Auenstein/Veltheim
Ungewissheit für den Hundeclub – im schlimmsten Fall droht die Auflösung

Weil sich das Trainingsgelände mit Hütten in der Landwirtschaftszone befindet, verlangt der Kanton den Rückbau – für die Hündeler eine schwierige Situation

Janine Müller
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Einerseits wolle man gut erzogene Hunde und anständige Hundehalter, andererseits würden nirgends geeignete Möglichkeiten geschaffen für die Ausbildung, sagt Severino Bottlang vom Hundeclub Auenstein. (Symbolbild)

Einerseits wolle man gut erzogene Hunde und anständige Hundehalter, andererseits würden nirgends geeignete Möglichkeiten geschaffen für die Ausbildung, sagt Severino Bottlang vom Hundeclub Auenstein. (Symbolbild)

Die Zukunft des Hundeclubs Auenstein ist ungewiss. Dessen Trainingsgelände befindet sich zwischen Veltheim und Auenstein, grenzt im Süden direkt an den Steinbruch Oberegg. Das Gelände ist ehemaliges Abbaugebiet der Jura Cement Fabriken (JCF), das renaturiert wurde. Und es ist Landwirtschaftszone. Das Problem: Der Kanton stört sich an den Containern und der Klubhütte auf dem Areal. Bis im August muss die Infrastruktur entfernt werden.

Der Vorstand (v. l.) mit Ursula Hediger, Natascha Mitchell und Severino Bottlang akzeptiert diesen Entscheid.

Der Vorstand (v. l.) mit Ursula Hediger, Natascha Mitchell und Severino Bottlang akzeptiert diesen Entscheid.

Janine Müller (jam)

Rückblick: Im Jahr 1991 bewilligte das Baudepartement des Kantons Aargau eine Schutzhütte auf dem damaligen Trainingsgelände des Hundeclubs, das sich etwas weiter unten vom heutigen Standort, ebenfalls auf JCF-Gelände, befand. Dies allerdings nur für die Dauer von 10 Jahren. Weitere Auflage war, dass in der Umgebung der Schutzhütte keinerlei Freizeiteinrichtungen erstellt werden dürfen. 2001 wurde die Hütte nicht entfernt. Der damalige Vorstand versäumte es, ein weiteres Gesuch einzureichen. Im Rahmen des weiteren Abbaus hat die JCF dem Hundeclub nach diversen Standortsabklärungen den gegenwärtigen Übungsplatz zur Verfügung gestellt.

Die Infrastruktur des Hundeclubs Auenstein muss entfernt werden.

Die Infrastruktur des Hundeclubs Auenstein muss entfernt werden.

Janine Müller (jam)

Der Brief vom Kanton

Seit 1996 trainiert der Hundeclub Auenstein auf dem heutigen Gelände. Einer Verschiebung der Klubhütte stimmte der Kanton im Juni 2014 nicht zu. «Im Rahmen eines Augenscheins im Zusammenhang mit dem Gesuch für die Auffüllung des Steinbruchs Oberegg wurde im November 2016 festgestellt, dass der Hundeclub Auenstein verschiedene Bauten auf dem fraglichen Terrain erstellt hat. Unter anderem Zwinger, Wohn- und Materialcontainer, Toilette und Lichtmasten», heisst es in einem Brief des Kantons an den Hundeclub Auenstein. Noch im selben Monat forderte die Abteilung für Baubewilligungen beim Kanton den Gemeinderat Veltheim auf, beim Hundeclub Auenstein ein nachträgliches Baugesuch einzufordern.

Baugesuch nicht bewilligt

In der Folge reichte der Hundeclub Auenstein das geforderte Baugesuch für Ruheboxen, Theorieraum und Material-Container ein, das prompt nicht bewilligt wurde. Die Begründung: «Die Vereinsanlage zur Hundeausbildung ist in der Landwirtschaftszone nicht zonenkonform, da sie nicht den in dieser Zone vorgesehenen Zwecken dient», heisst es in der Begründung, die der AZ vorliegt. Auch sei der Abstand der Gebäude zum Wald nicht eingehalten. «Es wurde eine grossräumige Anlage erstellt, welche gegen raumplanungsrechtliche wie auch waldrechtliche Bestimmungen verstösst», heisst es weiter. Die Gebäude müssten zurückgebaut werden.

Dem hat der Hundeclub zugestimmt. Präsident Severino Bottlang betont: «Es geht um die Infrastruktur, den Platz dürfen wir weiterhin nutzen.» Allerdings: «Wo sollen wir all die Übungsgeräte verstauen?», fragt Vereinskassierin Natascha Mitchell. «Wir brauchen zudem Räume, wo wir mit den Mitgliedern die Theorie besprechen können.» Das sei praktisch unmöglich auf offenem Gelände. Und auch eine WC-Anlage sei unabdingbar.

Was besonders ärgerlich ist für den Verein: Über 20 Jahre lang habe sich niemand ob der Infrastruktur, die zudem mobil ist, gestört. Durch die Abgelegenheit des Platzes seien auch keine Wohnquartiere von Lärm betroffen gewesen. Jagdaufseher, Förster und Gemeinde seien informiert gewesen, sagt der Club-Präsident. Auch die JCF zeigte sich einverstanden mit der Nutzung des Geländes, setzte sich gar beim Kanton dafür ein, dass der Hundeclub die Infrastruktur behalten kann. Ohne Erfolg. Aktuarin und Bäuerin Ursula Hediger ergänzt: «Der Platz kann kaum landwirtschaftlich genutzt werden. Für das Anpflanzen von Fruchtfläche ist die Humusschicht zu dünn.»

Ein letzter Hoffnungsschimmer

Die Suche nach einem neuen Platz verlief bis anhin erfolglos. «Industrie- oder Bauland ist kaum noch verfügbar hier in der Region», sagt Präsident Bottlang. Es sei jetzt die Pflicht des Vorstands, der Generalversammlung Lösungswege zu präsentieren. «Die Mitglieder müssen Letztenendes darüber bestimmen, wie es mit dem Hundeclub weitergeht», sagt Bottlang. Allenfalls lasse sich mit einer Umzonung noch etwas erreichen, meint er. Es ist ein letzter Hoffnungsschimmer.

Auch ein Schreiben eines Vereinsmitglieds an den Kanton hat nichts mehr gebracht. In der Antwort des Kantons, die der AZ vorliegt, heisst es: «Die Behörden sind verpflichtet, die Gesetze umzusetzen. Was rechtfertigt die Behörden, ‹Vernunft vor Recht› walten zu lassen, ohne dass man in Kauf nimmt, in reine Willkür abzurutschen? Wer bestimmt, was als ‹Vernunft› oder ‹gesunder Menschenverstand› geeignet ist, das Gesetz zugunsten von Individualinteressen auszuhebeln?»

Der Hundeclub Auenstein akzeptiere natürlich den Entscheid des Kantons, sagt Bottlang. Das ändere aber nichts an der schwierigen Situation für den Verein und für Vereine allgemein. «Solche Vorgaben führen dazu, dass immer mehr Vereine in Schwierigkeiten geraten. Wenn man Vereine unter den Boden bringen will, dann macht man es so.» Einerseits wolle man gut erzogene Hunde und anständige Hundehalter, andererseits würden nirgends geeignete Möglichkeiten geschaffen für die Ausbildung. Wenn sich bis im August keine andere Lösung anbietet, droht dem Hundeclub Auenstein das schlimmste Szenario: die Auflösung.

Kurse ohne Leistungsdruck

Auf dem Gelände des Hundeclubs Auenstein, der 1982 gegründet wurde, stehen drei Werkzeugcontainer, ein Unterstand, mehrere Ruheboxen sowie ein Theoriecontainer und ein Toi-Toi-WC. Jeweils am Mittwochabend sowie samstags oder sonntags wird auf dem Platz trainiert. Jeweils zwischen 12 und 15 Personen sind jeweils anwesend. Beim Hundeclub Auenstein sind alle Hunderassen und deren Halter willkommen. Eine Prüfungspflicht besteht keine. Die Kurse können von Alltags-und Freizeithunden, ohne Zwang und Leistungsdruck, absolviert werden.

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