wohnen im Altersheim, in der Pflegi oder in der Dementenabteilung des Aettenbühl? Oder geht es weiterhin mit der Spitex? Die «Drehscheibe Gesundes Freiamt» wäre für solche Fragen die richtige Anlaufstelle. Nur: Kaum jemand hat von dieser Möglichkeit Kenntnis. «Die Zahl der Anrufe ist noch bescheiden», räumte Thomas Wernli, Leiter des Projektes und Direktor der Pflegi Muri, ein.

Das soll in Zukunft anders werden. Man will den Leuten ins Bewusstsein bringen, dass hier Rat- und Hilfesuchende Antwort auf alle Fragen zur Begleitung im häuslichen Umfeld und zur im Alter beginnenden Pflegebedürftigkeit erhalten.

Ein Mensch soll im Alter zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Um das besser zu gewährleisten, haben sich acht Institutionen unter dem Dach der Fachkommission Alter und Gesundheit des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt zusammengefunden, um die Angebote zwischen den verschiedenen ambulanten und stationären Organisationen und mittelfristig die beratende Zuweisung von Klienten, Bewohnerinnen und Bewohnern und Patienten an die geeignete Institution abzustimmen. Die Leistungsangebote in der Region sollen immer bedarfs- und bedürfnisgerecht sein.

«Sichergestellt ist dabei auch die Durchlässigkeit», unterstreicht Wernli. Neben der Pflegi sind das Alterswohnheim St. Martin, das Maria-Bernarda-Heim, das Solino in Boswil, das Spital Muri, die Spitex Muri und Umgebung sowie Oberfreiamt, das Zentrum Aettenbühl und die Pro Senectute mit im Boot. Bei Letzterer ist die «Drehscheibe Gesundes Freiamt» an der Luzernerstrasse 16 in Muri angesiedelt, wobei die beiden Bereiche getrennt geführt werden, wie Sofia Mancanyadis festhält. Das Pilotprojekt geniesst übrigens fast schon schweizweite Anerkennung.

Nutzen für die ganze Region

Auch wenn die Nachfrage wohl mangels Bekanntheit noch spärlich ist, sehen Wernli, Hans-Peter Budmiger, Vorsitzender der Fachkommission Alter und Gesundheit, und Judith Keiser, Geschäftsleiterin des Maria-Bernarda-Heims, einen «nicht zu unterschätzenden Erfolg»: Die Arbeiten für dieses Pilotprojekt, das noch bis Ende 2020 dauert, hätten dazu geführt, dass die unterschiedlichen Partner näher zusammengerückt sind, die Herausforderungen in der ambulanten und stationären Langzeitpflege gemeinsam diskutiert und letztendlich auch gemeinsam pragmatische Lösungsansätze erarbeitet haben. Es gibt jetzt eine Übersicht über die aktuellen Angebote jedes Partners, und jedes Angebot ist hinterlegt mit Qualitätskriterien. «Damit wollen wir Fehlplatzierungen vermeiden und die Qualität steigern», unterstreicht Wernli.

Die Integrierte Versorgung, also die sektorenübergreifende Versorgungsform im Gesundheitswesen, fördert eine stärkere Vernetzung der verschiedenen Fachdisziplinen und Sektoren (Hausärzte, Fachärzte, Krankenhäuser), um die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern und gleichzeitig die Gesundheitskosten zu senken. Sie führe allerdings zwangsläufig zum Spannungsfeld zwischen berechtigten betriebswirtschaftlichen Eigeninteressen und übergeordneten regionalen, politischen Interessen.

Dieses Spannungsfeld habe jedoch auch dazu geführt, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, zu Transparenz und Verbindlichkeit gewachsen sei. «Die Integrierte Versorgung im Bezirk Muri ist nicht nur nötig und sinnvoll, sie bringt der Region mittelfristig einen wesentlichen Mehrwert», ist Wernli überzeugt.

Die Kosten für das Pilotprojekt betragen pro Jahr 13'000 Franken, welche von den beteiligten Institutionen aufgebracht werden. Eine Unterstützung aus dem Departement Gesundheit und Soziales gibt es seit dem Wechsel der Departementsvorsteherin nicht mehr.

Die «Drehscheibe» bietet Übersicht

Hätten Sie es gewusst? Tagesstrukturen für Demenzkranke gibt es im oberen Freiamt nur im Zentrum Aettenbühl in Sins. Und Betreuung für Suchtkranke nur in der Pflegi Muri. Dafür werden Ferienzimmer und Entlastungsangebote bei allen beteiligten Institutionen, ausser bei der Spitex, angeboten. Ein Anruf bei der «Drehscheibe Gesundes Freiamt» unter der Telefonnummer 056 670 00 07 oder über E-Mail (drehscheibe@gesundes-freiamt.ch) bringt die Übersicht. Generelle Informationen bietet die Website www.gesundes-freiamt.ch.

Entstanden ist «Gesundes Freiamt» aus einer Vision heraus. Diese geht davon aus, dass die Vernetzung und Koordination der Versorgungspartner in Medizin, Pflege, Betreuung und Therapie am ehesten dort verbessert werden kann, wo sich die Menschen persönlich kennen und das gegenseitige Vertrauen am grössten ist – in der Region. Das obere Freiamt bietet sich als Modellregion an, weil hier alle Leistungserbringer, mit Ausnahme der stationären Rehabilitation und Psychiatrie, vorhanden sind.

Jetzt wird der Betrieb der «Drehscheibe» konsolidiert und mit der Lancierung des Marketings der Bekanntheitsgrad erhöht. Zudem sollen neue Partner gewonnen und vor allem die Zusammenarbeit mit den ansässigen Hausärzten und Grundversorgern gesucht werden. Weiter soll in Zukunft das Bewusstsein für das betreute Wohnen gefördert und entsprechende Angebote sollen unterstützt werden. Neben der Digitalisierung der «Drehscheibe» steht mit der Gesundheitsinitiative «gsond ond boschper» ein Präventionsprojekt für die ganze Bevölkerung auf der Agenda. (ES)