Brugg

150 Jahre Kinderheim: Der Mut der Gründerin beeindruckt noch heute

Das Kinderheim Brugg wird 150 Jahre alt und gibt Festschrift für breite Leserschaft heraus.

Michael Hunziker
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Alltag in den 1930er-Jahren: Hulda Ruef, Schwester E. Wickli und Schwester Lina Kunz mit den Patienten.

Alltag in den 1930er-Jahren: Hulda Ruef, Schwester E. Wickli und Schwester Lina Kunz mit den Patienten.

zvg / Kinderheim Brugg

Weitsicht und Wandlungsfähigkeit prägen die Geschichte des Kinderheims Brugg. Zu Beginn, im ursprünglichen Kinderspital, wurden Mädchen und Buben aus armen Familien betreut. Heute sind es gegen 100 Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters, zum Teil mit kognitiven Beeinträchtigungen, zum Teil aus schwierigen häuslichen Verhältnissen. Die Institution mit aktuell über 120 Angestellten ist kontinuierlich gewachsen.

Zum 150-Jahr-Jubiläum erscheint eine Festschrift – ein stolzes, sorgfältig gestaltetes, 160 Seiten starkes Werk mit zahlreichen Fotos aus alten und neuen Zeiten. Zu Wort kommen frühere und aktuelle Bewohner und Mitarbeiter sowie Vertreter aus Bildungswesen und Politik. Es wird einerseits in Erinnerungen geschwelgt, aber andererseits auch auf die Entwicklung eingegangen. «Es war uns ein Bedürfnis, nicht nur die Geschichte aufzuzeigen, sondern ebenfalls den Platz des Kinderheims in der heutigen Zeit und Gesellschaft zu veranschaulichen», sagt Hildegard Stierli, Bereichsleiterin Administration und mitverantwortlich für die Publikation.

Ausgewählt worden sind Themen aus pädagogischen, medizinischen, juristischen, historischen, finanziellen oder politischen Bereichen. «Die Beiträge von Kindern und Angestellten sollen einer breiten Leserschaft einen Einblick ins Kinderheim gewähren.» Denn angesprochen werden sollen nicht nur Fachleute, ergänzt Hildegard Stierli. Sie freut sich, «ein vielfältiges, abwechslungsreiches und informatives Werk präsentieren zu können».

Praktisch alle sagten sofort zu

Die Vorbereitungen nahmen rund anderthalb Jahre in Anspruch. Ende Oktober 2014 fragte das Kinderheim gut 50 Personen an, ob sie bereit wären, einen Beitrag zu einem bestimmten Thema zu schreiben. «Sehr gefreut hat uns, dass praktisch alle sofort zugesagt haben», fügt Hildegard Stierli an. Mit professioneller Beratung und Begleitung habe das Buchproprojekt schliesslich gemäss Zeitplan abgeschlossen werden können.

«Wir haben alte Jahresberichte und Stiftungsratsprotokolle studiert», führt sie weiter aus. «Vor allem der Mut und die Entschlossenheit der Gründerin haben uns sehr beeindruckt.» Rosa Urech-Vögtlin, verwitwete Rahn, sei unkonventionelle Wege gegangen. «In einer Zeit, als das Wort Frauenstimmrecht gar noch nicht existierte, hat sie sich als verwitwete Frau mit all ihren Mitteln selbstbewusst und uneigennützig für das Wohl der armen und kranken Kinder eingesetzt.» Diese Kraft und dieses Engagement seien auch heute noch Antrieb und Verpflichtung, betont Hildegard Stierli.

Mehr als ein Grund zum Feiern

«Hinter jedem Wohn- und Schulplatz stehen Kinder und Jugendliche mit ihrer persönlichen Geschichte», fährt die Bereichsleiterin Administration fort. «Es sind Kinder und Jugendliche unserer heutigen Gesellschaft, die auf besondere Art und Weise Förderung und Schulung benötigen und diese im Kinderheim Brugg in Anspruch nehmen.» Kurz: «Das ehemalige Kinderspitäli hat sich im Laufe der Jahre zu einer Institution mit sozialem Auftrag entwickelt», fasst Hildegard Stierli zusammen. «Die starke Verankerung in der Region ist sowohl für die Institution wie auch für die Entwicklung der zu Betreuenden ein wichtiger Erfolgsfaktor.»

In seinem Vorwort in der Festschrift zum 150-Jahr-Jubiläum hält der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler denn auch fest: «Mit seiner äusserst wertvollen Arbeit bietet jedes einzelne Jahr des Bestehens des Kinderheims Brugg einen eigenen Anlass zum Feiern.» Eines habe sich seit den Anfängen nie verändert: «Es ist die grosse Hingabe, mit welcher sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Kinder und Jugendlichen kümmern.»

Öffentliche Jubiläumsfeier am Donnerstag, 19. Mai, 17 Uhr, (Begrüssungsapéro ab 16.30 Uhr) im Campussaal Brugg-Windisch; Tag der offenen Tür am Samstag, 4. Juni, 10 bis 17 Uhr, am Wildenrainweg 8 in Brugg.

Die Festschrift erscheint in einer Auflage von 1000 Stück. Erhältlich ist sie für 20 Franken an der öffentlichen Jubiläumsfeier sowie am Tag der offenen Tür oder über www.150jahre.kinderheimbrugg.ch.