Birr

Eine Ente brütet auf dem Balkon – um den Nachwuchs entbrennt ein Streit

Liebevoll hatte sich ein Anwohner um die Ente gekümmert, die bei ihm auf dem Balkon gebrütet hat, ihr Futter und Wasser hingestellt. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, hat er die Entenfamilie in einen Käfig gesperrt. Das ist illegal.

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Am Wochenende sind sechs gesunde Entenbabys geschlüpft, auf einem Balkon einer Wohnung in Birr. Das ist gar nicht so ungewöhnlich, die Wildvögel sind oft an Menschen gewöhnt und in der Höhe vor Füchsen und anderen Raubtieren geschützt.

Der Besitzer des Balkons hat nun aber die Entenfamilie eingesperrt, wie TeleM1 berichtet. Wie Haustiere hält er sie in einem Käfig auf dem Balkon. Daran hat Rainer Klöti, Präsident des Aargauischen Jagdschutzvereins, gar keine Freude: «In so einer Umgebung kann sich eine Ente nicht natürlich entwickeln.» Das sei eine völlig falsche Umgebung für ein wild lebendes Tier.

Auch die Vogelwarte Sempach betont, dass junge Enten unverzüglich von einer Fachperson zu einem See oder Fluss gebracht werden müssen. Vor der Kamera wollte der selbsternannte Entenhalter nichts sagen. Im Gespräche mit TeleM1-Reporter Daniel Arnold erklärt er, er habe wochenlang zu der brütenden Ente geschaut und für Futter und Käfig rund 100 Franken ausgegeben. Deshalb wolle er sie vorläufig behalten. Wenn jemand die Entenfamilie abholen wolle, müsse man ihm etwas bezahlen.

Wie lange er die Wildtiere behalten wolle, wisse er nicht, er wolle schauen, wie sich die Jungtiere entwickeln. Erwin Osterwalder, Fachspezialist Jagd und Fischerei des Kantons Aargau, macht aber klar, dass der Birrer illegal handelt: «Das Gesetz sagt klar, dass das Aneignen wilder Tiere nicht erlaubt ist. Das kann eine Busse bis zu 20'000 Franken nach sich ziehen.» Der Kanton nehme nun mit dem zuständigen Wildhüter Kontakt auf, damit der dafür sorgt, dass die Enten so schnell wie möglich in die Freiheit entlassen werden. (kob)

Update: Die Entenfamilie wurde in der Zwischenzeit freigelassen