Brugg/Schinznach-Dorf Schauspieler
Vom Sozialarbeiter zum Hotelier zum Schauspieler

Jaap Achterberg zeigt sich vielseitig und tritt mit Balladen von Tom Waits und einem Thriller von Roald Dahl zweimal im Palais Odeon auf.

Ursula Burgherr
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Jaap Achterberg mag die Vielseitigkeit seines Schauspiel-Berufs.

Jaap Achterberg mag die Vielseitigkeit seines Schauspiel-Berufs.

zvg/Ona Pinkus

Jaap Achterberg ist ein markanter Typ. Auf jeden Fall keiner, der in der Menge untergeht: Dafür sorgen seine grossgewachsene Statur und der Charakterkopf mit lockigem, leicht meliertem Haarkranz, von Wind und Wetter gegerbter Haut und durchdringenden blauen Augen. Wenn er dann zu sprechen beginnt, tief und sonor, muss man ihm einfach zuhören.

Am 9. Dezember gibt er mit seiner Combo im Palais Odeon Brugg Balladen von Tom Waits zum Besten. Eine Idealbesetzung, wenn man an die von Whiskey und Zigaretten geprägte Stimme des legendären amerikanischen Songwriters denkt. Dazwischen erzählt Achterberg Anekdoten aus dem Leben von Tom Waits und geht auf die Poesie in seinen Liedern ein. Am 15. Januar 2017 bespielt der Niederländer gleich nochmals die Odeon-Bühne und liest im Rahmen der Serie Kultur und Kulinarik einen Weinkrimi vom berühmten Kurzgeschichtenautor Roald Dahl vor.

Macher und Multitalent

Seit den Neunzigerjahren hat Achterberg in diversen Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt. Darunter in «Das Deckelbad» (2015), «Der Bestatter» und im «Tatort». Zum Schauspiel fühlte er sich schon als kleiner Junge in seiner Heimatstadt Bussum (NL) hingezogen. «Eine meiner Lieblingsdisziplinen in der Schule war, Gedichte auswendig zu lernen und dann mit viel Pathos vorzutragen.

Alle anderen in meiner Klasse hassten es.» Mit 17 und der Matura in der Tasche bewarb er sich an einer Schauspielakademie in Holland. Erfolglos. «Ich war der Jury zu jung und so schickte man mich wieder nach Hause», erinnert sich Achterberg. Jung war er auch, als er Vater wurde. Gerade mal 21 bei der Geburt von Tochter Laila. Zwei Jahre später kam Sohn Kim auf die Welt.

Achterberg hatte mittlerweile ein Diplom als Sozialarbeiter in der Tasche und betreute in Amsterdam randständige Menschen. Dann kam der Anruf eines Kollegen, der im Engadin ein altes Kurhotel gekauft hatte und wieder in Betrieb nehmen wollte. «Ich bin offen für Neues und war sofort mit von der Partie», erzählt Achterberg und fügt hinzu. «Wir lebten am A.... der Welt. Die Winter waren extrem streng. Ich musste meine Kinder mit dem Schneepflug zur Schule fahren und hatte immer die Kettensäge mit dabei, weil öfters umgestürzte Bäume im Weg lagen.» Der in der Schweiz «gestrandete» Holländer erwies sich als Multitalent. Er schreinerte, zimmerte, führte Touristen mit dem Bus von Holland ins Engadin, betätigte sich als Skilehrer und Bergführer und betrieb noch ein kleines Restaurant.

Dass er so vielseitig begabt ist, spricht Achterberg seiner Begeisterung zu, mit der er die Dinge anpackt. «Für mich gibt es in allem etwas Schönes zu entdecken. Ich freute mich sogar darüber, wenn ich den Abfall mit unserem alten Lastwagen vom Hotel in die Kehrichtdeponie fahren konnte.»

Jugendträume werden wahr

Die Geburtsstunde von Jaap Achterberg als Schauspieler schlug, als er sich mit 35 auf ein Inserat meldete, in dem Amateurschauspieler für die Aufführung von Nestroys «Der böse Geist Lumpaci Vagabundus» gesucht wurden. «Ich bekam eine Hauptrolle und die Presse war mir wohlgesinnt», berichtet er. Doch das war noch nicht alles: Dem Direktor des Churer Stadttheaters stach der charismatische Holländer sofort ins Auge. Er gab ihm eine Rolle auf der Profibühne. Dann bekam Achterberg das Angebot, die «Klibühni» in Chur zu leiten.

Als Gesellenstück seiner Schauspielerkarriere bezeichnet der Bühnenkünstler jedoch sein erstes Soloprogramm «Du bist meine Mutter», dem weitere folgten. Seit fünf Jahren lebt er mit seiner zweiten Frau Brigitte in Schinznach-Dorf. Der ehemalige Sozialarbeiter, Hotelier und Theaterleiter fühlt sich in der Schauspielerei angekommen. «Mein Beruf ist extrem vielseitig. Alltagstrott gibt es nie», sagt er. Zurück nach Holland zieht es ihn nicht, obwohl er jedes Jahr seine Ferien dort verbringt. «Meine Heimat ist die Schweiz», bekundet Achterberg überzeugt.

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