Brugg

«Beobachter» kritisiert Referendumskomitee «Tempo 30 vors Volk!» wegen irreführendem Hinweis

Er nimmt Stellung zu einem Tempo-30-Artikel, dessen Titel beim Unterschriftensammeln als Werbung eingesetzt wird.

Claudia Meier
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Wird in den Quartieren der Stadt Brugg Tempo 30 eingeführt, so kommen die Fussgängerstreifen rund ums Eisi weg.

Wird in den Quartieren der Stadt Brugg Tempo 30 eingeführt, so kommen die Fussgängerstreifen rund ums Eisi weg.

Janine Müller

Mit 25:18 Stimmen hat der Brugger Einwohnerrat am 7. September einen Kredit von 272 000 Franken genehmigt für die Umsetzung von Tempo 30 auf den Gemeindestrassen. Das passt vor allem FDP-Einwohnerrat Peter Haudenschild nicht.

Er engagiert sich mittlerweile als Co-Präsident des Referendumskomitees «Tempo 30 vors Volk!» und wird nicht müde, auf Facebook sowie in einem Interview im «General-Anzeiger» auf einen Online-Artikel vom August 2000 der Zeitschrift Beobachter hinzuweisen mit dem Titel «Tempo 30: Lebensgefahr für Kinder». Auf Facebook schreibt Peter Haudenschild dazu: «Das sagt alles» und «Es wird gefährlicher!».

18 Jahre alter Online-Artikel

Der wiederholte Hinweis auf diesen 18 Jahre alten Online-Artikel hat nun «Beobachter»-Chefredaktor Andres Büchi veranlasst, den Brugger Medien eine Stellungnahme zu schicken. «Im erwähnten Artikel wurde die Tatsache thematisiert, dass in kinderfreundlichen Tempo-30-Zonen Zebrastreifen abgebaut wurden», so Büchi.

Eltern und Fussgängerlobby kritisierten den Abbau der Fussgängerstreifen und argumentierten, dadurch würde die Gefahr für Kinder und Fussgänger unnötig erhöht. Der Chefredaktor betont, dass der «Beobachter» in diesem Artikel konkret einen Vertreter der Organisation Fussverkehr wie folgt zitierte: «Zebrastreifen dürfen erst dann entfernt werden, wenn Tempo 30 auch eingehalten wird.»

Eine aus dem Zusammenhang gerissene Aussage

Büchi stört sich daran, dass in der Werbung für die Unterschriftensammlung zum Brugger Referendum jedoch einzig der Titel des «Beobachter»-Artikels zitiert wird «Tempo 30: Lebensgefahr für Kinder» – ohne Lead und ohne Inhaltsangabe. Durch diese aus dem Zusammenhang gerissene Aussage entsteht laut dem Chefredaktor der Eindruck, der «Beobachter» erachte Tempo 30 als lebensgefährlich. «Dieser Eindruck ist falsch», hält Büchi fest.

Die alleinige Erwähnung der Überschrift des Artikels sei klar irreführend. Der «Beobachter» habe sich in der Vergangenheit im Gegenteil immer wieder für Tempobegrenzungsmassnahmen in Wohnquartieren eingesetzt. Und der «Beobachter» kann diese Position auch begründen: Tempo 30 verkürzt den Bremsweg deutlich und reduziert die Lärmfolgen des motorisierten Verkehrs erheblich.

Ob und wie weit es auch sinnvoll ist, in Tempo-30-Zonen auf Zebrastreifen zu verzichten, kann aber nur eine genaue Abklärung der jeweils geltenden örtlichen Situation ergeben.