Windisch
«Spiele auf Tablets wecken geistige Fähigkeiten»

Zum 4. Mal fand im Alterszentrum Lindenpark ein öffentlicher Spielnachmittag statt. Zum Zug kamen bekannte und weniger bekannte Spiele, jedoch allesamt in digitaler Form auf Tablets.

Caroline Frei
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«Ich bin offen für solche Sachen», sagt Hilde Hirt. Die 95-Jährige sitzt zusammen mit drei weiteren Altersheimbewohnern am Spieltisch im Lindenpark-Restaurant in Windisch. Unter Anleitung von Marco Soldati, Informatiker an der FHNW und Leiter eines Projektes zur Entwicklung von digitalen Unterhaltungsspielen für betagte Menschen, werden etwa das Leiterlispiel oder Denk- und Malspiele auf grossen Tablets gespielt. Beliebt ist unter anderem «Was gits z’Ässe?», eine Bachelorarbeit von Viviane Bendjus und Souzan Alhenawi. Es gilt, in einem Labyrinth alle benötigen Esswaren einzusammeln, um das gewünschte Rezept kochen zu können. «Wollen wir mit etwas Einfachem starten», fragt Soldati in die Runde. Hilde Hirt drückt den Button «Einfach» und schon wird eine Auswahl an Kochvorschlägen auf dem Bildschirm angezeigt.

Die Wahl der Bewohner fällt auf Raclette. Wie durch Zauberhand erscheint ein digitales Labyrinth und, zwei rote grosse Kugeln stehen für ihren Einsatz bereit. Zwei Seniorinnen schieben diese Kugeln nun durchs Labyrinth und sammeln unterwegs alle Zutaten ein. Kaum ist alles zusammengetragen, trällert ein alter Schlager als Belohnung aus dem Tablet. Nicht genug. Wer möchte, kann zu jedem verwendeten Lebensmittel Informationen abrufen, etwa, wie man aus Rahm Butter machen kann. «Einige der Spiele, die hier zum Einsatz kommen, wurden mit den Bewohnern zusammen auf Herz und Nieren geprüft. Sie haben uns gesagt, was gut ist und was weniger. Ein Lied als «Belohnung» wird sehr geschätzt, darf aber nicht allzu lange abgespielt werden», erklärt Soldati. «Mir gefällt das Spiel sehr gut, bei dem man Kreise rausziehen kann oder aber dasjenige, bei dem man einfach über den Bildschirm fährt und so etwas malen kann», sagt der Bewohner Roland Krebs.

Belebung des Heimalltags

Die Motivation, sich seitens der Fachhochschule dem Thema «Spiele für betagte Menschen» anzunehmen, sei die Verknüpfung von Informatik mit gesellschaftlichen und sozialen Aspekten, betont Soldati. Walter Weber, Zentrumsleiter der Sanavita AG: «Ich begrüsse innovative Ideen. Spiele auf Tablets wecken geistige Fähigkeiten und fördern die Kommunikation, was zur Belebung des Heimalltags beiträgt.» Erst seien die Bewohner etwas skeptisch gewesen. Inzwischen mache es ihnen und den Angehörigen grossen Spass, sagt Stéphanie Zeier, Aktivierungstherapeutin. Schade nur, dass beim vierten Spielnachmittag keine Angehörigen mit von der Partie waren.

Spiele optimieren

Die Entwicklung solcher Computerspiele sei zeitintensiv, macht Soldati deutlich. Der Vorlauf, von der Idee bis zu einer ersten Version nehme einige Monate in Anspruch. Dieser Prototyp werde dann den Bewohnern vorgestellt. Beim Spielen zeige sich schnell, was gehe und was nicht. So habe man etwa bei «Was gits z’Ässe?» noch einiges an Verbesserungen vor sich. Nichtsdestotrotz hat gerade diese Variante einen von der Walder-Stiftung ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen. Ziel ist, alle Eigenkreationen so weiter zu entwickeln, dass sie für Kinder und Senioren spannend sind. «Die Kinder übernehmen den «Action»-Teil, die Senioren bringen ihr Wissen und ihre Erfahrung ein – etwa beim Spiel mit den Rezepten», sagt Soldati. Man darf gespannt sein.

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