Linn
Lager für radioaktive Abfälle: Die Regionalkonferenz Jura Ost erreicht einen Meilenstein

In Linn verabschiedet die Vollversammlung der Regionalkonferenz Jura Ost am Donnerstag die Stellungnahme zu den Oberflächeninfrastrukturen eines geologischen Tiefenlagers für radioaktive Abfälle.

Michael Hunziker
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Für ein geologisches Tiefenlager braucht es – wie auf dieser Visualisierung zu sehen – auch Nebenzugangsanlagen.

Für ein geologisches Tiefenlager braucht es – wie auf dieser Visualisierung zu sehen – auch Nebenzugangsanlagen.

zvg/Nagra

In einem mehrstufigen Prozess ist bewertet, gewichtet, geprüft, verglichen, überarbeitet, ergänzt, korrigiert, präsentiert und diskutiert worden. Jetzt ist ein Meilenstein erreicht: Die Stellungnahme zu den Oberflächeninfrastrukturen (OFI) eines geologischen Tiefenlagers für radioaktive Abfälle ist an der Vollversammlung der Regionalkonferenz Jura Ost verabschiedet worden – klar mit 56 zu 2 Stimmen. Anwesend in der Turnhalle in Linn waren am Donnerstagabend 63 der 98 Mitglieder.

Die Regionalkonferenz Jura Ost, die als Partizipationsgremium die Interessen der Region vertritt im Sachplanverfahren geologisches Tiefenlager, befasst sich schon eine ganze Weile mit der Infrastruktur über dem Boden. Denn diese gehört ebenfalls zur Realisierung und zum Betrieb eines geologischen Tiefenlagers: Oberflächenanlage, Nebenzugangsanlagen, Verpackungsanlage, Bauten für die Erschliessung oder Ausbruchdeponien. Die Startsitzung fand im Januar 2019 statt.

Antrag aus Versammlung kommt nicht durch

Peter Hirt als Vorsitzender der Fachgruppe und Reto Porta von der Fachbegleitung erinnerten an die Vorgehensweise und wiesen auf die Resultate hin. Die Bewertungsergebnisse zeigen, dass die Standortvorschläge «Aare West» beim Paul Scherrer Institut und beim Park Innovaare in Villigen, «Schmidberg» südlich der Gemeinde Böttstein sowie «Matten» nördlich von Riniken weiterverfolgt werden sollen.

Diskussionslos und mit grosser Mehrheit genehmigt hat die Versammlung ebenfalls die Jahresrechnung, den Revisionsbericht sowie den Jahresbericht. Abgelehnt – mit 25 zu 31 Stimmen – wurde der Antrag von Mitglied Stefan Huggenberger, Riniken. Er forderte, dass die Regionalkonferenz Jura Ost an ihren Veranstaltungen alle auftretenden Referenten verpflichtet, einen Teil ihrer Vorträge den aktuell wichtigsten Herausforderungen und Risiken des jeweiligen Themas zu widmen.

Daten der Bohrungen werden ergänzt

Olivier Moser, Projektleiter Public Affairs bei der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), ging auf den Stand der Tiefbohrungen sowie die geplante Langzeitbeobachtung ein. Noch finden Bohrarbeiten statt in Rheinau und Bachs im Kanton Zürich, um den Untergrund zu untersuchen. Der Bohrkeller am Standort «Bözberg 1» in der Nähe der Weiler Ursprung und Vierlinden wird für die Langzeitbeobachtung vorbereitet. Der Bohrplatz am Standort «Bözberg 2» unweit der Landwirtschaftsbetriebe Äbertsmatt und Riedacker ist geräumt, der Rückbau ist ab 2023 vorgesehen.

Der Standort «Bözberg 1» wird für die Langzeitbeobachtung vorbereitet.

Der Standort «Bözberg 1» wird für die Langzeitbeobachtung vorbereitet.

Claudia Meier (20. August 2021)

Mit Langzeitbeobachtungen, führte Moser aus, werden die Daten der Bohrungen ergänzt, kann das Grundwasser der wasserführenden Schichten in ungestörtem Zustand beobachtet werden. In verschiedenen Tiefen werden Messgeräte eingebaut, um etwa Temperatur und Wasserdruck zu messen.

Die Stilllegung ist technisch und finanziell auf Kurs

Die Tiefbohrungen und die erdwissenschaftlichen Untersuchungen haben ergeben, fasste Moser zusammen, dass ein Tiefenlager gemäss Vorgaben in allen verbliebenen möglichen Standortgebieten gebaut werden kann: Jura Ost im Raum Bözberg, Nördlich Lägern und Zürich Nordost. Überall sei der Opalinuston, das dafür gefragte Wirtgestein, in ausreichender Mächtigkeit vorhanden.

Stefan Klute, Leiter Stilllegung und Entsorgung, referierte zur Stilllegung des Kernkraftwerks Mühleberg, konkret: zu den ersten anderthalb Jahren nach 47 Jahren Leistungsbetrieb. Vorbereitet wurde der Rückbau im Reaktorgebäude, erfolgt sind Demontagen im Maschinenhaus. Klute schilderte den Ablauf der Verfahren, zeigte eindrückliche Bilder aus dem Innern des Kernkraftwerks und ging auch auf die Herausforderungen ein wie die Reisebeschränkungen während der Coronapandemie. Die Stilllegung, lautete sein Fazit, sei technisch und finanziell auf Kurs.

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