Gmeind-Entscheid
«Jahrhundert-Projekt»: Ortsdurchfahrt Villigen geht zurück an Absender

Die Stimmberechtigten in Villigen haben den Kredit für die neue Ortsdurchfahrt nach einer intensiven Debatte zurückgewiesen. Zu reden gaben etwa die Kandelaber, die neu vorne am Trottoir platziert werden sollten.

Michael Hunziker
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Die Visualisierung zeigt – hier der Bereich bei der Einmündung der Mandacherstrasse – wie sich Gemeinde und Kanton die neu gestaltete Ortsdurchfahrt vorstellen.

Die Visualisierung zeigt – hier der Bereich bei der Einmündung der Mandacherstrasse – wie sich Gemeinde und Kanton die neu gestaltete Ortsdurchfahrt vorstellen.

ZVG

Mit 82 zu 44 Stimmen hat die Gemeindeversammlung in Villigen den Rückweisungsantrag angenommen: Beim Projekt «Neugestaltung der Ortsdurchfahrt» muss der Gemeinderat noch einmal über die Bücher gehen. In einem nächsten Schritt werde im kommenden Jahr erneut ein Projektierungskredit zur Diskussion stehen, sagte Gemeindeammann Jakob Baumann.

Der Dekretsbeitrag von 4,187 Mio. Franken führte zu einem langen Hin und Her am Donnerstagabend. Vizeammann Olivier Moser bezeichnete die geplante, umfassende Sanierung als «fast ein Jahrhundertprojekt». Ziel sei es, den Strassenraum aufzuwerten, die Verkehrssicherheit zu erhöhen sowie eine langsame und rücksichtsvolle Fahrweise zu fördern.

Stefan à Porta, Leiter der Abteilung Finanzen, zeigte auf, dass mit dem Vorhaben die Nettoschuld der Gemeinde steigt. Wichtig sei, mit der Situation richtig umzugehen, um auch in Zukunft leistungsfähig sowie eine gesunde und attraktive Wohngemeinde zu bleiben. Ein Thema werde eine verkraftbare Anpassung des Steuerfusses per 2017. Nach heutigen Erkenntnissen liege dieser aber nach wie vor unter 90 Prozent.

Gefahr statt mehr Sicherheit

Für mehr Gesprächsstoff als die steigenden Schulden und der Steuerfuss sorgten die Kandelaber, die mit der Sanierung an einigen Stellen vorne am Trottoir platziert werden sollen, damit die Fahrzeuge nicht mehr ausweichen können und die Fussgänger besser geschützt sind.

Mehrere Anwesende kritisierten diese Massnahme und stellten infrage, ob sie den gewünschten Erfolg bringt. Es werde stattdessen eine neue Gefahrenstelle geschaffen, das Unfallrisiko steige. Und müssten die Fahrzeuge beim Kreuzen künftig anhalten und wieder losfahren, nähmen Lärm und Abgase zu. Die heutigen Standorte der Kandelaber sollen belassen werden, so das Fazit.

Gemeindeammann Baumann und Vizeammann Moser betonten, dass derzeit noch nicht alle Details geregelt sind, dass die genauen Standorte im späteren Bauprojekt definiert werden. «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.» Gleiches gelte für die Wahl der Materialen. Denn als wenig zweckmässig beurteilte ein Stimmberechtigter die vorgesehenen Pflastersteine und Granitplatten auf dem Trottoir. «Ich sehe den Sinn nicht.» Der geplante Ausbaustandard sei hoch, das Projekt sei zwar schön, aber teuer und könne sicher abgespeckt werden, zeigte er sich überzeugt.

Gefragt wurde weiter, ob die Werkleitungen den kommenden Anforderungen genügen – was der Gemeinderat bejahte. Darlegen musste die Behörde ebenfalls, warum der Bachdurchlass Aempach ausgebaut wird.

Leitungen kein Thema mehr

Nicht gelöst ist nach Ansicht der Anwesenden die Situation beim Restaurant Schlossberg. Es sei, lautete die Meinung, mit dem Besitzer Kontakt aufzunehmen, um Varianten zu prüfen und wirklich nach Lösungen zu suchen. «Sonst bleibt das Problem in den nächsten 30 Jahren bestehen.»

Kurz: Dass die heutige Situation auf der Hauptstrasse beim steigenden Verkehrsaufkommen nicht befriedigend, der Strassenbelag am Ende der Lebensdauer angelangt sei, stellte niemand in Abrede. Es gebe aber zu viele Punkte, die noch nicht stimmen. Den ganzen Schickimicki, stellte ein Stimmberechtigter fest, brauche es nicht.

Über den Kredit von 5,16 Mio. Franken für die Erneuerung der Werkleitungen der Ortsdurchfahrt musste in der Folge nicht abgestimmt werden. Dieses Traktandum zog der Gemeinderat zurück. Alle weiteren Geschäfte haben die anwesenden 134 Stimmberechtigten – von insgesamt 1240 Stimmberechtigten – in Rekordtempo und mit grosser Mehrheit durchgewunken: Einbürgerungen, Baukredit von 1,615 Mio. Franken für die Sanierung der Haldenstrasse und der Flösserstrasse in Stilli, Pensenerhöhung von 25 Prozent für die Abteilungen Finanz/Steuern, Kredit von 924 459 Franken für den Kauf von 1300 Einwohnergleichwerten beim Abwasserverband Schmittenbach, Kredit von 216 000 Franken für die Sanierung des Kugelfangs der 300-Meter-Schiessanlage Stilli sowie Budget 2016 mit einem unveränderten Steuerfuss von 82 Prozent.

Lesen Sie hier den Kommentar zum Thema.

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