Wohlen

CVP-Präsident Harry Lütolf: «Ich bin stinksauer, auch auf mich selber»

Er ist der Präsident der CVP Wohlen und er hat auch die Verantwortung für deren Wahlniederlage übernommen. Er selber hat jedoch ein Glanzresultat erzielt. Wo liegt der Widerspruch?

Toni Widmer
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Harry Lütolf. zvg

Harry Lütolf. zvg

Harry Lütolf, haben Sie mit drei Sitzverlusten gerechnet?

Harry Lütolf: Nein. Ich war sicher, dass wir unsere zehn Sitze halten können oder, im schlechtesten Fall, höchstens den vor vier Jahren gewonnen Sitz verlieren.

Woher dieser Optimismus?

Wir hatten im Vergleich mit den anderen Parteien sicher eine gute Liste, wir hatten mit Ruedi Donat ein Zugpferd, von dem man doch einige Stimmen erwarten konnte, und wir haben, davon bin ich überzeugt, einen guten Wahlkampf gemacht.

Jetzt ist die Enttäuschung gross?

Ja, ich bin stinksauer, auch auf mich selber. Ich habe auf einen persönlichen Wahlkampf praktisch verzichtet und mich voll und ganz für die Partei eingesetzt. Es ist mir nicht gelungen und deshalb wollte ich im ersten Moment nach Bekanntgabe der drei Sitzverluste den Bettel hinschmeissen und als Parteipräsident zurücktreten. Jetzt habe ich darüber geschlafen und die Entscheidung vorab einmal verschoben.

Die Partei hat verloren, Sie selber haben das zweitbeste Einzelresultat erzielt. Und das, obwohl man Ihnen vorwirft, mit Ihrem oft harten Politstil die Partei ins Verderben geführt zu haben. Ist das nicht paradox?

Ja und Nein. Die CVP ist meiner Meinung nach nicht, oder zumindest nicht primär, am Phänomen Lütolf gescheitert. Ich gebe aber zu, bei der Gemeindeammannwahl habe ich einen strategischen Fehler gemacht.

Inwiefern?

Ich habe mich für einen bürgerlichen Gemeindeammann starkgemacht und versucht, dafür eine bürgerliche Allianz zu bilden. Vielleicht habe ich hier zu wenig klar kommuniziert, denn von den Medien ist mir das dann teilweise als Angriff auf Arsène Perroud und die SP ausgelegt worden.

Sie behaupten selbstverständlich, das stimme überhaupt nicht?

Das behaupte ich nicht nur, das ist so. Es ging nicht gegen Perroud und die SP, es ging um einen bürgerlichen Gemeindeammann. Das haben, auch wegen der negativen Presse, viele nicht verstanden, wie ich spüren musste. Einige Leute haben mir eine Zeit lang nur noch widerwillig die Hand geschüttelt. Das hat mich recht getroffen, denn wir haben nicht zuletzt auch mit der SP in der laufenden Legislaturperiode oft recht gut zusammengearbeitet.

Und jetzt geben Sie der SP dafür in der nächsten Legislatur Tee?

Kommt darauf an (lacht). Im Ernst: Die CVP wird weiterhin in der Sache entscheiden und da von Fall zu Fall Mehrheiten suchen oder zur Bildung von Mehrheiten beitragen.

Und dabei möglichst oft ihren Vertretern im Gemeinderat in den Rücken fallen, so, wie bisher?

Grundsätzlich vertritt ein Gemeinderat nicht seine persönliche Meinung, sondern den Gesamtgemeinderat. Wenn der in unseren Augen sachlich falsch liegt, müssen wir antreten, auch wenn ein Geschäft von einem «unserer» Gemeinderäte vertreten wird. Aber es ist richtig: Unsere Fraktion war in der Vergangenheit (zu) oft zerstritten und hat so gelegentlich auch das eigene Legislaturprogramm ad absurdum geführt.

Zum Beispiel?

In der Schulraumfrage. Wären wir dort geeint aufgetreten und hätten uns im Einwohnerrat geschlossen für das eingesetzt, was wir zuvor auch proklamiert und intern beschlossen haben, hätte der Spatenstich für ein neues Schulhaus wohl bereits stattgefunden.

Mit der erneuerten Crew wird jetzt aber alles anders?

Ich hoffe es. Unser uneinheitlicher Auftritt hat massgeblich mit zu unserer Wahlniederlage beigetragen. Wir müssen uns finden und künftig eine andere Falle machen. Unsere politischen Ziele bleiben die Gleichen. Da bin ich überzeugt, dass wir richtig liegen.

Zurück zu Harry Lütolf, Sie haben die Frage Ihres persönlichen Wahlerfolgs offengelassen.

Ich politisiere pointiert und manchmal angriffig. Privat bin ich eigentlich eher der sanfte und hilfsbereite Typ. Mein politischer Stil kommt offenbar doch bei einigen Leuten an. Auch deshalb, weil ich mich stets gut vorbereite und den Inhalt der jeweiligen Geschäfte im Rat im Detail kenne.