Baden

Wirtschaft boykottiert Geri Müller: Treffen ist geplatzt

Das alljährliche Treffen im Herbst zwischen Citycom Baden, IG Dättwil und der Aargauischen Industrie- und Handelskammer ist geplatzt. Der Grund ist Badens Stadtammann Geri Müller.

Roman Huber
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Geri Müller

Geri Müller

Emanuel Freudiger

Jeden Herbst treffen sich Vertreter der Citycom Baden (Vereinigung von Gewerbetreibenden, Dienstleistungen und Ladengeschäften), der IG Dättwil (Gewerbetreibende) und der Aargauischen Industrie- und Handelskammer AIHK mit dem Stadtrat zu einem Austausch. Dabei werden wirtschaftliche, verkehrstechnische oder auch Probleme und Fragen allgemeiner Art besprochen. Dank diesem informellen Austausch hat man auch erreicht, dass das Gewerbegebiet in Dättwil eine Poststelle behalten konnte. Vorige Woche hätte dieses traditionelle Treffen erneut stattfinden sollen, ist aber geplatzt.

«Wir haben dem Stadtrat früh signalisiert, dass für uns ein Treffen nur ohne Stadtammann Geri Müller infrage komme», sagt Michael Wicki, Citycom Baden. Die IG Dättwil sieht es laut Alt-Einwohnerrat André Bauer nicht anders: «Die Situation ist für uns auch nach der Mediation im Stadtrat nicht geklärt. Dem Stadtrat eine solche Bedingung zu stellen, ist zwar unbefriedigend. Doch nur so können wir zeigen, dass wir dem Stadtammann die Unterstützung entziehen.» Denn alle bisherigen Reaktionen, mit denen insbesondere von bürgerlicher Seite Druck auf den Stadtammann ausgeübt wurde, hätten nicht gefruchtet.

Auch Stadtrat sagt ab

Der Stadtrat sah sich durch diese Forderung unter Druck gesetzt. Vor zweieinhalb Wochen aus einer Mediation herausgegangen, stellte er sich hinter Stadtammann Geri Müller. Am Tag des Treffens kam per Mail die Stellungnahme des Stadtrats, wonach er den Entscheid der Wirtschaftsorganisationen bedaure und somit das Treffen seinerseits absage. Gleichzeitig erklärte sich der Stadtrat «offen für einen konstruktiven Austausch». Kommunikationschefin Jacqueline Keller erklärt, dass der Stadtrat Interessenvertretungen wiederholt die Gelegenheit gebe, sich gegenseitig auszutauschen. Doch: «Die Delegation des Stadtrates wird je nach Anlass vom Stadtrat bestimmt.»

Keine Besserung in Sicht

Wäre der Stadtrat auf die Bedingung eingetreten, so hätte er sich wohl erpressbar gemacht. Dennoch wird der Verlust dieses Austausches als unerfreulich betrachtet. Sofern sich an der Spitze des Stadtrates nichts ändere, werde es in den nächsten zwei Jahren nicht zu diesem Austausch mit dem Stadtrat kommen, lassen Wicki und Bauer mit Bedauern durchblicken. Von der AIHK wurden solche Bedingungen weder gestellt noch gutgeheissen. Dazu Peter Enderli: «Wir haben klar kommuniziert, dass wir uns in lokalen und regionalen wirtschaftspolitischen Angelegenheiten engagieren. Zu ausschliesslich politischen Vorgängen bezieht die AIHK keine Stellung. Weil dieses jährliche Treffen nur Sinn macht, wenn alle Delegationen teilnehmen, haben wir entschieden, nicht teilzunehmen.»

An der Trafo-Einweihung war Geri Müller wohl prominenter Abwesender, jedoch in vielen Gesprächen präsent. Mit Ausnahme des von Investor Werner Eglin ausgeladenen Stadtammanns war nämlich der Badener Stadtrat in corpore anwesend. Zwischen diesem und Wirtschaftsvertretern kam es denn auch zu regen Gesprächen. Eine Lösung, wie die gegenwärtige Blockade in der Stadt Baden zu beheben sei, zeichnete sich allerdings noch nicht ab.