Quartiere in Baden

Wie die Stadt Baden vom Kirchendorf zur Industriestadt wurde

Die Badener Altstadt ist in über 1000 Jahren langsam, aber stetig gewachsen: Ein kurzer Überblick.

Andreas Fahrländer
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Die historische Altstadt von Baden. (Archiv)

Die historische Altstadt von Baden. (Archiv)

Chris Iseli

Die ersten Siedlungsspuren auf dem Badener Stadtgebiet stammen aus der Jungsteinzeit (rund 2500 Jahre v. Chr.). Die eigentliche Keimzelle der Stadt liegt allerdings nicht in der Altstadt, sondern bei den heissen Quellen im Limmatknie.

Die erste schriftliche Erwähnung Badens stammt vom römischen Historiker Tacitus. Er nennt den Vicus Aquae Helveticae im Jahr 69 erstmals beim Namen. Die Siedlung bei den Bädern ist damit wesentlich älter als die mittelalterliche Altstadt, die erst später einen guten Kilometer entfernt am Fusse des heutigen Schlossbergs entsteht.

Auf diesem Felssporn über der engen Limmatklus, dem «Stein», steht schon vor dem Jahr 1000 ein Adelssitz. Die Burg gelangt im 11. Jahrhundert an die Grafen von Lenzburg, die sich fortan auch Grafen von Baden nennen. Schon im 7. Jahrhundert gibt es am Ort der heutigen Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt ein kleines Dorf, zu dem bald auch eine einfache Holzkirche zählt. Im 9. Jahrhundert wird an ihrer Stelle eine karolingische Saalkirche erbaut. Diese zweite Keimzelle der Stadt Baden bildet mit den Bädern im Limmatknie bald eine Doppelstadt. Von den Lenzburger Grafen fällt die Feste Stein im 12. Jahrhundert an die Kyburger, welche sie 1246 wiederum an die Habsburger vererben. Unter ihnen wird die Burg Stein zum stolzen, befestigten Verwaltungssitz des Königshauses – bis die Eidgenossen 170 Jahre später Baden erobern und die Burg zerstören.

Die zehn Quartiere der Stadt Baden.

Die zehn Quartiere der Stadt Baden.

Badener Tagblatt

An der engsten Stelle der Klus entsteht im 13. Jahrhundert der einzige feste Übergang über die Limmat unterhalb von Zürich – und damit auch die eigentliche Altstadt. Die hölzerne Zollbrücke wird mit der «Niederen Feste», dem Landvogteischloss, verstärkt. In der Folge wächst nach der Oberstadt auch die untere Altstadt am Fluss heran. Die Klus wird endgültig zur Talsperre, die Stadt zum Verkehrsknotenpunkt zwischen Zürich und Basel. Um 1297 erhält Baden das Stadtrecht und wird mit weiteren Mauern und Türmen befestigt. An der Burghalde blühen damals schon die Weinreben.

Durch die Weite Gasse – die Marktgasse – fliesst der Stadtbach. Der Verkehr rollt durch die Mittlere Gasse vom Brugger Tor zum Mellinger Tor (am heutigen Cordulaplatz). Rund um die katholische Stadt entsteht ein gutes Dutzend Kapellen, später auch zwei Klöster. Das um 1350 von Königin Agnes von Ungarn gestiftete Spital bei der Stadtkirche ist nicht nur ein Zentrum der Armen- und Krankenpflege, sondern auch des Handels und der Macht.

Aufstieg und Niedergang

Nach der Eroberung durch die Eidgenossen 1415 wird Baden von König Sigismund de jure zur freien Reichsstadt im Deutschen Reich. In Tat und Wahrheit ist Baden aber Untertanengebiet der Eidgenossen – und wird dank seinen Bädern bald zum Hauptsitz der eidgenössischen Tagsatzung. Bis zur Niederlage der Katholiken im Zweiten Villmergerkrieg: Die wiederaufgebaute Festung Stein wird ein zweites Mal zerstört, aus ihren Trümmern müssen die katholischen Badener eine reformierte Kirche errichten. Die Tagsatzung kommt nur noch selten nach Baden. Eine Periode des wirtschaftlichen Niedergangs lähmt das Leben in der Stadt.

Das ändert sich erst wieder nach der Gründung des Kantons Aargau 1803, als mit der Industrialisierung Fabriken an der Limmat entstehen – und nachdem 1847 mit der Spanischbrötlibahn zwischen Baden und Zürich die erste Eisenbahnstrecke der Schweiz eröffnet wird. Im 19. Jahrhundert werden die einengenden Stadtmauern geschleift, die Stadt öffnet sich. Mit der Gründung der Elektrotechnikfirma Brown, Boveri & Cie. 1891 vor den Toren der Stadt geht es endgültig aufwärts: Die Vorstädte wachsen, es entstehen prächtige Fabrikantenvillen. Baden wird zum blühenden Zentrum der ganzen Region.

Historische Bilder von Baden:

Baden historische Bilder
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So sah es am Schulhausplatz im Juli 1814 aus. Der Abbruch des «Mellingerturms», des Oberen Tors am Cordulaplatz (damals hiess er noch Paradiesplatz), wurde 1874 wie ein Fest gefeiert. Der Durchbruch sollte Luft und Licht in die Altstadtgassen bringen.
So sah es vor der Bahnverlegung aus: Durch den engen Schlossbergtunnel fuhr seit 1847 die Spanischbrötlibahn nach Zürich. Die Häuser vor dem Cordulaplatz wurden beim Bau des Strassentunnels abgerissen.
Als die Dampflok noch über den Platz fuhr und die Schiebebarrieren von Hand geschlossen wurden: Eine Postkarte von Baden um 1900. Der Gasthof zum Glas (rechts neben der Bahn) brannte 1960 ab, die Reben am Schlossberg wurden zu Bauland. Der Obeliskenbrunnen steht jetzt wieder an seinem Platz.
Der Kurpark in Baden war auch schon 1890 ein lauschiges Plätzchen, das zum Verweilen einlädt.
Baden, die Holzbrücke und der Bergsturzkopf um 1906.
Baden von Süden im Jahr 1913. Im Vordergrund der rauchende Schlot der Firma Merker.
Diese Postkarte zeigt das ehemalige Landvogtei-Schloss um ca. 1915.
Baden mit Lägern 1913: Als der Lägernhang noch völlig unbebaut war.
Das Brauerei-Gasthaus Falken gab der Barriere ihren Namen. Das Hotel musste schon 1957 weichen. Die 1850 erbaute Brauerei wurde erst 2004 durch den Neubau ersetzt, in dem sich heute das Bezirksgericht befindet.
Ein letztes Mal fällt die Falkenbarriere: Die Bahn brachte Wohlstand und Arbeitsplätze nach Baden. Aber auch viele Stunden mühsamen Wartens. Die Erleichterung war deshalb gross, als von 1957 bis 1965 der «neue» Schulhausplatz gebaut wurde.
Verstopfte Weite Gasse im Jahr 1960 mit Velo- und Buskolonnen. Das abgebrannte Restaurant Glas erlaubt die Datierung. Am oberen Bildrand das Schulhaus, das dem Platz seinen Namen gab.
Der Tunnelbogen des alten Bahntunnels steht noch, der Strassentunnel durch den Schlossberg ist schon betoniert. Der Ennetbadener Fotograf Werner Nefflen kam 1962 gerade noch rechtzeitig, um diesen denkwürdigen Augenblick festzuhalten. Rechts montiert ein Arbeiter die Sprengladung.
Als es in der Altstadt noch Handwerker gab: Der Sattler Mühlebach hatte seine Werkstatt in der Weiten Gasse und arbeitete gerne draussen. Hier zusammen mit den Pferden der Brauerei Müller am Schulhausplatz.
Der Bahnwärter hat ausgedient: Im September 1961 wurde die «Bahnverlegung» vollzogen, zumindest von der Eisenbahn war der Schulhausplatz befreit. Sie fuhr ab dann durch den grossen Bahntunnel.
Baden um 1919: im Vordergrund die mittelalterliche Brückenstadt, das moderne Baden liegt links.
Verkehr anno 1961: Im Hintergrund sieht man die alte Cordulapost mit dem Bild des abgebrochenen Mellingerturms. Rechts daneben der legendäre Lebensmittelladen Moneta. Die beiden Häuser wurden 1984 durch die neue «Porta Moneta» ersetzt.
Blick auf das Bahnhofquartier 1919. Der Badener Bahnhof zählt zu den ältesten des Landes. Er wurde 1847 als Endstation der Spanisch-Brötli-Bahn eröffnet.
Blick von oben auf die Hochbrücke und das Kleinkraftwerk Aue zwischen 1918 bis 1937.
Eine Postkarte von 1923, die den Kursaal Baden zeigt.
Eine weitere Postkarte vom Kurpark Baden aus dem Jahr 1926.
Blick in die Halle II des BBC-Gebäudes im Jahr 1926.
Blick auf die Ruine Stein um ca. 1930.
Im Jahr 1930 war der Löwenbrunnen bereits 108 Jahre alt.
Eine Postkarte des Kursaales datiert auf das Jahr 1936.
So sah die Badener Altstadt 1942 aus.
Limmat abwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Limmat aufwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Die Badener Altstadt 1945. Der Strassenverkehr wurde erst später aus der Altstadt verbannt. In der Badstrasse (links im Bild) entstand 1972 im Zuge des Bahnhofumbaus die erste Fussgängerzone der Schweiz.
Die Badener Altstadt im Jahr 1945, links im Bild die Hochbrücke, die 1926 eröffnet wurde.
Blick auf die Schiefe Brücke 1949, die Baden mit Ennetbaden verbindet. Sie wurde 1874 eröffnet und ist seit 2006 für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.
Das 1963/64 erbaute Thermalbad im Jahr 1969.
Hier wurde fast 40 Jahre lang fröhlich geplanscht – gegen Ende des 20. Jahrhunderts gerieten die Bäder in eine Krise.
Baden 1970 von oben aus süd-östlichem Blickwinkel. Im Bild: das Stadtzentrum, der Elektrotechnikkonzern Brown Boveri & Cie. (BBC, später ABB), die Hochbrücke und das Terrassenschwimmbad.
Baden 1980 von Südwesten. Im Bild: das Stadtzentrum, der Schulhausplatz, die Ruine Stein und der Schlossbergtunnel.
Baden 1980 von Osten. Im Bild: Die Altstadt, die Hochbrücke, die Limmat, rechts im Bild der Elektrotechnikkonzern BBC.
Baden 1987 von Westen. Im Bild: die Stadtkirche, das Stadtzentrum und die Kreuzung Schulhausplatz.
Ein Blick in die Mittlere Gasse im Jahr 1988.

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