Windisch
Dieser pensionierte Schreinermeister zimmert Betten für Strassenkinder

Schreinermeister Kurt Häfliger wäre eigentlich pensioniert. Doch seine Freude, mit Holz zu arbeiten, lebt der 71-Jährige noch immer aus – unter anderem für ein Strassenkinder-Projekt in Thailand.

Carolin Frei
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Kurt Häfliger in seiner ehemaligen Schreinerei gemeinsam mit Hund «Noldi».

Kurt Häfliger in seiner ehemaligen Schreinerei gemeinsam mit Hund «Noldi».

Sandra Ardizzone

«Eigentlich reise ich überhaupt nicht gerne», sagt der 71-jährige Kurt Häfliger aus Windisch. Doch als er durch Erwin Gröbli von der Stiftung Baan Nok Kamin in Thailand erfuhr, die auf der Suche nach ehrenamtlichen Handwerkern war, sagte er spontan zu. «Ich habe so viel Schönes in meinem Leben erleben dürfen, das möchte ich gerne weitergeben», sagt der bekennende Christ.

Kurt Häfliger bei der Arbeit.
8 Bilder
Das alte Kinderhaus in Thailand sah so aus.
Kurt Häfliger zeigt, wie man schreinert.
Hier ging Kurt Häfliger das benötigte Holz einkaufen.
Die thailändische Regierung wollte, dass das neue Haus gemauert wird. Zur Sicherheit der Kinder.
Das neue Kinderheim wird inspiziert.
300 solche Betten hat Kurt Häfliger geschreinert.
Das alte Kinderheim in Thailand bestand aus Stroh (Dach) und Bambus (Wände).

Kurt Häfliger bei der Arbeit.

Zur Verfügung gestellt

So war es denn für ihn eine Selbstverständlichkeit, im Februar für einen Monat nach Thailand zu reisen, um für das Strassenkinder-Projekt Betten zu zimmern. Auf seine Kosten. Auch die Hölzer, die er in Thailand auf die entsprechenden Masse zuschneiden liess, hat er selber berappt.

Einzig die freie Kost – Reis zum Frühstück, Reis zum Mittag- und Abendessen – nahm er an. «Es gibt noch so viele humanitäre Projekte in Drittweltländern, die gesponsert werden müssten. Die Gelder sollen dorthin fliessen, bevor der Staat und die Geldentwertung uns alles wegnimmt», findet er.

So packte er im Februar die Koffer, mit im Gepäck etwas weniges an Kleinmaschinen. Die restlichen Werkzeuge konnte er vor Ort besorgen. Gearbeitet wurde im Freien. Wenn es mal regnen sollte, konnte eine Plache über den Arbeitsplatz gespannt werden. Nur ab und zu hatte Kurt Häfliger helfende Hände. «Doch dann habe ich bald einmal herausgefunden, welche Jungen, die künftig in diesen Betten schlafen werden, handwerklich geschickt sind.» Die hat er dann in die ersten Schritte des Schreinerhandwerks eingeführt. Sehr zur Freude aller.

Zwei weitere Besuche geplant

Inzwischen sind zwölf Doppelstockbetten fertiggestellt, die für das Knabenhaus bestimmt sind. Die noch fehlenden Betten für das Mädchenhaus wird Kurt Häfliger im Juni produzieren, wenn er wieder in Thailand weilt. Bei seinem dritten Besuch im Oktober werden dann noch weitere Möbel für die Leiterfamilie und Besucher hergestellt. «Im Moment schlafen die Kinder auf dem Fussboden, haben nur eine dünne Matte», sagt der 71-Jährige.

Ihr Daheim ist zurzeit ein Haus, das aus Bambuswänden gezimmert wurde und mit Gras gedeckt ist. Offenbar nicht sicher genug, weshalb der Staat die Stiftung Baan Nok Kamin angewiesen hat, gemauerte Häuser für die Kinder zu bauen. Das eine für die Jungen ist bald fertig, das für die Mädchen sollte im Juni bezugsbereit sein.

In diesem Heim, sowie allen anderen, die zur Stiftung Baan Nok Kamin gehören, wachsen die Kinder in thailändischen, christlich geführten Grossfamilien auf. «Wo sie betreut und gefördert werden, bis sie über einen Abschluss verfügen und ihr Leben selbstständig gestalten können», sagt Häfliger.

Bleibt neben seinem Engagement für das Strassenkinderprojekt noch Zeit für anderes? «Auf jeden Fall», sagt Häfliger. Noch immer erledigt er kleinere Aufträge für seine Stammkundschaft und hilft auch tatkräftig mit, eine Burg im österreichischen Kärnten in Schwung zu halten. Und falls es ihm doch einmal langweilig werden sollte, schnitzt er Figuren oder drechselt Pfeffermühlen und anderes mehr. «Schon als kleiner Knirps, ich konnte kaum richtig sprechen, sagte ich immer, dass ich einmal Schreiner werden möchte.»

Der Schweiz den Rücken gekehrt

Bestimmt prägte ihn das Elternhaus, war doch sein Vater bereits in diesem Metier tätig. Nach der Schreinerlehre kehrte Kurt Häfliger der Schweiz erst einmal den Rücken. Eineinhalb Jahre lebte er in Österreich, war dort in einem Ferienheim als Laufbursche beschäftigt. Nochmals eineinhalb Jahre verbrachte er in Schweden, als Angestellter in einer Möbelfabrik.

Zurück in der Schweiz arbeitete er wieder auf seinem Beruf und machte sich mit 40 Jahren selbstständig. Unter anderem trägt das gesamte Mobiliar im Hotel Terminus in Brugg seine Handschrift. Und für den «Trigon» in Brugg durfte er unter anderem ausgefallene Messingmöbel anfertigen.

Nicht genug, nebst der Ausbildung von Lernenden in seinem Geschäft war er zudem als Werklehrer in Dübendorf tätig. Für seine Schreinerei hat er vor einem Jahr den perfekten Nachfolger gefunden, wie er beteuert. Denn wenn immer Kurt Häfliger mag, darf er in seiner alten Firma den Kopf hereinstrecken und das tun, was er noch immer am liebsten tut, Holz bearbeiten, kreativ sein.