Turgi

Umweltfreundlich und lokal: Im goldenen Käfig wird Klärgas zu Biogas veredelt

Die Regionalwerke AG Baden setzt neu auf eine Energiequelle, die nicht nur mit Nachhaltigkeit punktet, sondern auch das Label "regional" verdient. Wir erklären, wie die Energiegewinnung funktioniert.

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Philippe Lehmann (Projektleiter Regionalwerke Baden, rechts) erklärt Stadtrat Roger Huber, Präsident des Abwasserverbandes Region Baden Wettingen und damit Grundeigentümer, wie das Rohgas in der Biogasaufbereitungsanlage veredelt und ins Erdgasnetz eingespeist wird.
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Blick auf die ARA Laufäcker: links die Klärbecken, rechts die beiden Faultürme, davor das Gehäuse der Anlage.
ARA Laufäcker verfügt über eine Aufbereitungsanlage für Biogas

Philippe Lehmann (Projektleiter Regionalwerke Baden, rechts) erklärt Stadtrat Roger Huber, Präsident des Abwasserverbandes Region Baden Wettingen und damit Grundeigentümer, wie das Rohgas in der Biogasaufbereitungsanlage veredelt und ins Erdgasnetz eingespeist wird.

Roman Huber

Auf dem Areal der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Laufäcker ist am Mittwoch eine Biogasaufbereitungsanlage eingeweiht worden, wie es sie schweizweit erst wenige gibt. Damit kann das Methangas, das bei der Gärung von Frischschlamm (aus den Klärbecken) in den beiden Faultürmen entsteht, so behandelt werden, dass daraus Biogas gewonnen werden kann. Das veredelte Biogas kann ins Erdgasnetz der Erdgas Zürich Transport AG eingespeist werden, wobei die Anlage auf Turgemer Boden und somit auf dem Konzessionsgebiet der Industriellen Betriebe Brugg AG steht. Diese hat ebenfalls am Mittwoch eine ähnliche Anlage bei der erneuerten ARA Brugg-Windisch offiziell eingeweiht.

Wirtschaftlich und ökologisch

Der Badener Stadtrat Roger Huber, Präsident des Abwasserverbandes Region Baden Wettingen und Hausherr in der ARA Laufäcker, spricht von einer sehr sinnvollen Kooperation verschiedener Partner. «Vor allem aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht stellt die neue Anlage einen Gewinn dar», vermerkt Huber. Denn in der ARA Laufäcker selber wurde bereits zuvor das Faulgas genutzt: Mit dem gasbetriebenen Blockheizkraft konnten rund 70 Prozent des Eigenbedarfs an Strom gedeckt werden. Doch mit 18 Jahren hatte diese Anlage ihr Lebensalter erreicht.

Mit der Biogasaufbereitungsanlage kann nun energetisch ein noch besserer Nutzen als zuvor erzielt werden, denn mit dem dabei gewonnenen Erdgas können während eines ganzen Jahres 150 Einfamilienhäuser mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Für die Realisierung zeichnete die Regionalwerke AG Baden verantwortlich, die damit ein weiteres umweltfreundliches Projekt für erneuerbare Energie betreibt, neben dem grossen Holzheizkraftwerk in Dättwil, das auch dieses Jahr in Betrieb geht. Während die Biogasaufbereitungsanlage 4,5 Gigawattstunden Energie jährlich liefert, sind es beim Holzheizkraftwerk 13,25 GWh Wärme und 4 GWh elektrische Energie.

Aus Klärschlamm wird Biogas

Die Aufbereitungsanlage befindet sich in einem containerähnlichen Bau. Dieser wird durch ein mit Streckmetall-Elementen eingefasstes Stahlgerüst, das von Architekt Stefan Schmidlin gestaltet wurde und sich wie ein goldener Käfig präsentiert, vor der Witterung geschützt.
Für die gesamte Anlage haben die Regionalwerke rund eine Million Franken investiert. Das Projekt sei an einer ausserordentlichen Verwaltungsratssitzung im August 2015 beschlossen worden, erzählt Werner Graber, Verwaltungsratspräsident der Regionalwerke Baden. Das Projekt wurde in anderthalb Jahren realisiert, wovon der Bau der Anlage sechs Monate in Anspruch genommen hat.

Die Aufbereitung des zugeleiteten Methangases erfolgt in einem mehrstufigen Prozess. Zuerst wird das Gas entschwefelt, wobei es durch Aktivkohlefilter geführt wird. In einem weiteren Schritt werden Methan und Kohlenstoffdioxid durch «hochselektive Membranen» getrennt. Bevor das Gas dann ins Erdgasnetz eingeleitet werden kann, müssen der Druck, der Brennwert sowie die Trockenheit in die notwendige Qualität gebracht werden.

Werner Graber weist auf die lokale Wertschöpfung hin und die strategischen Ziele der Regionalwerke, zu der die Förderung erneuerbarer Energien und deren nachhaltige, CO2-reduzierte Gewinnung. So wollen die Regionalwerke 10 Prozent des Gases durch Biogas abdecken.