Brugg

Orchester und Chor wieder vereint: «Friedrich Theodor Fröhlich ist ein Akkordarbeiter»

Sechs Jahre nach dem letzten gemeinsamen Auftritt spannen der Orchesterverein Brugg und der Chor der Stadtkirche Brugg wieder zusammen – Gaudenz Tscharner erzählt.

Elisabeth Feller
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Der Chor probt unter der Leitung von Gaudenz Tscharner. Alex Spichale

Der Chor probt unter der Leitung von Gaudenz Tscharner. Alex Spichale

Alex Spichale

Spricht Gaudenz Tscharner, Organist und Kantor an der Stadtkirche Brugg, über Musik, fällt schon einmal ein Satz wie dieser: «Friedrich Theodor Fröhlich ist ein Akkordarbeiter.» Brugger wissen, dass es sich beim Genannten um den 1836 im Alter von 33 Jahren früh verstorbenen Komponisten handelt.

Und dieser, so der Kirchenmusiker, sei ein Meister der Akkorde in der Musik. Tscharners Begeisterung für den lange Zeit sträflich Vernachlässigten lässt sich gut nachvollziehen, wenn man sich an den von Barbara Vigfusson konzipierten Fröhlich-Tag im diesjährigen Herbst erinnert. «Ach, was hätte dieser Hochbegabte doch noch alles komponieren können, hätte er bloss länger gelebt», sagt Gaudenz Tscharner.

Das Bedauern in seiner Stimme weicht aber bald und macht der Freude Platz: «Das, was wir von diesem durch und durch eigenständigen Komponisten haben, ist grossartige Musik.» Dazu zählen etwa die klanglich üppige Ouvertüre in B und die Missa Prima. Aber: Auf dem Programmzettel steht in Klammern der Zusatz «Nach Johann Gottlieb Naumann». Ist das nicht kurios? Gaudenz Tscharner lächelt – er hat die Frage erwartet.

Bevor er sie jedoch beantwortet, will er etwas ausholen. «Vor sechs Jahren haben der Orchesterverein Brugg und der Chor der Stadtkirche Brugg letztmals für ein Konzert zusammengespannt. Das wollten wir unbedingt wiederholen, wobei für meinen Kollegen Markus Joho und mich sogleich feststand: Friedrich Theodor Fröhlich darf auf keinen Fall fehlen.»

Weil die Missa Prima ein prachtvolles Werk für die 40 Streicher des Orchestervereins, die 15 Bläser und die 60 Chorsängerinnen- und -sänger ist, fiel die Wahl auf sie. Gaudenz Tscharner zieht eine Partitur aus der Tasche: «Was steht auf dem Titelblatt?» Friedrich Theodor Fröhlich. «Ja, die Missa galt tatsächlich als sein Werk. Bis ein Zuhörer und Kirchenmusiker nach einer Aufführung 1999 in Schwyz dem Dirigenten sagte: ‹Dieses Stück habe ich Ton für Ton schon von einem anderen Komponisten gehört – Johann Gottlieb Naumann.›» – «Natürlich», spinnt Tscharner den Musik-Krimi fort, «hat man sich gefragt, weshalb die Missa derart lange Fröhlich zugeschrieben worden ist. Weil man sie in dessen Nachlass gefunden hat.»

Wie Forschungen ergaben, handelte es sich aber um eine nur wenig veränderte Abschrift von Naumanns Partitur. Abschreiben, das ist doch ... «Aber nein, das war zu jener Zeit ganz selbstverständlich», betont Gaudenz Tscharner. «Die Komponisten schrieben Partituren zu Studienzwecken ab.»

Glanzvoll, jubelnd, extravertiert

Wie auch immer, für die Brugger Interpreten ist nur eines wichtig: Handelt es sich um gute Musik? «Oh, ja. Die Missa Prima ist alles; sie ist glanzvoll, jubelnd und extravertiert. Sie weist aber auch verinnerlichte Passagen auf und erinnert mitunter sogar an Mozart.» Alles in allem aber wird mit Pauken und Trompeten angerichtet, was in besonderem Mass auch für Joseph Rheinbergers Orgelkonzert Nr. 2 in g-Moll gilt: Das Werk eines Spätromantikers, der die Orgel – unterstützt von Streichern, Trompeten, Hörnern und Pauken – zum majestätisch-virtuosen Konzertinstrument erhebt.

Dass der Orchesterverein mitten im Konzert umzieht, ist unüblich, aber «diesmal», so Tscharner, «wird er auf der Empore, neben dem Organisten Giuseppe Raccuglia, Platz nehmen.» Gleich einer vom Himmel kommenden Engelsmusik sollen die Zuhörer Rheinbergs Komposition «ja, das gesamte Konzert als grosses, gemeinschaftliches Erleben» wahrnehmen, hofft Gaudenz Tscharner.