Brugg

Ungewöhnliches Duo: Sie spielen Violine und Fagott für Werke von Mozart und Poulenc

Die Musikerinnen Sabina und Valeria Curti treten in Brugg erstmals gemeinsam auf – und spielen in einem Trio.

Elisabeth Feller
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Sie können den Auftritt im Rathaussaal Brugg kaum erwarten: Die Schwestern Sabina (links) und Valeria Curti freuen sich darauf.

Sie können den Auftritt im Rathaussaal Brugg kaum erwarten: Die Schwestern Sabina (links) und Valeria Curti freuen sich darauf.

zvg

Wer auf diese beiden trifft, muss schnell auf den Beinen sein. Das ist zwar ein falsches Bild, wenn man sich den Schauplatz der Begegnung vor Augen führt. Dieser ist keine Rennbahn im Sportstadion, sondern das Campus-Café.

Dort sind nicht schnelle Beine, sondern «schnelle» Gedanken gefragt – gerade dann, wenn Sabina und Valeria Curti über ihre Passion sprechen: Musik. Die Schwestern werfen einander Stichworte wie Ping-Pong-Bälle zu. Das hört sich spielerisch-leicht an, doch es wird sofort klar: Das Duo legt Wert auf Präzision.

Die beiden ähneln sich sehr; beide sprechen nicht gestenreich, aber mit «stillem» Nachdruck über Musik; beide haben eine gewinnende Ausstrahlung.

Da kann ja gar nichts schiefgehen, denkt man, obwohl die Schwestern im März erstmals gemeinsam auftreten – im Trio Regesch, das mit Violine, Fagott und Klavier ungewöhnlich besetzt ist. Dazu gibts sogleich Fragen nach einem Blick ins Programm.

Das Staccato ersetzt das Pizzicato

Lauter bekannte Triowerke von Mozart, Poulenc und Arensky entdeckt man da. Aber sind diese denn nicht für Klavier, Violine und Violoncello oder für Klavier, Oboe und Fagott geschrieben worden? «Doch», beteuern die Schwestern lächelnd, «aber beim Studium der Noten», so Valeria, «haben wir gesehen, dass sie sich gut für jene Besetzung eignen, in der wir jetzt erstmals spielen.»

Deshalb wird das Violoncello durch das Fagott ersetzt. Worin liegt der Unterschied? «Auf der Geige kann man ein Pizzicato spielen. Das geht beim Fagott nicht, also mache ich ein Staccato.» Wie das klingt, macht Valeria Curti sogleich vor, obwohl sie ihr Instrument nicht dabei hat.

Weshalb sie das Trio gegründet haben, erklärt die Fagottistin so: «Ausschlaggebend war, dass ich gemeinsam mit meiner Schwester spielen wollte, denn wir sind wunderbar vertraut miteinander.» Und wie sind sie auf den nicht alltäglichen Namen Regesch gekommen? «Er stammt aus dem Hebräischen und vereint Gefühl und Feuer.»

Im Dunkeln spielen

Solches durchdringt auch die täglichen, sechsstündigen Proben im Brugger Elternhaus der Curti-Schwestern. Für die Mutter und den Vater gibt es «Blumen»: «Sie unterstützen uns sehr.» Dieser Support ist den beiden Schwestern wichtig, um ihre Musikerinnenlaufbahn zielstrebig und immerzu offen für Neues zu verfolgen.

Für die heute 27-jährige Sabina Curti stand nach ersten Erfahrungen mit dem Cello schon früh fest: «Ich will Geige spielen.» Ihre 23-jährige Schwester Valeria wiederum entdeckte das Fagott mit Sechs: «Es war Liebe auf den ersten Blick.»

Das Studium führte Sabina unter anderem an die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) sowie in jüngerer Zeit nach Leipzig, an die dortige Hochschule für Musik und Theater «Felix Mendelssohn Bartholdy». In der Bach- und Mendelssohnstadt sammelte sie auch Erfahrung als Orchestermusikerin bei ihrem Praktikum im MDR-Sinfonieorchester (Mitteldeutscher Rundfunk).

Seit August 2017 studiert sie im Master of Music performance bei Igor Karsko in Luzern; zeitgleich begann sie an der Musikschule Konservatorium Zürich zu unterrichten. Kammermusik spielt für Sabina Curti, die auch Barockgeige spielt, eine wichtige Rolle.

Beispielsweise im Violinduo Umbra, das barocke bis zeitgenössische Musik spielt – im Dunkeln. Hat man richtig gehört? Sofort wird man an das Dunkelrestaurant Blindekuh in Zürich erinnert. «Ja», bestätigt Sabina Curti, «das Prinzip ist dasselbe. Das Publikum sitzt im Dunkeln; schaltet gewissermassen die Augen aus – hört so aber viel genauer hin.»

Wer schreibt für sie ein Stück?

Blinde Menschen führen die beiden Musikerinnen jeweils aufs Podium, wo Streifen am Boden die Orientierung erleichtern. Geht es jedoch um Einsätze, nützen diese nichts. Wie verständigt sich das Duo Umbra? «Wir atmen zusammen ein», sagt Sabina Curti und entlockt Valeria ein Lächeln.

Auch sie hat in Zürich studiert und schon viele Konzerte als Solistin bestritten. Derzeit absolviert die Fagottistin ihren Master an der Universität Mozarteum Salzburg. Die Mozartstadt ist nicht weit entfernt von München, Valerias derzeitigem Wohnsitz. Lange wird er es nicht mehr sein, denn ab August dieses Jahres ist Valeria Curti stellvertretende Solofagottistin im Musikkollegium Winterthur. Und das sei «einfach schön».

Wie unterschiedlich ihre künftigen Wege auch verlaufen mögen, einen starken Wunsch haben die Schwestern: Gemeinsam Kammermusik spielen. Weil Sabina und Valeria Curti gerne in die Zukunft blicken, träumen sie «von einem jungen Komponisten, der für uns ein Stück schreibt».

Trio Regesch: Diese Werke stehen auf dem Programm

Das Trio Regesch mit Sabina Curti (Violine), Valeria Curti (Fagott) und Gilad Katznelson (Klavier) spielt in Brugg folgendes Programm: Wolfgang Amadeus Mozart, Trio in E-Dur KV 542; Francis Poulenc, Trio für Oboe (Violine), Fagott und Klavier; Anton Arensky, Klaviertrio Nr. 1 in D-Dur op. 32. Das Rezital findet am Freitag, 16. März im Rathaussaal Brugg, 19.30 Uhr, statt. Der Eintritt ist frei, Kollekte. (AZ)