«Kummerbuben»

Berner Mundart-Band macht sich über Oberwil-Lieli lustig

Zweifelhafte Ehre für die Aargauer Gemeinde Oberwil-Lieli. Die Mundart-Band «Kummerbuben» widmet dem Dorf ihren neusten Song.

Jörg Meier
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Die Berner Mundart-Band «Kummerbuben» verhilft Oberwil-Lieli zu weiterer Popularität. Denn der neuste Song der Band heisst schlicht und einfach «Oberwil-Lieli». Allerdings ist das eine zweifelhafte Ehre, die da der Gemeinde auf dem Mutschellen zuteilwird: Oberwil-Lieli wird im Lied zur Hauptstadt eines rechtskonservativen Landes, das innerhalb der Schweiz entsteht.

In diesem Land, so der Songtext, würde das Radio den ganzen Tag nur die Musik von Trauffer spielen, es gibt täglich den «Samschtig-Jass», aber keine «Tagesschau»; man versorgt sich mit Gartenzwergen, verzichtet auf Ausländer und alle Leute heissen Pfeuti. In diesem Land im Innern der Schweiz mit der Hauptstadt Oberwil-Lieli gibt es «keni Schwarze, s git keni Rote, jede Tag Schwynigs a bruuner Sosse, jede het es Hüsli, jede het e Grill, i eune Rattanmöbu siit dr ändlech still.»

So singt die Band ein böses Lied über Oberwil-Lieli, das zwar sprachlich nicht sehr elegant daher kommt und sich meistens dem schönen Reim entzieht; aber vielleicht war ja genau dies die Absicht der Macher.

Gebastelte Schweiz-Idylle

Entstanden ist der Song an einem einzigen Abend im Bandraum, als die Band einfach mal drauflos spielte. Die Band fand: Jetzt nicht gross daran herumdoktern, stellte ein paar Mikrofone auf, nahm den Song gleich im Probelokal auf. Der Filmer Yannick Mosimann drehte das passende Video dazu und fand die ideale Kulisse in einer Baracke unter der Autobahnbrücke bei Ausserholligen.

In der Baracke hat sich der Berner Modelleisenbahnclub in jahrelanger Arbeit eine Miniaturschweiz gebaut. Diese Kombination von gebastelter Schweiz-Idylle und dem «Oberwil-Lieli»-Song hat die Band nun freigeschaltet, «auch als Praline an die Kummerbuben-Hörer», wie die Band schreibt. Denn die Band tritt dieses Jahr kaum öffentlich auf und das nächste Album ist erst für 2018 geplant.

Andreas Glarners kurze Replik

Frontmann Simon Jäggi erklärt den politischen Hintergrund des Songs: «Die Reaktionen des eher ländlichen, konservativen und verschlossenen Lagers auf die Realitäten der Flüchtlingskrise waren für mich so schockierend, dass ich mich gefragt habe, ob ich mit solchen Menschen überhaupt noch im gleichen Land leben möchte.»

Auch Gemeindeammann Andreas Glarner hat sich den Song angehört. Seine Reaktion fällt kurz und knapp aus: «Der Song ist tatsächlich böse und wird unserem schönen Dorf in keinster Art und Weise gerecht. Aber diese linken Buben machen mir keinen Kummer.»