Untersiggenthal

Wie die Bösen ins Siggenthal kamen

Das Ortsmuseum zeigt die spannende Geschichte des Schwingklubs Baden-Brugg, der heuer 100 Jahre alt ist. Die Region hat immer wieder erfolgreiche Schwinger hervorgebracht.

Ernst Meier
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Die Rekord-Trychle, die der Untersiggenthaler Werner Pulfer 1988 gewann. ZVG

Die Rekord-Trychle, die der Untersiggenthaler Werner Pulfer 1988 gewann. ZVG

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Schwingen erfreut sich dank Aushängeschildern wie Schwingerkönig Kilian Wenger und Unspunnen-Sieger Christian Stucki steigender Popularität. Auch wenn der Schweizer Nationalsport in den Alpen seinen Ursprung hat und derzeit von den Bernern dominiert wird, so blickt unsere Region ebenfalls auf eine lange Tradition zurück. Der Schwingklub Baden-Brugg wurde am 16. Dezember 1917 in der damaligen «Rheinfelderhalle» in Baden gegründet. Es war der erste Schwingklub im Aargau.

Das Inserat, mit dem zur Gründerversammlung geladen wurde, findet man im Ortsmuseum Untersiggenthal. In einer Sonderausstellung zeigt das Museum mit Bildern, Texttafeln, Videopräsentationen und Memorabilien viel Informatives zur hiesigen Schwingergeschichte. «Mit den Verantwortlichen des Schwingklubs Baden-Brugg haben wir keinen Aufwand gescheut, um die Highlights aus der 100-jährigen Vereinsgeschichte und viel Wissenswertes über den Sport zusammenzutragen», sagt Marcel Meier, Leiter Ortsmuseum Untersiggenthal.

Unter den vielen ausgestellten Schwingfestpreisen wie Glocken, Stabellen oder Wanduhren ist auch eine der grössten Trychlen, die es je an einem Schwingfest zu gewinnen gab. Sie gehört dem Untersiggenthaler Werner Pulfer. Er war in den 1980er-Jahren das Aushängeschild des Klubs und gewann Schwingfeste wie das Aargauer Kantonale und das Nordwestschweizer Teilverbandsfest.

Christoph Bieri zählt zur Elite

Am Mittwochabend fand die Vernissage zur Sonderausstellung statt. Die Schwinger – vom Nachwuchs bis zum Kranzgewinner – präsentierten vor dem Museum auf einem Sägemehlring ihr Können. Den zahlreich erschienenen Dorfbewohnern wurden Kurz, Buur, Wyberhaken und andere Schwünge demonstriert. «Beim Schwingen geht es nicht nur um Kraft, der Sport erfordert auch viel technisches Können», erklärte Andreas Beier. Der Untersiggenthaler Zimmereibesitzer war früher selber Kranzschwinger und ist heute Ehrenmitglied des Schwingklubs Baden-Brugg. Er stand dem Ortsmuseum beratend zur Seite. Musikalisch begleitet wurde der Anlass vom Jodlerklub Edelweiss.

Mit dem dreifachen Eidgenossen Christoph Bieri kommt einer der derzeit stärksten Schwinger der Schweiz aus Untersiggenthal. Aufgewachsen ist der 32-Jährige (189 Zentimeter/115 Kilo) auf dem Steinenbühl, wo seine Eltern einen Bauernhof führen. Schon Christophs Vater Max war ein erfolgreicher Kranzschwinger. Ebenfalls aus Untersiggenthal stammt der 18-jährige Florian Hitz. Er sorgt dafür, dass das Dorf eine Schwingerhochburg bleibt. Der Elektroinstallateur-Lehrling begann im Alter von 8 Jahren bei den Jungschwingern.

Die Eidgenossen Beier & Meier

Von der ersten Blütezeit des Schwingklubs Baden-Brugg zeugen zahlreiche Schwarz-Weiss-Fotos. In den 1960er-Jahren sorgte das Duo «Beier & Meier» für Aufsehen auf den Schwingplätzen. Josef Beier (1931-2000) aus Untersiggenthal und Ernst Meier (1935-2008) aus Obersiggenthal waren gefürchtete Sägemehl-Athleten. Beide gewannen zwei Eidgenössische Kränze. Sie sind auch auf den Siegerlisten der heimischen Schwingfeste auf der Baldegg oder dem Bözberg verewigt. Die beiden Traditionsanlässe führt der Schwingklub bis heute durch.

Das erste Schwingfest auf dem Badener Hausberg Baldegg fand 1918 statt. Auch dazu gibt es ein Bild und Infos im Ortsmuseum. Erster Baldegg-Sieger vor 500 Zuschauern war der Badener Rudolph Kunz. Preise wurden damals keine abgegeben und der Eintritt kostete 50 Rappen. Die Zeit war geprägt durch den Ersten Weltkrieg. Nach dem Rangverlesen erhielt jeder Schwinger «ein Zobig bestehend aus einem Schüblig, 100 g Brot (Rationierung!) und eine Flasche Bier», hielt der Chronist fest. Die Zeiten haben sich definitiv geändert: Den letzten Baldegg-Schwinget 2016 gewann mit dem Portugiesen Tiago Vieira ein Secondo. Als Preis erhielt er ein Kälblein.

Die Sonderausstellung «100 Jahre Schwingklub Baden-Brugg» im Ortsmuseum Untersiggenthal ist an folgenden Tagen geöffnet: 1.10./5.11./3.12./7.1./4.2./4.3., jeweils von 10 bis 12 Uhr. Auf Anmeldung sind auch private Führungen möglich. Auskunft gibt Marcel Meier, 079 290 56 87.