Bözberg
«Durch das Arrangieren der einzelnen Objekte entsteht ein ganz neues Werk» – in Linn ist Kunst von Susi Kramer und Ruth Burri ausgestellt

Martha und Franz-Friedrich Fischer zeigen an den Wochenenden vom 21. August bis zum 5. September Werke der beiden Künstlerinnen. Im renovierten Bauernhaus «Begegnung Linn 24» treffen Kreationen aufeinander, die sich zwar kontrastieren, deren Erschafferinnen aber nicht unähnlich sind.

Carla Honold
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Das Ehepaar Fischer, hier mit Ruth Burris Figur Anna abgebildet, zeigen die Werke in ihrem renovierten Bauernhaus.

Das Ehepaar Fischer, hier mit Ruth Burris Figur Anna abgebildet, zeigen die Werke in ihrem renovierten Bauernhaus.

Carla Honold / Aargauer Zeitung

«Nach der letzten Ausstellung brauchten wir Luft», erklärt Martha Fischer. Sie betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Franz-Friedrich Fischer die Begegnung Linn 24 in Bözberg. Vor rund einem Jahr stellte Kurt Hediger im renovierten Bauernhaus aus. «Bald ist uns klar geworden, dass eine andere Kunstrichtung ins Haus muss», so Fischer. In den Werken von Ruth Burri und Susi Kramer wurde das Ehepaar Fischer fündig.

Auf Burri gestossen ist Martha Fischer, als sie Kramer noch gar nicht kannte. Während einer Gruppenausstellung in Muri-Gümligen sah Fischer die Werke der mittlerweile verstorbenen Bernerin zum ersten Mal. Als sie dann in Burris Atelier stand, habe ihr die unvermittelte Intimität die Sprache verschlagen. Auch Franz-Friedrich Fischer zeigt sich begeistert: «Ihre Kunst bewegt sich jenseits etablierter Formen und besticht mit ihrem ursprünglichen und natürlichen Charakter.»

Buchsbüsche im Garten und im Acrylglas

Aufmerksam auf Susi Kramer wurde das Paar in Bad Ragaz. Der bunte Kubus, den die Aargauerin an der grössten Freiluft-Skulpturen-Ausstellung Europas «Bad RagARTz» zeigte, habe sie beeindruckt. «Die Licht- und Farbkraft der Künstlerin hat eine ähnliche Wucht wie Burris Kunst», beschreibt Martha Fischer Kramers Werke.

Die Freude über ihre Zusage sei riesig gewesen. Kramer sei an zahlreichen Ausstellungen tätig. Psychologe Franz-Friedrich Fischer betont:

«Ihr Mann Hans ist immer dabei und unterstützt sie.»

Kramer betreibt ihr eigenes Atelier in Oberhof. Im dazugehörigen Garten wachsen laut Martha Fischer rund eintausend Buchsbüsche. «Sie sieht die Büsche als ihre Wächter», erklärt die Pädagogin. In ihren gegossenen Acrylglas-Objekten sind oftmals Teile der Pflanzen integriert. Insbesondere dort sei die Präzision der Künstlerin unglaublich akribisch genau, so Fischer weiter.

Susi Kramers Acrylglas-Kreationen werfen in der Ausstellung ihre Schatten.

Susi Kramers Acrylglas-Kreationen werfen in der Ausstellung ihre Schatten.

Carla Honold / Aargauer Zeitung

Verschieben, bis es passt

Schon im Juni durften Fischers die Bilder, Figuren und Comics von Ruth Burri abholen. «Wir haben beinahe das ganze Atelier ausgeräumt.» Martha Fischer erzählt von der Auswahl der Exponate in Seftigen. Dort betreibt Resli Burri das Atelier seiner Mutter weiter. Der zeitliche Vorlauf zur Ausstellung sei wertvoll gewesen, so Fischer. «Die Werke konnten erst einmal ankommen und sich in den Räumen einleben.»

Die Exponate von Ruth Burri säumen den Gang des renovierten Bauernhauses.

Die Exponate von Ruth Burri säumen den Gang des renovierten Bauernhauses.

Carla Honold / Aargauer Zeitung

«Wenn wir die Werke auswählen, haben wir die Räumlichkeiten unseres Bauernhauses immer im Hinterkopf», erklärt Franz-Friedrich Fischer. Martha Fischer erzählt von der Arbeit:

«Durch das Arrangieren der einzelnen Objekte entsteht ein ganz neues Werk.»

Nach dem Bohren und Nägeleinschlagen hätten sie die Bilder und die anderen Ausstellungsobjekte immer wieder verschoben, bis sie die passende Zusammenstellung erreichten. Beim Besuch der Ausstellung sei auch Susi Kramer von den Räumlichkeiten und dem Arrangement begeistert gewesen.

Die Nähe zur Kunst ersetzt das Honorar

Martha Fischer sieht den Lohn ihrer Bemühungen im nahen Umgang mit der Kunst und den Kunstschaffenden. «Die Künstler kennen zu lernen und ihr Intimstes zu sehen, ist für mich die Entschädigung.» Auch ihr Mann Franz-Friedrich schätzt die Begegnungen, die im und um das Haus stattfinden:

«Am Abend nach den Gesprächen fühle ich mich jeweils vollkommen satt.»

Den grossen Stellenwert der zwischenmenschlichen Aspekte reflektiert sich auch im Namen der «Begegnung Linn 24».

Doch nicht so unterschiedlich

Unsicher war sich Martha Fischer zu Beginn des Projekts, wie die beiden Werksammlungen zueinander stehen würden. Trotz der zahlreichen Unterschiede der Künstlerinnen und ihrer Werke hat Fischer auch Gemeinsamkeiten entdeckt: «Burri und Kramer lassen ihre Kunstwerke für sich sprechen, sie sind intuitiv in ihrem Schaffen und geben ihren Motiven Struktur.»

In Ruth Burris Werken finden Besucherinnen und Besucher Materialien wie Türstopper und Glühbirnen.

In Ruth Burris Werken finden Besucherinnen und Besucher Materialien wie Türstopper und Glühbirnen.

Carla Honold / Aargauer Zeitung

Auch biografische Parallelen weiss sie zu ziehen: «Die beiden Frauen sind jung gereist und haben auf der ganzen Welt die Rolle der Frau als Anhang ihres Mannes erlebt.» Diese Umstände verarbeiten sie laut Fischer in ihrer Kunst.

An den Wochenenden vom 21. August bis zum 5. September können Interessierte die Ausstellung in Linn Bözberg besuchen. Jeweils von 10.30 bis 17 Uhr öffnet das Ehepaar Fischer die Türen des renovierten Bauernhauses. Am Samstag, 21. August, sind die Ausstellungsräume ab 14 Uhr zugänglich. Im Rahmen der Veranstaltung «Offener Garten» am 28. und 29. August können in Linn bezeichnete private Gärten begangen werden. Auch Fischers öffnen ihren Garten an diesen Tagen dem Publikum.

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