Brugg

Dirigent Markus Joho: «Das sind doch Töne, an denen wir Spass haben»

Im Rathaussaal Brugg rauchen nicht nur Politköpfe: Der Orchesterverein und sein Dirigent Markus Joho proben derzeit bienenfleissig für ihr Winterkonzert in der reformierten Stadtkirche.

Elisabeth Feller
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«Es hat noch etwas wenig Drive. Es ist noch zu gemütlich», sagt der Dirigent Markus Joho zum Orchesterverein Brugg. Mathias Marx

«Es hat noch etwas wenig Drive. Es ist noch zu gemütlich», sagt der Dirigent Markus Joho zum Orchesterverein Brugg. Mathias Marx

Mathias Marx

Der Saal im ersten Stock ist hell erleuchtet. Der Schein lotst die Besucherin zum Rathaus. Dort angelangt, öffnet sie die Türe und steigt die Wendeltreppe hoch. Oben bietet sich ihr dieses Bild: Stühle sind im Halbrund um das Dirigentenpult angeordnet – bald werden sie von 37 Streicherinnen und Streichern in Beschlag genommen.

An diesem Abend ist der Rathaussaal fest in der Hand des Orchestervereins Brugg und seines Dirigenten Markus Joho. Hier wird geprobt, verworfen und für gut befunden. Das Winterprogramm, welches sich das Traditions-Ensemble vornimmt, ist ein Brocken: Kompositionen des grossen argentinischen Tangokomponisten Astor Piazzolla, des Spätromantikers Max Bruch sowie des Klassikers Ludwig van Beethoven (siehe Box).

Das Konzertprogramm

Markus Joho dirigiert folgende Werke im Konzert mit dem Orchesterverein Brugg: Von Astor Piazzolla Milonga en Re, Le Grand Tango mit Hannes Bärtschi (Viola) sowie Chiquilin de Bachin - Balada para un loco gespielt; von Max Bruch die Romanze für Viola und Orchester und von Ludwig van Beethoven die Sinfonie Nr. 2 in D-Dur. Fr, 15. November, Ref. Stadtkirche Brugg, 20 Uhr. (AZ)

«Weil wir kein Profiorchester sind, suchen wir nach Nischen, vielmehr Kompositionen, die nicht alle spielen», sagt Markus Joho; grüsst nach links und rechts – und dann gehts los.

Dieser verflixte Rhythmus

Als Erstes kommt «Le Grand Tango» für Viola und Orchester an die Reihe. «Wenn Sie wüssten, wie verflixt schwer Piazzolla zu spielen ist», hatte Minuten zuvor ein Ensemblemitglied leise geseufzt. «Dieser Rhythmus; den muss ich zu Hause einfach üben, üben, üben.»

Selbst wenn der Solist, Bratschist Hannes Bärtschi, noch nicht dabei ist, hört sich das Ganze richtig gut an. Insbesondere dann, wenn die Streicher am Ende des Stücks gleichsam einen langen Schlenker machen. «Das sind die Töne, an denen wir Spass haben», sagt Markus Joho sichtlich vergnügt.

Wieder und wieder wird dieselbe Stelle geprobt, bis Piazzollas Musik nicht geschönt, sondern, mit Ecken und Kanten, eigenwillig wirkt. «Sehr gut», sagt Joho und lächelt: «Wollen wir Chiquilin de Bachin spielen? Jetzt zeigen wir unserem Gast, was wir können.» Ein Ruck geht durch das Orchester – schon rauschen die ersten dunkel-satten Töne vorbei.

Ballade für einen Verrückten

Die Musiker dürfen schwelgen, schliesslich handelt es sich um eine Balada. Freilich eine mit dem nachdenklich machenden Zusatz «para un loco». «Ballade für einen Verrückten» – was für ein Name!

Die Besucherin hört plötzlich anders zu; sie nimmt den melancholischen Unterton wahr und denkt sich dabei: Wie wird im Anschluss daran Max Bruchs Romanze für Viola wirken? Das ist an diesem Montagabend freilich ebenso wenig ein Thema wie Beethovens Sinfonie Nr. 2, zu der in einer späteren Probenphase noch Bläser stossen werden.

Vorläufig gilt die ganze Konzentration Astor Piazzolla, dessen Tonsprache Markus Joho aus dem Effeff kennt. Das macht sich auch in seinen mündlichen, vom Orchester beifällig aufgenommenen Anmerkungen bemerkbar: «Es darf an dieser Stelle schon ein bisschen ein Gemetzel sein» oder: «Es hat noch etwas wenig Drive, es ist noch zu gemütlich.»