Neuenhof

Vandalismus zu Halloween – Jugendarbeiterin: «Videokameras allein lösen das Problem nicht»

Trotz Videoüberwachung und Patrouillen: Vandalen schlugen an Halloween in Neuenhofs und Untersiggenthals Schule zu. Was lief falsch?

David Rutschmann
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Nicht immer drückt sich Unmut im Neuenhofer Schulareal mit einer solchen harmlosen Sprayerei aus.

Nicht immer drückt sich Unmut im Neuenhofer Schulareal mit einer solchen harmlosen Sprayerei aus.

Severin Bigler

Eine zerstörte Scheibe an einem Schulgebäude in Neuenhof und Eier an einer Schulhausfassade in Untersiggenthal: Die beiden Gemeinden blieben auch in der diesjährigen Halloween-Nacht nicht von Vandalismus verschont, wie den jeweiligen Gemeindenachrichten zu entnehmen ist.

Zumindest in Neuenhof ist die Halloween-Tradition bereits seit Jahren mit Vandalismus verbunden. In den Herbstferien wurden 13 Videokameras auf dem Schulareal installiert. Zudem waren Regionalpolizisten am Abend und bis in die Nacht hinein auf Patrouille.

Ein Schulhaus in Untersiggenthal wurde mit Eiern beworfen.

Ein Schulhaus in Untersiggenthal wurde mit Eiern beworfen.

zvg

Bereits in der Nacht auf Freitag zeigten die beiden Mitarbeiter der Jugendarbeit Neuenhof Präsenz auf dem Schulareal – denn auch die Nacht vor Halloween lockt klassischerweise Vandalen an. Einige Jugendliche hätten sich grüppchenweise auf dem Sportplatz aufgehalten, ausserhalb des Erfassungsbereichs der Kameras, erzählt Jugendarbeiterin Nathalie Jaworski. Es sei ruhig zugegangen.

Jaworski leitet die Neuenhofer Jugendarbeit seit 2015, kennt die wiederkehrende Vandalismus-Thematik im Ort also gut – genauso wie die Jugendlichen, die zu Hause Frust haben und deswegen den Jugendraum besuchen. «Wo Jugendliche sind, gibt es Reibungen. Sie wollen Grenzen ausloten und überschreiten. Man muss ihnen diese aber setzen und klarmachen, warum sie das nicht machen sollen. Den Dialog zu fördern, ist wichtig», erklärt sie.

«Mehr Sozialkompetenz und Mitspracherecht nötig»

Kann durch Jugendarbeit Vandalismus denn nicht präventiv verhindert werden? Jaworski schildert, dass Jugendarbeit vor allem auf die Freizeit von Jugendlichen einen Einfluss habe. Der Vandalismus lege vielmehr ein grundlegenderes Problem zutage: Eine Frustration mit dem Bildungssystem. «Das zeigt sich dadurch, dass eben nicht das Gemeindehaus, sondern hauptsächlich Schulen von Vandalismus betroffen sind.»

Nathalie Jaworski

Nathalie Jaworski

zvg

Das Bildungssystem sei auf Schwächen ausgerichtet und bestrafe das, was ein Schüler nicht kann, anstatt seine vorhandenen Ressourcen und vor allem seine Sozialkompetenz zu fördern.
Schule sei für Jugendliche ein wichtiger Lebensmittelpunkt, bei welchem sie aber so gut wie keine Mitbestimmungsrechte hätten. Wer Mitverantwortung trage, zerstöre auch nicht, das zeige sich im Jugendraum, der von den Jugendlichen mitaufgebaut wurde. Diese Partizipation habe zum Beispiel bei der Neugestaltung des Schulhofs gefehlt.

Trostloser Anblick: Das Schulareal in Neuenhof.

Trostloser Anblick: Das Schulareal in Neuenhof.

Severin Bigler

Massnahmen wie Videokameras und Polizei-Präsenz seien hingegen mehr Symptom- als Ursachenbekämpfung. «Es hat keine nachhaltige Wirkung, Jugendliche einfach von Plätzen wegzuschicken, die sie vermüllt haben. Den Umgang mit Littering lernen sie so nicht. Sie müssen in die Verantwortung genommen werden.»

Auf Gemeindeebene würde sie sich daher mehr Mitspracherecht für Jugendliche wünschen. Da Martin Uebelhart (CVP) seit seinem Amtsantritt als Gemeindeammann signalisiert habe, dass er in der Jugend die Zukunft von Neuenhof sieht, ist die 33-Jährige in dieser Hinsicht optimistisch. Durch den Lehrplan 21 erhofft sie sich auch an den Schulen die verstärkte Implementierung fächerübergreifende Förderung von Sozialkompetenzen.

Viel Beton im Schulareal in Neuenhof.

Viel Beton im Schulareal in Neuenhof.

Severin Bigler