Kommentar
Denn er weiss nicht, was er tut

Fabian Hock
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Flynn ist ein guter Kerl, ich hoffe, du kannst das fallen lassen» – das ist das Verhalten eines halbmafiösen New Yorker Immobilienhais. «Ich erwarte Loyalität» – das wiederum könnte von einem waschechten New Yorker Mafioso stammen. Und doch ist es der Präsident der Vereinigten Staaten, der hier spricht. Und zwar mit dem damaligen Chef der Bundespolizei FBI. Was der inzwischen von Trump gefeuerte James Comey gestern vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats offenbarte, war verstörend.

Ob Trumps Verhalten ausreicht, dass die Parlamentarier ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten einleiten, wird sich zeigen. Wahrscheinlich reicht es nicht. Noch nicht. Eine Erkenntnis von gestern aber gibt es: Donald Trump weiss schlichtweg nicht, was er tut. Der Präsident der USA, ausgestattet mit einer Machtfülle wie kaum ein zweiter demokratisch gewählter Politiker, hat nicht das geringste Verständnis für Demokratie und die Verfahren und Institutionen, die sie ausmachen. Seit Comeys Aussage ist das klarer als je zuvor – und unter Eid bestätigt.

Wenn sich Trump auf die Zerstörung der politischen Kultur in Amerika beschränken würde, dann wäre das schon schlimm genug. Aber der Mann schickt sich derzeit an, Weltpolitik zu machen. Und zwar persönlich. Im Nahen Osten hat Trump bereits Fakten geschaffen, was in nur wenigen Tagen mit der Krise in Katar zu einer Eskalation geführt hat.

Je mehr über Trump und sein Verhalten als Präsident ans Licht kommt, desto
irritierender wird der Umstand, dass er den Job hat, den er hat. Denn der Schaden, den ein ignoranter Egozentriker wie der aktuelle US-Präsident an diversen Konfliktherden weltweit anrichten kann, könnte irreparabel werden.