Gipf-Oberfrick/Aarau

«Blutrache»-Fall: Der Berufungsprozess kommt im August vor Obergericht

Mitte August findet vor Obergericht der Berufungsprozess im Fall des so genannten «Blutrache»-Mordes von Gipf-Oberfrick statt – wiederum unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Michael Spillmann
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Blutrache-Prozess

Blutrache-Prozess

Aargauer Zeitung

Im November 2010 hatte das Bezirksgericht Laufenburg einen mittlerweile 33-jährigen Kosovaren zu einer Gefängnisstrafe von 18 Jahren verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der damals 19-jährige Kosovare einer der Haupttäter war, als im Juni 1997 ein 32-jähriger Landsmann mit 17 Kopfschüssen exekutiert wurde.

Urs Oswald, der Anwalt des Kosovaren, bestätigt gegenüber der az, dass er gegen das Urteil Berufung eingelegt hat. «Mein Mandant wurde in einem Indizienprozess verurteilt, er bestreitet die Täterschaft nach wie vor», erklärt der Rechtsanwalt. Der junge Mann sei damals nur in der Nähe des Tatorts gewesen. Weiter erklärte er, dass seine Anträge, Familienmitglieder als Zeugen zu befragen, angenommen wurden.

Sicherheitsdispositiv geplant

Die erstinstanzliche Verhandlung fand vor dem Hintergrund der blutigen Familienfehde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen im Polizeigebäude in Schafisheim statt. Der Tote von Gipf-Oberfrick war eines von insgesamt sieben Opfern, die der langjährige Konflikt zwischen den beiden kosovarischen Familien gefordert hatte. Zwar wurde vor Gericht betont, die Fehde sei bereits seit Jahren beendet, doch überliess die Polizei trotzdem nichts dem Zufall: Polizisten überwachten das Areal, am Eingang zum Polizeigebäude mussten die Besucher des «Blutrache»-Prozesses durch einen Metalldetektor gehen, es gab Ausweiskontrollen und in den Pausen durfte das Gebäude nicht verlassen werden. Und: Die Fensterscheibe im Saal ist schusssicher.

Die zweitinstanzliche Verhandlung am 18. August findet jedoch nicht, wie zu vermuten wäre, in Schafisheim statt, sondern tatsächlich am Obergericht in Aarau. «Zusammen mit der Polizei wird das nötige Sicherheitsdispositiv ausgearbeitet und umgesetzt», sagt Nicole Payllier, Informationsbeauftragte der Justizbehörden. Dazu, wie dieses Dispositiv konkret ausschauen könnte, konnte nichts Genaueres in Erfahrung gebracht werden.