Veltheim
Am traditionellen Pfalz-Märt fanden 870 ehemalige Schüler wieder zusammen

Der 15. Pfalz-Märt war ebenso ein Erfolg wie das rekordverdächtige Klassentreffen mit 870 ehemaligen Schülern der Schule Veltheim. Dieses wurde im Rahmen der 750-Jahrfeier organisiert. Mit dem Pfalz-Märt hat die Mosti-Saison begonnen.

Irene Hung-König (Text und Fotos)
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Pfalzmärt Öpfelchüechli des Vereins Mosti sind heiss begehrt
15 Bilder
Pfalzmört Darfs ein Stück Rüeblikuchen sein
Pfalzmärt Die Männer interessieren sich für Glaskeramik
Pfalzmärt Die Kinder streicheln Ferkel und Kälbchen im Heu
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Pfalz-Märt in Veltheim
Klassentreffen Veltheim Die nach eigenen Aussagen schlimme Klasse, die anfangs der 70er-Jahre hier zur Schule ging
Gemütliches Flanieren und Schauen am Pfalzmärt
Die Teller werde mit Hilfe des Förderbands gefüllt
Dichtes Gedränge herrschte am Pfalzmärt
Das Klassentreffen zum Cousinentreffen umfunktioniert Ihre Väter gingen hier zur Schule
Beim Mittagessen im Festzelt klappt die Choreographie des Servicepersonals bestens

Pfalzmärt Öpfelchüechli des Vereins Mosti sind heiss begehrt

Irene Hung-König

Die Wiese südlich der Schulanlage ist kurz vor zwölf Uhr mittags vollgeparkt. Auf dem Schulhof umarmen sich ehemalige Veltheimer Schülerinnen und Schüler, es wird getratscht und gelacht, fast jeder knipst Fotos. Mehr als 870 ehemalige Schüler aller Jahrgänge, die in Veltheim zur Schule gingen, sind an dieses riesige Klassentreffen im Rahmen der 750-Jahrfeier gereist. Auf Ballonen sind die jeweiligen Jahrgänge aufgeschrieben, damit jeder weiss, wo er hingehört. «Wir waren eine schlimme Klasse», sagen zwei Frauen lachend, die Anfang der 70er-Jahre hier zur Schule gingen. Die Männer stimmen mit ein. «Du hast doch damals ‹Deep purple› aufs Schulmobiliar geschrieben», sagt einer. Der Angesprochene nickt: «Ja, deshalb mussten wir während der ganzen Schulzeit an alten Schreibtischen arbeiten. Als das neue Schulhaus fertig war, mussten wir als Strafe die alten Möbel ins neue Schulhaus tragen.»

Am Klassentreffen sind nicht nur ehemalige Schüler, sondern auch Cousinen auszumachen. «Wir haben uns selber eingeladen», sagt eine Nachfahrin der Familie Amsler. «Unsere Väter, die acht Söhne des Friedrich Amsler, gingen hier zur Schule. Da dachten wir, das wäre ein toller Anlass für unser erstes Cousinentreffen.» Die sieben Cousinen, vollzählig wären sie neunzehn, aus Bad Zurzach, Zürich, Bremgarten, Waltenschwil, Aarburg und Cham geniessen den Apéro, ehe es ins Festzelt zum Zmittag und danach an den Pfalz-Märt geht.

Im Festzelt essen die Ehemaligen Selleriesalat und Pilzterrine, Schweinsgeschnetzeltes mit Kartoffelstock und Gebrannte Crème. Der Lärmpegel ist hoch, man hat sich viel zu erzählen. Die Jahrgänge 1922 bis 1938 sitzen an einem Tisch. Walter Weber ging in den 30er-Jahren hier zur Schule. «Wir haben schon damals den Lehrer in den Senkel gestellt» – ihm also gezeigt, wo es langgehe. «Einmal hätten wir verhauen werden sollen, doch wir rannten davon», erzählt Walter Weber.

Kinder liegen neben Ferkeln

Zwei Gehminuten von der Schulanlage entfernt, beginnt der Pfalz-Märt. An einigen Stellen gibts kaum ein Durchkommen. Die Pfalz-Märt-Besucher bestaunen Kunsthandwerk und geniessen heimische Hochstammprodukte wie Säfte und Eistee oder degustieren Wein. Schmuckkreationen, Baby-Bekleidung und Wintermützen für die kalten Tage sind ebenso zu haben, wie Holzspielsachen, Bienenhonig oder Wurstwaren. Überall, wo das Handwerk live gezeigt wird, bleiben die Menschen stehen: Etwa dort, wo der Hutmacher Strohhüte flicht oder die Schmiede Nägel für Schuhe übers Feuer halten und dann zurechthämmern.

Der Pfalz-Märt des Vereins Mosti Veltheim ist jeweils Startschuss zur Most-Saison im Schenkenbergertal. Die Menschen geniessen die Sonne, sitzen an Tischen und verpflegen sich mit Käse-Schnitte, Kürbissuppe und Öpfelchüechli zum Dessert. Kinder legen sich zu Ferkel und Kalb ins Heu und reiten auf Ponys – auch das ist Pfalz-Märt.

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