Kunst Aargau
Ausstellung «Horizonte»: Das Kunsthaus Zofingen blickt in die Ferne

Eine Gruppenausstellung geht an den Horizont. Ein Panorama mit Wolken, Luftballons und Mondgänsen.

Michael Flückiger
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Wolken von Mensch und Natur, fotografiert von Rachel Bühlmann.

Wolken von Mensch und Natur, fotografiert von Rachel Bühlmann.

Timo Ullmann

Die Grenzen zwischen Himmel und Erde lassen sich immer wieder verschieben. Für den Künstler Ernst Waldner denn auch ein Ausdruck von Freiheit: «Glücklicherweise nehmen wir unsere Augenhöhe, unseren Horizont immer mit, wenn wir hinauf- und hinuntersteigen.» Unser Horizont ist selbst gewählt. Je nach Ort verschiebt sich die Trennlinie, fällt unten, oben oder auch die Trennlinie selbst mehr ins Gewicht. Das Kunsthaus Zofingen richtet also mit dem Titel «Horizonte» den Blick in die Ferne.

Fotografin Rachel Bühlmann, die in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks Gösgen wohnt, blickt zunächst in die Wolken. An einem Nebeltag nimmt sie ein eindrückliches Bild auf: Einem mystischen Hauch gleich durchstösst die Dampfsäule aus dem im Nebel vergrabenen Atommeiler den Horizont und verbindet die Nebelbank mit dem Alpenpanorama. Alles daran scheint Natur zu sein.

Roman Signer lässt Ballons stiegen

Die Wolke verdichtet darauf Karolin Schreiber zum prallen Gebilde. Sie hat sich den äusseren Horizont einverleibt. Als nunmehr innerer Horizont, droht sie nun zu implodieren.

Sogar der Roman Signer leistet gewohnt verspielt seinen Beitrag. Der Videokünstler lässt drei Ballons flach über die Wüste Nevadas segeln und ein Absperrband abwickeln. Begleitet von rauschender Umgebung folgt eine Kamera dem gleitenden Band durch die karge flache Landschaft.

Ein Horizont mit Massstab und auf 360 Grad

Auf schmalen Papierstreifen haucht Esther Amrein dem aus dem Gebrauch geratenen Begriff des Gesichtskreises neues Leben ein. Wer sich in ihren Kreis begibt, ist in einem Radius von rund einem Meter eng von 360 Grad Horizont umhüllt.

Gemeinsam mit Rosângela de Andrade Boss reagiert sie mit der Tuschezeichnungs-Dyptichon «Cortina» auf den berühmten Schweizer Landschaftsmaler Caspar Wolf (1735–1783). Der wissenschaftliche Blick, mit dem der Pionier der Alpenmalerei skizziert, leitet über in den zweiten Teil der Ausstellung im oberen Stockwerk.

Tuschezeichnung von Rosângela de Andrade Boss und Esther Amrein,

Tuschezeichnung von Rosângela de Andrade Boss und Esther Amrein,

Timo Ullmann

Dort widmet sich Ernst Waldner mit Akribie und Massstab der Horizontalen in der Landschaft, sucht nach Formenmustern und löst diese wieder auf. Im Grossformat ergründet der Maler nicht nur die Landschaft an sich, sondern auch die Luft die sich an ihr bricht.

Gänse bereiten sich auf den Mondflug vor

Wissenschaftlich geht es weiter: Agnes Meyer-Brandis dokumentiert in «The Moon Goose Colony» die performative Weltraumausbildung von Gänsen. Ihre intensive Zusammenarbeit mit Gänsen vom Küken bis zum erwachsenen Tier hält seltene Bilder bereit, die einen stetig schmunzeln lassen.

Indem sie ihr Publikum auf eine ausgedehnte Reise hinter den Horizont mitnimmt, ist «Horizonte» mehr als eine Ausstellung. Sie ist ein Erlebnis, das bewusst macht, wie man selber Horizonte setzt – eben glücklicherweise – selbst setzen kann. In dieser Erkenntnis wohnt viel Freiheit.

Die Mondgänse von Agnes Meyer-Brandis.

Die Mondgänse von Agnes Meyer-Brandis.

Timo Ullmann

«Horizonte»: 17.4.-20.6. Kunsthaus Zofingen.