Poetry-Slam

Ziegler: «Das Publikum ist ein Teil von Poetry-Slam»

Der 26-jährige Kilian Ziegler zählt zu den angesagtesten Slam-Poeten der Schweiz – er ist Redner am Brötliexamen in Birr.

Elisabeth Feller
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«Mit Poetry-Slam kann man die Menschen für Sprache sensibilisieren», sagt Kilian Ziegler.

«Mit Poetry-Slam kann man die Menschen für Sprache sensibilisieren», sagt Kilian Ziegler.

Elisabeth Feller

Ist er ohne Mütze denkbar? Nein. Sie sitzt zwar nur leicht schräg auf seinem Kopf, aber doch so, dass der Blick sofort auf den Mützen-Träger im Restaurant fällt. Sein Name: Kilian Ziegler, 26 Jahre jung, im solothurnischen Trimbach zu Hause, kurz: einer der angesagtesten Slam Poeten der Schweiz. Zieglers Gesicht ziert ein Dreitagebart; die Augen blicken die Besucherin durch die Brillengläser neugierig-forschend an. So, wie Ziegler am Tisch sitzt, empfindet man ihn als konzentriert-versponnen – wie eine wundersame Figur aus einem Film der Cohen-Brüder.

«Ich habe bloss 6 Minuten Zeit»

Zu versponnen passt verspielt und genau so mutet an, was Ziegler seit drei Jahren mit nationalem und internationalem Erfolg betreibt – Poetry-Slam. Das ist «eine sehr, sehr freie Angelegenheit», sagt Ziegler und erwähnt als einzige Vorgabe: «Ich habe bloss sechs Minuten Zeit, muss die Geschichte selber geschrieben haben und muss sie unter vollem Einsatz meiner Stimme und meines Körpers vortragen.»

Eine «stiere Lesung» ist der Anlass demnach nicht? «Poetry Slam ist das totale Gegenteil davon», beteuert Ziegler. «Weil das Publikum ein Teil davon ist, ist die physische Performance des Slammers wichtig». Ziegler nimmt Wörter auseinander, ordnet sie neu und erzielt damit verblüffende Wirkungen. Ein Beispiel: «Terroristin.» «Passen Sie auf», wendet sich Ziegler an sein Gegenüber: «Sie können dieses Wort auch so hören: ‹Terror ist in›.» Ein leises Lächeln verrät: Kilian Ziegler empfindet ein stilles Vergnügen über sein erstauntes Gegenüber. Ach, so verhält sich das ... Der junge Mann nickt und kommt dann auf seinen Poetry-Slam-Anfang zu sprechen. Zuvor hat Ziegler während zehn Jahren Rap gemacht und in dieser Zeit ein feines Gespür für Rhythmus und Laute entwickelt.

Erster Slam in Olten

Da Ziegler seine Texte im Dialekt und in Deutsch schreibt und vorträgt, weiss er, wie unterschiedlich der jeweilige Sprachklang ist. «Gewisse Wortspiele funktionieren in der Übersetzung überhaupt nicht», sagt er. Die Neugier auf Sprachklänge liess den Soziologie-Studenten vor einigen Jahren an einer grossen Slam-Veranstaltung in Olten teilnehmen. Er hat Feuer gefangen und ist seither «gut im Geschäft». Hochtouriges Business ist damit nicht gemeint, wohl aber eine Passion, die Menschen für die Sprache sensibilisieren will. Nicht verwunderlich deswegen, dass der Slam-Poet öfter in Schulen anzutreffen ist, wo er Kinder und Jugendliche in Workshops für die Sprache und ihre mannigfachen Möglichkeiten begeistert.

Bald kommt Neues auf Kilian Ziegler zu: Er wird erstmals auf einem Rednerpult stehen. Und das in Birr, am 1. Mai – an einem der traditionsreichsten Anlässe im Eigenamt, dem Brötliexamen.

Rede mit Poetry-Slam-Elementen

Den Zeigefinger in die Höhe heben und ins Publikum hinunterdonnern? Um Himmels Willen, danach steht Kilian Zieglers Sinn nicht. «Ich möchte in 20 Minuten eine Rede, ja eine Performance bieten, in die ich Poetry-Slam-Elemente mische.» Wie das Ganze werden soll, weiss er im Moment zwar noch nicht; er lässt den Anlass einfach auf sich zukommen. Noch ist er am Feilen, denn «die Rede soll zwar auf Kinder zugeschnitten sein, aber Erwachsene sollen ebenfalls ihren Gewinn haben.»

Brötliexamen 1. Mai, Rede von Kilian Ziegler nach dem Umzug, ca. 10 Uhr im Festzelt Birr.