Baden

Überlebenskampf: Hotel- und Casinobetreiber fordern ein Ticketsystem über die Schiefe Brücke

Hotel- und Casinobetreiber bringen die Idee eines Ticketsystems mit Barriere vor der Badener Schiefen Brücke auf. Die Stadtregierung ist von dieser Idee nicht gerade begeistert.

Martin Rupf
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Seit 2006 ist die Schiefe Brücke zwischen Baden und Ennetbaden für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.

Seit 2006 ist die Schiefe Brücke zwischen Baden und Ennetbaden für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.

Carla Stampfli

Harte Zeiten für den Wirtschaftsstandort Baden: Erst letzte Woche sorgte die Meldung, dass das Möbelgeschäft Form+Wohnen nach 47 Jahren Ende Juni dichtmachen wird, für Gesprächsstoff. Doch nicht nur das Kleingewerbe leidet, auch grosse Player wie zum Beispiel das Grand Casino Baden machen schwere Zeiten durch. So erwirtschaftete das Casino im vergangenen Jahr mit 61,9 Millionen Franken 5,6 Prozent weniger Bruttospielertrag als im Vorjahr.

Einen spürbar negativen Einfluss hätten dabei die Bauarbeiten bei der Schulhausplatz-Kreuzung in Baden gehabt. Und nicht zuletzt brauchen auch die Betriebe unten im Bäderquartier einen langen Schnauf, wenn diesen Sommer die zwei Jahre dauernden Bauarbeiten für das neue Thermalbad beginnen.

Vignette für Casino-Stammgäste?

Wird über mögliche Lösungs- und Verbesserungsvorschläge diskutiert, taucht immer wieder die Idee einer zumindest temporären Öffnung der Schiefen Brücke auf. Stellt sich die Frage, ob die verhältnismässig schmale Brücke mit enger Zu- und Wegfahrt den Individualverkehr überhaupt bewältigen könnte. Nun präsentieren verschiedene Protagonisten eine Idee, die vielleicht tatsächlich einen gangbaren Kompromiss darstellen könnte. Die Rede ist von einem Ticketsystem inklusive Barriere vor der Brücke. Diese würde dann quasi wie eine Zufahrt in ein Parkhaus funktionieren.

Wer über die Schiefe Brücke in die Stadt fährt, muss die Stadt auch wieder über die Brücke verlassen und die entsprechende Aufenthaltsdauer berappen. «Ein solches System würde es unseren Gästen erleichtern, uns besser zu erreichen», ist «Limmathof»-Direktor Lorenz Diebold überzeugt. Schon heute mit der Schulhausplatz-Baustelle sei die Situation ziemlich anspruchsvoll. «Wenn diesen Sommer hier unten zusätzlich die Bagger auffahren, wird es eine noch grössere Herausforderung, dass die Gäste den Weg zu uns finden», so Diebold. Er habe deshalb bei der Stadt ein Gesuch um temporäre Öffnung der Brücke gestellt – leider ergebnislos.

Auch Casino-CEO Detlef Brose würde ein solches Ticket-System begrüssen. «Schon als die Sanierung des Schulhausplatzes bekannt wurde, war für uns eigentlich klar, dass die Schiefe Brücke während der Bauzeit geöffnet werden muss.» Bei einer temporär geöffneten Brücke könnten Casino-Gäste direkt ins Casino-Parkhaus fahren, ohne das Stadtzentrum passieren zu müssen. «Für unsere Stammgäste könnte ich mir gar eine Vignetten-Lösung vorstellen.» Brose hält zwar fest, dass sich die Situation etwa drei Monate nach Baustellenstart im Juli 2015 etwas beruhigt habe. «Lag der Ertragsrückgang am Anfang noch bei neun Prozent, hat er sich jetzt bei etwa fünf Prozent eingependelt – viele Gäste haben wohl realisiert, dass man insbesondere am Abend sehr flüssig durchs Zentrum kommt. Trotzdem haben wir für das laufende Jahr rund drei Millionen Franken weniger Ertrag gegenüber der Rechnung budgetiert», erklärt Brose.

Lütolf: «Öffnung ist kein Thema»

Seit November 2006 ist die Schiefe Brücke für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. So hatte es 1996 das Verwaltungsgericht entschieden. Die Schliessung der Schiefen Brücke war als flankierende Massnahme zur Eröffnung der Siggenthaler Brücke vorgesehen.

Stellt sich die Frage, ob die Brücke in Ausnahmefällen trotzdem temporär geöffnet werden könnte. «Das ist eine theoretische Frage, die juristisch beantwortet werden müsste», sagt Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing bei der Stadt Baden. Doch eine Öffnung sei zurzeit ohnehin kein Thema. «Denn die Brücke kann nur in Spezialfällen wie zum Beispiel Unfallsituationen temporär geöffnet werden.» Lütolf weist auch darauf hin, «dass solche Zubringer-Lösungen schon früher diskutiert, aber verworfen wurden».

Gute Erschliessung gewährleisten

Der Standortförderer bekräftigt, dass sich die Stadt absolut bewusst sei, dass die Bautätigkeiten im Bäderquartier für Anwohner, Dienstleister und für deren Besucher eine grosse Herausforderung darstellen werden. «Wir werden deshalb alles daransetzen, die Situation so erträglich wie nur möglich zu gestalten und insbesondere jederzeit eine gute Erschliessung zu gewährleisten», verspricht Lütolf. Zum jetzigen Zeitpunkt sei man davon überzeugt, dass dies auch ohne Öffnung der Schiefen Brücke möglich sei.