Windisch
Schrebergärten sind ein Paradies für Fleissige

Die Pächter der Gärten im Sommerau in Windisch haben ihren Lieblingserholungsraum an der Aare. Doch für viele ist der Schrebergarten mehr als nur die Grundlage für eine sinnvolle Beschäftigung.

Manuel Hediger
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Schrebergarten in Windisch
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Ohne grosse Pflanzenvielfalt wäre das Arbeiten nur halb so spannend.
In der Sommersaison erntet man, was man gesät hat.

Schrebergarten in Windisch

Einen kurzen Fussmarsch vom Wasserschloss entfernt, zwischen der Carrosserie Gebr. Knecht AG und der Kläranlage, befindet sich die Windischer Hochburg für Gartengestaltung: ein Grundstück zur Verfügung der «Gartenfreunde Sommerau» mit 104 Parzellen. Die Schrebergärten werden von Hobby-Gärtnern gepachtet, die üblicherweise zwei Sachen gemeinsam haben: Gartengestaltung ist für sie eine Riesenleidenschaft und ihnen fehlt das Geld, einen privaten Wohnraum mit Garten zu erwerben oder zu mieten.

Doch für viele ist der Schrebergarten mehr als nur die Grundlage für eine sinnvolle Beschäftigung. «Wir laden Freunde und Verwandte ein und feiern. Manchmal haben wir ein ganzes Lamm auf dem Grill», erklärt Pächterin Fatima Dzamastagic. Zu jeder Tageszeit hält sich mindestens eine Handvoll Leute auf dem Gebiet auf. Die einen verrichten Arbeiten wie Gemüseernten oder Unkrautentfernen, andere entspannen sich. Ihnen allen ist eins gemeinsam: Sie reagieren freundlich auf fremde Besucher.

Vielfältige Bepflanzung

Die Bepflanzung ist sehr vielfältig: Von Mais, Kabis, Kartoffeln, Gurken, Blumen bis zu Obstbäumen wird alles angebaut. 50 Prozent der Parzelle müssen gemäss Auflage der Gemeinde bepflanzt werden, wobei Rasen nicht als Bepflanzung zählt. Der Rest der Fläche wird gerne mit Spieleinrichtungen für Kinder, Gartencheminées und Hütten bebaut.

Was das Hobby «Schrebergarten» alles beinhaltet, ist individuell sehr unterschiedlich. Für Vereinspräsident Alois Steinger steht neben der Gewährleistung des Allgemeinwohls der Mitglieder die Arbeit im Garten im Vordergrund: «Ich komme nicht hierhin, um zu faulenzen.» Er ist einer der Wenigen, die auch auf ihrer privaten Wohnfläche einen Garten haben. Dass das Gebiet Sommerau direkt am oft befahrenen Bahngleis zwischen Brugg und Turgi liegt, stört ihn nicht: «Lieber am Bahngleis als an einer Durchgangsstrasse».

Neuer Vorstand sorgt für Ordnung

Als neuer Präsident hat Steinger sofort versucht, Ordnung im Gebiet zu schaffen. Früher seien die Gartenabfälle einfach irgendwo auf den Aaredamm geworfen worden. Das habe der Gemeinde nicht gefallen, da das Gebiet dem Kanton gehöre. «Zusammen mit dem Vorstand habe ich am Aaredamm drei markierte Depots für Gras und Unkraut eingerichtet und den Rest abgesperrt.»

Der Verein muss Auflagen der Gemeinde befolgen und hat ein eigenes Regelwerk. Es wird vorgeschrieben, was in welchem Umfang wie gebaut werden darf oder muss. «Wer etwas Grösseres bauen will, muss zuerst um Erlaubnis fragen», so Steinger.

In der Tatsache, dass unter den Pächtern mindestens zehn verschiedene Nationalitäten und ein Ausländeranteil von 60 Prozent vertreten sind, sieht der Präsident nicht nur Vorteile. Als Schwierigkeit nennt er einerseits die sprachliche Verständigung zwischen Vorstand und Mitgliedern. Dieses Problem beginne man aber in den Griff zu kriegen, indem meistens dreisprachig kommuniziert werde: auf Deutsch, Italienisch und Serbokroatisch. Die Sprache sei aber nicht das einzige Problem: «Viele Ausländer haben eine Mentalität, die sich von jener der Schweizer unterscheidet.» Nach Ansicht des Präsidenten bilden sie untereinander schnell Gruppen mit einem bemerkenswerten Zusammengehörigkeitsgefühl. «Da fühlen sie sich plötzlich stark und haben nicht mehr so den Drang, Regeln einhalten zu müssen.» Besonders, was Lärm angeht, sind die Regeln nämlich streng: Unter der Woche ist um 19 Uhr Ruhezeit, samstags ist es 18 Uhr. Plant ein Vereinsmitglied einen grösseren Anlass, kann es das Klubhaus mieten.

Überflutungen sind frustrierend

Alle Pächter, die schon länger dabei sind, haben einen gemeinsamen Feind: das Hochwasser der Aare, welches in den letzten zehn Jahren ein paar Mal auftrat. Im Jahr 2007 kam das Wasser besonders hoch: Präsident Steinger schätzt es auf bis zu einem Meter dreissig.

«Die Überflutungen haben einen abschreckenden Effekt.», erklärt Pächter Kurt Jordi. Es sei frustrierend zu sehen, dass die ganze Arbeit umsonst war. Einige Pächter hätten als direkte Konsequenz die Parzelle fluchtartig abgegeben.

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