Bezirksgericht Brugg
Für den Kollegen auf dem Rücksitz endete die Autofahrt mit dem Tod

Wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung der Verkehrsregeln stand ein 20-Jähriger vor dem Bezirksgericht in Brugg. Er hatte im August des vergangenen Jahres einen Autounfall in Villigen verursacht.

Michael Hunziker
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Das Auto kollidierte mit zwei Bäumen und kam auf der Seite liegend zum Stillstand.

Das Auto kollidierte mit zwei Bäumen und kam auf der Seite liegend zum Stillstand.

zvg / Kapo AG

Es tue ihm unglaublich leid, dass sein Kollege diese Welt habe verlassen müssen. Er werde sich den Vorfall nie verzeihen können, sagte Daniel (Name geändert) vor dem Bezirksgericht in Brugg.

An einem Dienstagabend Anfang August des vergangenen Jahres fuhr Daniel mit einem VW Golf auf der Mandacherstrasse Richtung Dorfzentrum Villigen. Neben ihm im Auto sass ein Kollege auf dem Beifahrersitz, ein weiterer auf den Rücksitz. Letztere war zu Besuch aus dem Ausland. Bergabwärts in einem Waldstück im Ausserortsbereich ereignete sich der Unfall.

In der Linkskurve kam ihm ein Auto entgegen

Gemäss Anklageschrift geriet der beschuldigte Fahrzeuglenker in einer unübersichtlichen Linkskurve teilweise auf die Gegenspur. Weil ihm zu diesem Zeitpunkt aber ein Auto entgegenkam, steuerte er nach rechts, kam auf der rechten Seite von der Strasse ab. Sein Wagen kollidierte mit zwei Bäumen, wurde abgedreht und blieb schliesslich auf der linken Fahrzeugseite liegen. Der Beifahrer wurde verletzt, der Insasse auf dem Rücksitz erlitt durch die Kollision so schwere Verletzungen, dass er noch auf der Unfallstelle starb. In der Anklageschrift ist die Rede von pflichtwidriger Unvorsichtigkeit und nicht angepasster Geschwindigkeit des Lenkers.

An besagtem Abend hätten sie ihrem Kollegen die Gegend zeigen wollen und seien mit dem Auto Richtung Rotberg gefahren, hielt Daniel fest. Zum Unfallhergang konnte er keine genauen Angaben machen auf Nachfrage von Gerichtspräsident Sandro Rossi. Erinnern könne er sich an den Moment, als er im Auto zu sich gekommen sei. Da sei die Feuerwehr schon vor Ort gewesen. Danach habe er Lücken, sei später bewusstlos geworden und im Krankenwagen wieder aufgewacht.

Der mittlerweile 20-jährige Schweizer aus der Region – T-Shirt, Jeans, Turnschuhe – sass aufrecht auf seinem Stuhl, folgte der Gerichtsverhandlung aufmerksam, gab klare, deutliche Antworten. Er anerkenne, hielt er fest, dass er den Unfall verursacht habe, und trage «ganz klar» die Verantwortung. Ob er mit dem Auto über die Mittellinie geraten sei, könne er nicht mehr genau sagen. Warum er bei der Fahrt den Sicherheitsgurt nicht getragen habe, fragte Einzelrichter Rossi weiter. Er wisse nicht, was ihn da geritten habe, antwortete Daniel, das sei sehr dumm gewesen. Den Führerausweis, den er abgeben musste, habe er inzwischen auf Vorbehalt wieder erhalten.

Der Beitrag von Tele M1 zum Prozess.

Tele M1

Junges Leben ist belastet mit verschiedenen Hypotheken

Im abgekürzten Verfahren verurteilte das Bezirksgericht den Beschuldigten am Freitag wegen fahrlässiger Tötung, grober Verletzung der Verkehrsregeln, mehrfacher einfacher Verletzung der Verkehrsregeln sowie Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Der Beschuldigte gab zu, in der Vergangenheit etwa einmal monatlich Cannabis geraucht zu haben, unter anderem drei Tage vor dem Unfall.

Verurteilt wurde der Beschuldigte zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten und einer Busse von 2000 Franken. Mit allen Verfahrenskosten werden zudem weitere rund 11'500 Franken auf ihn zukommen. Die Probezeit legte das Gericht auf fünf Jahre fest. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre beantragt.

Die Prognosen seien nicht ganz so positiv, begründete der Gerichtspräsident und verwies auf einen früheren Unfall mit einem Töff, in den der Beschuldigte verwickelt war, sowie auf seinerzeitige Zwischenfälle mit dem Töffli. Über die «Sinnlosigkeit und Tragik» des Unfalls in Villigen mochte Rossi nicht viele Worte verlieren. Das junge Leben des Verurteilten sei nun mit verschiedenen Hypotheken belastet.

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