Ehrenamt
«Ich weiss nicht, warum ich den Titel bekommen habe»: Was der erste «Brugger des Jahres» an seinem Sieg überrascht

Ab Januar sucht der Förderverein Events Brugg erneut Anwärterinnen und Anwärter für seine Auszeichnung. Diese sechs Personen würde Peter Belart, Gewinner 2020, nominieren.

Maja Reznicek
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Der frühere Journalist Peter Belart (hier in der Brugger Hofstatt) hat bereits fünf Bücher veröffentlicht.

Der frühere Journalist Peter Belart (hier in der Brugger Hofstatt) hat bereits fünf Bücher veröffentlicht.

Maja Reznicek (7. Dezember 2021)

Eigentlich hatte er die Nomination bereits wieder vergessen. «Ich fand es schon nett, dass mich jemand vorgeschlagen hat. Ich habe mir aber keine Chancen ausgerechnet», erzählt Peter Belart beim Kaffee. Als dann vor fast einem Jahr der Anruf kam, dass der Förderverein Events Brugg (FEB) den heute 71-Jährigen zum «Brugger des Jahres 2020» kürt, war er sehr überrascht.

Mit dem Preis werden jährlich Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich «uneigennützig und nachhaltig für das soziale Leben in der Stadt und der Region Brugg einsetzen». Belart sagt: «Ich weiss nicht, warum ich den Titel bekommen habe. Andere haben sich viel mehr engagiert.»

Die Jury vom FEB war anderer Meinung. In einer Mitteilung des Vereins heisst es:

«Belarts Verdienste um das kulturelle Leben in der Region sind unbestritten.»

So war der pensionierte Journalist und Lehrer etwa Teil diverser Kommissionen, engagierte sich als Jugendfestredner im Jahr 2001 und amtete acht Jahre als Präsident der Kirchenpflege in Schinznach-Dorf. Daneben hielt er zahlreiche Vorträge zu geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Themen, organisiert Stadt- sowie Ortsführungen und veröffentlichte im letzten Sommer sein fünftes Buch.

Ende Januar wurde Peter Belart (ganz rechts) ausgezeichnet. Mit dabei (von links): Miro Barp, Förderverein Events Brugg, Barbara Horlacher, Stadtammann, und Josef Sachs, Förderverein Events Brugg.

Ende Januar wurde Peter Belart (ganz rechts) ausgezeichnet. Mit dabei (von links): Miro Barp, Förderverein Events Brugg, Barbara Horlacher, Stadtammann, und Josef Sachs, Förderverein Events Brugg.

Michael Hunziker (26. Januar 2021)

Rückmeldungen auf die Auszeichnung bekam Belart recht wenige. Er sei ab und zu von Freunden darauf angesprochen worden. «Überrascht hat mich mehr, dass auch Fremde mich erkannt haben», sagt der Schinznacher.

Mehr Selbstwertgefühl für Brugg und die Umgebung

Was Peter Belart gegenüber den anderen neun Nominierten zum ersten «Brugger des Jahres» machte, habe ihm bis heute niemand erklären können. Er schliesst jedoch:

«Durch meine langjährige Zeitungsarbeit habe ich eine gewisse Bekanntheit erlangt. Und mein Vater war bereits ein bekannter Brugger.»

Die Familie lebt in zehnter Generation in der Region, Peter Belart fühlt sich Brugg sehr verbunden.

Wer wird «Brugger des Jahres 2021»?

Der Förderverein Events Brugg (FEB) würdigt in Zukunft jährlich eine Person aus der Region, die sich mit besonders viel Engagement und Herzblut für den gesellschaftlichen Zusammenhalt der Menschen im Bezirk eingesetzt hat. Der Einsatz könne kultureller, sportlicher, sozialer oder ökologischer Art sein. Die Preisträgerin oder der Preisträger soll eine Identifikationsfigur sein, «die zeigt, dass der Einsatz für das Gemeinwohl cool ist und Freude macht», schreibt der FEB.

Hintergrund der Nomination sei eine Entwicklung, die dem Verein nicht gefalle: «Das soziale Leben in unseren Dörfern und Kleinstädten wird seit Jahren stetig ausgedünnt. Vereine schrumpfen, Läden verlieren Kunden an den Onlinehandel, Schulen werden zentralisiert und das kulturelle Leben verlagert sich in die Grossstädte.» Die Pandemie habe diese Tendenz beschleunigt. Zudem neige die öffentliche Hand dazu, immer mehr der in der Peripherie noch verbleibenden kulturellen Aktivitäten zu übernehmen und zu professionalisieren. Freiwilligenarbeit und Eigeninitiative drohten zu verkümmern. Dieser Tendenz wolle der FEB mit der Auszeichnung entgegensteuern.

Ab Januar 2022 kann die Einwohnerschaft des Bezirks mögliche Preisträgerinnen oder Preisträger für das Jahr 2021 vorschlagen. Aus diesen wählt der FEB-Vorstand den Sieger. Die Preisübergabe ist am 4. März 2022 vorgesehen.

Das motivierte ihn in den vergangenen Jahren für sein ehrenamtliches Engagement. «Ich habe aber auch immer Sachen gemacht, die mich wirklich interessieren. Das ist wie ein Hobby. Wenn ich mich zwingen hätte müssen, lehnte ich jeweils ab», erklärt Belart. Ausserdem trete er gerne öffentlich auf: «Bei meiner Jugendfestrede war ich vorher nicht nervös – ich habe mich gefreut.»

Auf die Frage, wofür sich mehr Leute in der Region einsetzen sollten, weiss Belart direkt eine Antwort: «Dass die Menschen mit mehr Selbstwertgefühl für Brugg und die Umgebung eintreten.» Gegenüber Aarau oder Baden sei man zwar die «dezentere Schönheit», aber: «Wir haben so viel zu bieten – ob in geschichtlicher Hinsicht, als Bildungsstandort oder was die Natur betrifft.»

Peter Belart, pensionierter Journalist und Lehrer.

Peter Belart, pensionierter Journalist und Lehrer.

Maja Reznicek

Zudem wünscht sich der Schinznacher mehr Spontanität und Offenheit von den Bruggern:

«Wer hier Pläne oder neue Ideen durchsetzen will, braucht ein grosses Durchhaltevermögen.»

Im März wird der nächste «Brugger des Jahres» ausgezeichnet. Auf der Nominationsliste des 71-Jährigen stehen bereits sechs Personen: Darunter finden sich Historiker Titus Meier, Unternehmer Otto H. Suhner, Apotheker Max Kuhn, der studierte Bauingenieur Heinz Trachsel, Schulhauswart Bruno Schuler und die ehemalige Schulleiterin Barbara Iten. «Sie hätten den Preis alle mehr verdient als ich», sagt Belart.

Wenn er sich entscheiden müsste, würde er Schuler oder Iten den Vorzug geben. Letztere erlebe er regelmässig als Co-Präsidentin des Vereins Tourismus Region Brugg: «Sie sprüht vor Ideen.» Schuler rühmt Belart insbesondere für sein jahrelanges Engagement für die Brugger Schülerschaft.

Das Preisgeld investierte er in eine Leidenschaft

Sein ehrenamtliches Engagement will Peter Belart in den kommenden Jahren weiterführen. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Co-Präsident von Tourismus Region Brugg nennt der Schinznacher zwei grosse Projekte. Das eine habe bereits abgeschlossen werden können: Sechs Monate lang erfasste Belart 120 Picknickplätze im Bezirk für die Website www.grillstelle.ch und sammelte Informationen über Eigenschaften wie die Zugänglichkeit mit dem Auto oder Entsorgungsmöglichkeiten.

Das andere Projekt sind die begleiteten Abendspaziergänge in der ganzen Region. Belart sagt zur Veranstaltungsreihe:

«Wir bewegen uns dabei auf Wegen, die nicht jeder kennt.»

Letzteres verbindet der 71-Jährige mit einer grossen Leidenschaft: dem Wandern. Momentan durchquert er etappenweise und bereits zum vierten Mal die Schweiz. Kein Wunder, investierte Belart fast das ganze Preisgeld von 1000 Franken – in Form eines Zentrumsgutscheins – für den «Brugger des Jahres» in Wanderliteratur.

Der Verein Tourismus Region Brugg bietet Abendspaziergänge auf teilweise wenig bekannten Wegen an.

Der Verein Tourismus Region Brugg bietet Abendspaziergänge auf teilweise wenig bekannten Wegen an.

zvg (10. November 2020)

Eigene Bücher wird er dafür in absehbarer Zeit nicht veröffentlichen. «Der Dampf ist draussen», sagt Belart. Er könne wohl vier bis fünf Werke ohne grossen Aufwand schreiben, aktuell habe er aber alle attraktiven Geschichten erzählt. «Vielleicht kommt es ja wieder.» Auf jeden Fall hat Belart viele andere Projekte in Planung. Er sagt: «Es gibt noch so viel, dass ich gerne machen möchte.»

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