Unterwegs auf der Römerstrasse (2)

Der Bau des römischen Kastells am Rhein pressierte – eine Heilige hinterliess im Ort ihre Spuren

Tenedo, das heutige Bad Zurzach, war mit seiner Wehranlage ein wichtiger Stützpunkt in der Nähe von Vindonissa. Für bleibende Spuren in der Ortschaft am Rhein sorgten nicht nur die Legionäre.

Janine Müller
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Das Verenamünster.
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Eingang zur Krypta.
In der Krypta ist das Grab der Heiligen Verena zu finden.
Alfred Hidber macht Führungen durch den Flecken und ist verantwortlich für das Museum Höfli.
Alfred Hidber zeigt das römische Kapitell, der obere Teil einer Säule.
Weitere Impressionen.
Weitere Impressionen.
Weitere Impressionen.
Das Museum Höfli beherbergt eine römische Abteilung.
Das Museum Höfli beherbergt eine römische Abteilung.
Das Museum Höfli beherbergt eine römische Abteilung.
Das Museum Höfli beherbergt eine römische Abteilung.
Das Museum Höfli beherbergt eine römische Abteilung.
Das Museum Höfli beherbergt eine römische Abteilung.
Das Museum Höfli beherbergt eine römische Abteilung.
Weitere Impressionen.
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Das spätrömische Kastell beim Kirchlibuck wurde rekonstruiert.
Weitere Impressionen.
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Das Verenamünster.

Britta Gut

Schnurgerade führt die Hauptstrasse vom Zurzacherberg in den ehemaligen Marktflecken Zurzach. Kurz vor dem Verenamünster macht sie einen Bogen und führt erst danach wieder die ursprüngliche Linie fort, bis hin zum Ort, wo das frührömische Kastell am Rhein stand.

Der gerade Streckenverlauf ist auf die Römerstrasse zurückzuführen, die von Vindonissa (Windisch) nach Tenedo (Bad Zurzach) führte. Mit Beginn der römischen Besatzung wurde Tenedo zu einem wichtigen Stützpunkt nahe dem Legionslager Vindonissa.

Start der Wanderung ist in Windisch.
10 Bilder
Das Wasserschloss in der Nähe von Brugg.
Blick auf die Aare und Stilli.
Transportanlage für Material aus dem Steinbruch mitten im Wald bei Würenlingen.
Wegweiser der Römerstrasse in Würenlingen beim Aarepark.
Sonnenblumenfeld in Würenlingen.
Kapelle in Würenlingen.
Eingangs Tegerfelden.
Blick auf Tegerfelden.
Schluss der ersten Etappe ist in Bad Zurzach.

Start der Wanderung ist in Windisch.

Janine Müller

Im Jahr 1975 wurde das ganze Verenamünster in Bad Zurzach ausgegraben. Zum Vorschein gekommen ist ein Stück der Römerstrasse. Heisst: Die Kirche wurde auf der ursprünglichen römischen Verkehrsverbindung gebaut. «Man hatte das geahnt», sagt Alfred Hidber, 77, der damals die Grabungen miterlebt hat. So könne man sich die Kurve der Hauptstrasse erklären.

Hidber bietet seit vielen Jahren Fleckenführungen an und ist auch für das Museum Höfli zuständig. Ursprünglich lernte er Bauzeichner, später entdeckte er seine Leidenschaft für Archäologie und landete bei der ETH beim Institut für Denkmalpflege.

In der Krypta des Verenamünsters ist das Grab der Heiligen Verena untergebracht. Dieses machte Zurzach in der Vergangenheit – nach Einsiedeln – zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte der Schweiz.

«Die Heilige Verena war eine der beliebtesten Frauen», sagt Hidber. Frauen und Männer seien an ihr Grab gepilgert und baten um einen Ehepartner, selbst Herzöge aus Deutschland besuchten das Grab, um für männlichen Nachwuchs zu beten.

Der grösste Teil des Kastells ist rekonstruiert

Ein weiteres Zeugnis der Römer findet sich gleich neben dem Verenamünster. Ein Kapitell, also der obere Teil einer Säule, ist da zu besichtigen. Allerdings: Verwendet wurde das Kapitell nie. «Offenbar ist das Schiff, auf dem sich dieses Kapitell befand, beim Zusammenfluss der Aare und des Rheins bei Koblenz gekentert», erklärt Hidber.

Gemäss Aufzeichnungen weiss man heute, dass die Menschen um das Jahr 1000 herum wussten, dass sich im Fluss grosse Steine befinden. Weil der Vorgängerbau des Verenamünsters zusammenfiel, musste eine neue Kirche gebaut werden. Dafür holten die Menschen die erwähnten Steine aus dem Wasser.

Während vom frührömischen Kastell, das um die 500 Legionäre beherbergte, nichts mehr übrig ist, stehen die Grundmauern der Wehranlage des spätrömischen Kastells noch. «Der Bau hatte pressiert», sagt Alfred Hidber. «Darum holte man grosse Steine aus der Umgebung, zum Beispiel Steine von Türschwellen.» Wie lange der Bau dauerte, ist unbekannt, klar ist aber, dass er in mehreren Etappen erfolgte.

Die Kastelle auf dem Kirchli- und Schlösslibuck wurden in der späten Römerzeit zum Doppelkastell mit einer Mauerverbindung umgewandelt, wie es im Führer zur Römerstrasse heisst. Der grösste Teil des Kastells, der heute noch sichtbar ist, wurde rekonstruiert. Lediglich die unterste Mauerschicht stammt aus der römischen Zeit. Nach dem Abzug der Römer im 5. Jahrhundert benutzte die Zurzacher Bevölkerung die Steine für den Bau ihrer Häuser.

Erholen in der Therme wie die Römer

Die erste Wanderetappe auf der Römerstrasse führte mich nach meiner Übernachtung im Römerlager von Windisch (Vindonissa) via Brugg, Stilli, Würenlingen und Tegerfelden nach Bad Zurzach (Tenedo). Weil die ursprüngliche Römerstrasse heute von der Hauptstrasse überdeckt ist, nahm ich mir die Freiheit und wich teilweise auf Nebenstrassen und Flurwege aus. Landschaftlich sehenswert war unterwegs vor allem die Hochebene zwischen Würenlingen und Tegerfelden, wo ich etliche Raubvögel beobachten konnte. In Bad Zurzach liess ich es mir selbstverständlich nicht nehmen, mich – ganz in römischer Manier – in der Therme zu erholen und meine Muskeln zu lockern. Nebst dem Besichtigen des Kastells lohnt sich auch ein Besuch im Museum Höfli an der Hauptstrasse 37, das jeweils von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet ist. Daneben lockt die Region mit verschiedenen Wandermöglichkeiten und dem Papa-Moll-Land. (jam)