Corona
Wer nicht selbst zum Test fahren kann, hat’s nicht leicht: «Wir transportieren nur gesunde Personen»

Drei Fahrdienste in der Region Brugg nehmen Stellung, ob sie potenziell Infizierte mitnehmen würden. Sie sagen auch, mit welchen Zusatzkosten die Betroffenen rechnen müssen.

Maja Reznicek
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Die Ehrenamtlichen des Schweizerischen Roten Kreuz Kanton Aargau bringen Patienten zu medizinischen Terminen. (Symbolbild)

Die Ehrenamtlichen des Schweizerischen Roten Kreuz Kanton Aargau bringen Patienten zu medizinischen Terminen. (Symbolbild)

Bild: Roland Blattner
(21. April 2020)

Mittlerweile wissen wir es alle: Wer Symptome einer Corona-Infektion zeigt oder mit einer angesteckten Person Kontakt hatte, muss sich laut Bundesamt für Gesundheit möglichst schnell testen lassen. Bis dahin heisst es, zu Hause zu bleiben und niemanden zu treffen. Wenn aber öffentliche Verkehrsmittel nicht empfohlen sind und man selbst nicht fahren kann – wie gelangt man dann zum Coronatest?

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) Kanton Aargau empfiehlt, auf Familienmitglieder auszuweichen oder den Arzt bzw. Spital für Lösungen anzufragen. Der SRK-Fahrdienst transportiert selbst keine Personen zur Teststelle. Sprecherin Sonja Geissmann sagt:

«Wir arbeiten mit Freiwilligen. So wie wir die Fahrgäste schützen, ist es unsere Pflicht, gleichermassen die Freiwilligen zu schützen, die mehrheitlich über 65 Jahre alt sind.»

Da die Fahrer zudem meist mit mehreren vulnerablen Gästen am gleichen Tag unterwegs seien, wäre es unverantwortlich, Corona-Patienten zu transportieren.

Eine Fahrt zum Covid-Test kann nicht ausgeschlossen werden

Anfragen für eine solche Fahrt bekäme das SRK Kanton Aargau sowieso sehr selten: höchstens ein- bis zweimal pro Woche. «Das ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die Tests inzwischen doch an vielen Orten durchgeführt werden können, wo die Distanz gering ist sowie auf die Rücksichtnahme der Fahrgäste gegenüber anderen Gästen», sagt Geissmann. Komplett ausschliessen könne man es nicht, dass trotzdem ein Transport zu einem Covid-Test stattfinde.

«Man muss gegenüber dem SRK Kanton Aargau nicht erwähnen, warum man den Arzt besucht. Hier stützen wir uns auf die Solidarität der Fahrgäste», sagt Geissmann. Bis anhin habe man dank eines konsequenten Schutzkonzepts eine Ansteckung im Rahmen der ehrenamtlichen Tätigkeit für das SRK Kanton Aargau vermeiden können.

Rollstuhlfahrdienst verlangt eine Mehraufwandspauschale von 50 Franken

In einer ähnlichen Situation befindet sich der Rollstuhlfahrdienst Region Brugg. Gemäss Präsident Marcel Hartmeier transportiert der Verein nur in Ausnahmefällen und nur nach sorgfältiger Auswahl des Fahrers Personen zum Coronatest. Hartmeier sagt:

«Die meisten unserer Fahrer sind im Risikoalter und wir können und wollen auch keine Risiken für unsere Kunden im Rollstuhl eingehen.»

Etliche Fahrgäste seien Hochrisikopatienten, hätten ein stark reduziertes Immunsystem, seien beispielsweise Dialysepatienten. Bisher gab es beim Rollstuhlfahrdienst Region Brugg noch keine Anfrage für einen Transport zum Coronatest. «Generell werden unsere Kunden darauf aufmerksam gemacht, dass wir nur gesunde Personen transportieren», sagt der Vereinspräsident.

Marcel Hartmeier ist Präsident des Vereins Rollstuhlfahrdienst Region Brugg. Im März 2015 fanden die Fahrten noch ohne Maske statt.

Marcel Hartmeier ist Präsident des Vereins Rollstuhlfahrdienst Region Brugg. Im März 2015 fanden die Fahrten noch ohne Maske statt.

Bild: Janine Müller
(24. März 2015)

Abweisen würde man die Leute nicht, aber den Auftrag gesondert behandeln und einen Fahrer unter 65 Jahren einsetzen. Dieser müsste sich anschliessend selbst auch testen lassen. Weiter würden FFP2-Masken genutzt und der Kunde hätte eine Mehraufwandspauschale von 50 Franken für zusätzliche Reinigungsarbeiten zu bezahlen.

Neun von zehn Taxifahrern lehnten einen Transport ab

Auch das klassische Taxi ist bei einer potenziellen Corona-Infektion kein Verkehrsmittel «auf sicher». Wie ein SRF-Bericht vom 5. Januar 2021 zeigt, unterstehen Taxifahrer zwar einer Beförderungspflicht. Jedoch können sie einen Transport auch ablehnen, wenn ihnen dieser nicht zumutbar erscheint. So weigerten sich gemäss SRF zu Beginn der Pandemie neun von zehn Fahrern der Firma Taxi 444 eine Person mit Symptomen zu befördern. Ergänzend heisst es im Beitrag:

«Unterdessen weiss man, dass das Risiko, sich im Auto anzustecken, mit den entsprechenden Schutzmassnahmen klein ist.»

Ob das in Brugg ebenfalls so ist, gilt es selbst herauszufinden. Auf die Anfrage der AZ wollte der Geschäftsleiter der Brugger Taxi AG, Philipp Allmen, keine Auskunft geben. Zu umstritten sei das Thema in der Öffentlichkeit.

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