Brugg
Bosnischer Blues bis zur Trance – für Schweizer und Südosteuropäer

Im Dampfschiff in Brugg hat die Balkan-Band Mostar Sevdah Reunion das Publikum gepackt. Die Instrumentalisten spielten sich in Trance, versanken in einem elektrisierenden Klangraum. Und mit ihnen die Zuhörer.

Matthias Steimer
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Mostar Sevdah Reunion feiern weltweit Erfolge.

Mostar Sevdah Reunion feiern weltweit Erfolge.

Matthias Steimer

Ein Mann im Publikum macht den Anfang: Er steht auf, beginnt zu tanzen. Ein anderer singt laut mit. Die Entfesselung wirkt ansteckend. Eine Frau, welche die Band gerade mit dem Handy filmt, kann sich nicht mehr auf dem Stuhl halten: «Wuuu!», entfährt es ihr, gleichsam als Startschuss zu ihrem unbändigen Tanz.

Ja, sie reissen mit, Mostar Sevdah Reunion. Drei Gitarren, ein Bass, eine Geige, Klavier und Drums sowie bis vier Stimmen – mit diesem Material arrangiert die Band Jahrhunderte alte Musik neu. «Wir mischen die traditionelle Musik mit anderen Stilen, ohne das Ursprüngliche aus den Augen zu verlieren», erklärt der Gitarrist und Sänger Miso Petrovic.

Auf geistiger Reise

Ursprünglich sind osmanische Lieder, welche vor 400 Jahren den Weg in den Balkan fanden. Die dortige Adaption nennt sich Sevdalinke, was als bosnischer Blues verstanden wird. Ähnlich dem Minnesang dreht sich inhaltlich alles um unerfüllte Liebe und Träume. Diese traditionelle Musik des Balkans reichert die Band massiv an. Man hört amerikanischen Blues, Funk, Indie.

Ein Stück zeigt die Synthese von Alt und Neu bestens: Der Frontmann singt von Jusuf, einem betagten Mann, der sein Leben reflektiert – eine zunächst sehr melancholische Angelegenheit. Nach und nach treten die Instrumente in den Vordergrund, bis sich das Ensemble schliesslich vom Gesang löst. Die Instrumentalisten spielen sich in absolute Trance, sie versinken in einem elektrisierenden Rhythmus, in einem elektrisierenden Klangraum. Und mit ihnen das Publikum.

Ein Zuhörer hat die Augen geschlossen, den Mund weit offen und wankt mit dem Kopf; die Musik muss ihn auf eine geistige Reise mitgenommen haben. Spätestens da versteht man, was Miso Petrovic vor dem Konzert über die Band sagte: «Die Musik ist auf subtile Weise sehr emotional.» Die Band will keine Effekte erhaschen, sondern eine Stimmung aufbauen, von Grund auf bis zum Höhepunkt.

Musik verbindet

Der Sonntagabend im Dampfschiff war ein einziger Höhepunkt. Schweizer sowie Südosteuropäer erfreuten sich gleichermassen an der meisterhaften Darbietung einer Band, die weltweit Erfolge feiert.

Gegründet wurde Mostar Sevdah Reunion 1999 im kriegsgeschundenen Balkan von Musikern verschiedener Ethnien, von Kroaten, Serben und Bosniern. Die Musik hat sie verbunden.